Rems-Murr-Kreis

Rems-Murr-Kreis zählt Radfahrer: Wozu soll das gut sein?

Fahrrad
Symbolfoto. © ZVW/Alexandra Palmizi

Eins, zwei, drei, viele: Mehr Menschen schwingen sich aufs Fahrrad, nicht nur am Wochenende. Dieser Eindruck stimmt tatsächlich, die Zahlen beweisen das. Die Landkreisverwaltung zählt an diversen Punkten nach, zu welchen Zeiten wie viele Radlerinnen und Radler kreuzen. Neuerdings sind noch ein paar mehr Zählstellen in Betrieb als bisher; weitere sind geplant. Was bedeutet das für den Ausbau des Radwegenetzes im Rems-Murr-Kreis? Wie zählt man eigentlich Fahrräder, es wird ja wohl niemand tagaus, tagein am Straßenrand sitzen wollen?

Die Rems-Murr-Verwaltung möchte aus einem einfachen Grund wissen, wo Radfahrerinnen und Radfahrer in großer Zahl vorbeiflitzen: Die Daten fließen in die Radwegeplanung ein, sprich, wo eh kaum Radler unterwegs sind, braucht man vielleicht auch keine extra Infrastruktur, während sich dort, wo Zweiräder in rauen Mengen zu beobachten sind, Investitionen eher lohnen. Allerdings:

Wie wertet man Nutzer/-innen-Zahlen sinnvoll aus? Bestimmte Strecken werden ja vielleicht genau deshalb nicht genutzt, weil sie nicht gut ausgebaut sind?

Es geht darum, Daten über längere Zeiträume hinweg zu ermitteln, informiert eine Sprecherin des Landratsamts. Damit ließen sich Informationen gewinnen zu Fragen wie diesen: Hat die Radverkehrsförderung im Landkreis eine Auswirkung auf die Nutzerzahlen? Lohnt es sich, die Rad-Infrastruktur weiter auszubauen? Ferner kann man via Zählstelle messen, ob radfahrfreundliche Veränderungen an einer Strecke tatsächlich zu mehr Radverkehr führen.

„Zum anderen dienen die Nutzerzahlen auch als Grundlage für unsere Sanierungs- und Ausbauplanung. An Stellen mit mehr Radverkehr haben Maßnahmen eine größere Auswirkung. Bei sehr hohen Radverkehrsmengen sollte zudem geprüft werden, ob ein Ausbau über den vorgegebenen Standard hinaus nicht sinnvoll wäre“, so die Sprecherin weiter.

Schaut man auf die Zahlen im Tagesverlauf, ergeben sich weitere Erkenntnisse: „Wir können sehen, wann wie viele Radfahrende an welchem Wochentag auf dem jeweiligen Abschnitt unterwegs sind. Darüber können wir zum einen feststellen, ob die Strecke hauptsächlich von Freizeit- oder Alltagsradverkehr genutzt wird. Die Nutzergruppen stellen unterschiedliche Ansprüche an die Streckenbeschaffenheit“, heißt es weiter in einer Antwort des Landratsamts auf eine Anfrage dieser Zeitung.

Welche Erkenntnisse gibt es mit Blick auf die bereits bestehenden Zählstellen?

Die ersten Zählstellen wurden im September 2021 installiert. Erstmals ab Oktober 2021 ließen sich die Messwerte mit den 2022er-Zahlen vergleichen. Sowohl beim täglichen Durchschnitt als auch bei den Spitzen seien prozentuale Zuwächse im zweistelligen Bereich zu verzeichnen gewesen. Der milde Herbst 2022 dürfte auch eine Rolle gespielt haben. Fahrradgeschäfte verzeichnen schon länger eine hohe Nachfrage. Besonders beliebt: Pedelecs und E-Bikes.

Warum wurden die Zählstellen ausgerechnet dort aufgestellt, wo sie jetzt sind?

Die Zählstellen wurden an Streckenabschnitten angebracht, über die der Kreis verfügen kann. Bei der Auswahl hat man darauf geachtet, Stellen zu wählen, an welchen bisher schon vergleichsweise viel Radverkehr zu beobachten war. Zum einen sind das laut der Sprecherin touristische Radrouten, aber auch Strecken, auf welchen viele Alltagsradlerinnen und -radler unterwegs sind. Die Zählstellen wurden nur an Wegen installiert, die den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen entsprechen: „An diesen Stellen können wir davon ausgehen, dass die Radfahrenden den vorhandenen Weg anstelle der Straße nutzen.“

Wie funktioniert so eine Zählstelle? Ein Fahrrad hat ja nur ganz beschränkte Berührungspunkte mit der Straße?

Die Messung findet über Induktionsschleifen in der Fahrbahn statt. Fahrräder besitzen aufgrund ihres Aufbaus ein bestimmtes elektromagnetisches Profil. Die Software im Zählgerät registriert dieses Profil. Damit wird ausgeschlossen, dass die Zählstelle fälschlich einen Hund, in dessen Leine sich metallische Bestandteile befinden, als Radfahrer wahrnimmt. Das Zählgerät ist zusammen mit einer Batterie in einem Schacht untergebracht und registriert neben der Anzahl der Überfahrten auch jeweils Datum und Uhrzeit.

Man sieht die Zählstellen also nicht?

Nur bei genauerem Hinschauen. Die Zählstellen befinden sich in der Fahrbahn oder im angrenzenden Grünstreifen. Die Variante im Untergrund hat den Vorteil, dass Personen sie nicht direkt beschmutzen oder beschädigen können.

Eins, zwei, drei, viele: Mehr Menschen schwingen sich aufs Fahrrad, nicht nur am Wochenende. Dieser Eindruck stimmt tatsächlich, die Zahlen beweisen das. Die Landkreisverwaltung zählt an diversen Punkten nach, zu welchen Zeiten wie viele Radlerinnen und Radler kreuzen. Neuerdings sind noch ein paar mehr Zählstellen in Betrieb als bisher; weitere sind geplant. Was bedeutet das für den Ausbau des Radwegenetzes im Rems-Murr-Kreis? Wie zählt man eigentlich Fahrräder, es wird ja wohl niemand

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