Rems-Murr-Kreis

Remstalkellerei: Neues von der Goldbarren-Affäre

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Die Remstalkellerei hat wieder einen Vorstand. © Laura Edenberger

Weinstadt/Stuttgart.
„Als der Aufsichtsrat im Spätsommer/Herbst 2017 eingeschaltet und informiert wurde über den Verlust der Goldbarren im Wert von 35 000 Euro und den Betrug, war die ganze Sache längst gelaufen. Wir konnten nicht mehr eingreifen“, erinnert sich ein damaliges Mitglied des neunköpfigen Aufsichtsratsgremiums der Remstalkellerei eG.

Pikantes Detail: „Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt und quasi genötigt, eine Verschwiegenheitserklärung zu unterschreiben, und hätten mit privatem Vermögen gehaftet, wenn öffentlich geworden wäre, dass der Vorstand Opfer von Betrügern geworden ist, denen im Voraus Provision in Goldbarren gezahlt wurde.“

Der 35 000-Euro-Verlust sei bereits in der Bilanz 2017 verbucht worden. „Ob als Spesen oder wie sonst, wurde uns nicht mitgeteilt“, sagt das damalige Aufsichtsratsmitglied.

Die Verschwiegenheitserklärung sei vom Prüfungsverband, dem Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband, entworfen worden, erinnert sich das Aufsichtsratsmitglied. Ein Sprecher des Verbands widerspricht: „Der BWGV hat keine Verschwiegenheitserklärung entworfen.“

„Jeder behauptet jetzt, mir wäre so was nie passiert“

Goldbarren an Betrüger übergeben: Wie kann so etwas passieren!? Wie naiv sind denn die!? Wie peinlich!? Unverständnis allenthalben. Die jetzt erst öffentlich gewordene Goldbarren-Affäre der Remstalkellerei von 2017 macht viele, insbesondere die Mitglieder und Wengerter der Remstalkellerei eG, auch wütend. Alle diese Gefühle und Reaktionen kann Claus Mannschreck absolut verstehen, sagt er. Er war von Juni 2017 bis Oktober 2018 Vorstandsvorsitzender der Wengerter-Genossenschaft.

„Jeder behauptet jetzt, mir wäre so was nie passiert. Und dann auch noch die Provision im Voraus zahlen: Wie dumm muss man sein!? Dabei sollte jeder wissen, dieser Betrug war von langer Hand vorbereitet. Wir wurden Opfer eines hochprofessionellen Betrüger-Netzwerkes. Alles fing völlig unverfänglich an. Die kamen von sich aus auf die Remstalkellerei zu. Traten als Vertreter einer seriös erscheinenden Handelsfirma auf. Die hatten Ahnung vom Weingeschäft. Legten Geschäftspläne vor. Hatten Ausweispapiere, Steuernummern. Und die Geschäftsanbahnung lief über Monate hinweg. Das war kein Schnellschuss. Die haben richtigen Aufwand betrieben, uns zu täuschen“, sagt Mannschreck.

Staatsanwaltschaft bestätigt: Ermittlungsverfahren läuft

Mehrmals hätten Treffen von Vertriebsmitarbeitern der Remstalkellerei mit Vertretern der vermeintlichen lettischen Handelsfirma stattgefunden. „Ich war bei solchen Treffen nicht dabei. Ich habe die Geschäftsleute nur mal bei einer Telefonkonferenz erlebt. Ich war auch bei der Goldbarren-Übergabe nicht dabei und habe den Deal keinesfalls alleine entschieden. Ein Vorstandsvorsitzender hat gar nicht die Kompetenz, so etwas alleine zu entscheiden.“

Wo fanden die Treffen statt? „Im Ausland“, so Mannschreck. Genauere Details wolle er nicht preisgeben, weil ein rechtliches Verfahren laufe. Ein ehemaliger Kollege habe ihn darüber informiert. Eine Anklage sei noch nicht erhoben. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart bestätigt: „Aufgrund einer Strafanzeige vom April 2019 ist im Zusammenhang mit der Anbahnung eines Exportgeschäfts der Remstalkellerei e.G. im Jahr 2017 ein Ermittlungsverfahren anhängig.“ Aufgrund der laufenden Ermittlungen könnten keine näheren Auskünfte erteilt werden – weder darüber, wer die Strafanzeige gestellt hat oder wie viele Personen angezeigt wurden, noch welche mutmaßlichen Tatbestände im Raum stehen.

Er wisse freilich, Provision im Voraus zu zahlen und dann auch noch in Goldbarren, sei absolut unüblich, sagt Mannschreck. „35 000 Euro in Gold sind aber auch nicht ein Riesenkoffer voll, wie manche denken, sondern die passen in eine Hand oder einen Umschlag.“ Das Gold habe die Remstalkellerei im Rahmen eines normalen Edelmetallkaufes über eine Bank erworben.

Die Hoffnung auf Sanierung durch einen großen Geschäftsabschluss

Die Letten stellten in überzeugender Art und Weise regelmäßige Weinexportgeschäfte in Aussicht, Abnehmer sollten große Hotelketten – auch im Mittleren Osten – sein. „Wir hatten bereits spezielle Füllungen und Abholbedingungen besprochen. Die Geschäfte hätten ein solches Ausmaß gehabt, dass 35 000 Euro als Provision für die Vermittlung im Vergleich ein Klacks gewesen wären“, sagt Mannschreck – nicht ohne bittere Selbsterkenntnis in der Stimme.

Die Lage der Remstalkellerei war schon im Juni 2017, als Mannschreck Vorstandsvorsitzender wurde, sehr schwierig gewesen. Die Wengerter-Genossenschaft hatte 2013 Geschäftsführer Heiko Schapitz gehen lassen, nachdem er eine verheerende Bilanz vorgelegt hatte. Bis 2018 war sie völlig ohne Geschäftsführung. Vorstände und Aufsichtsräte waren am Ruder. Der Weinhändler Claus Mannschreck wurde 2014 Aufsichtsrat, 2015 Vorstandsmitglied und 2017 Vorstandsvorsitzender.

„Mir ging es immer um die Remstalkellerei.“ Internationale Hotelketten als regelmäßige Abnehmer von Remstalkellerei-Weinen hätten die wirtschaftliche Not der Genossenschaft lindern können. Sanierung durch Großaufträge passiere in der Wirtschaft immer wieder, so Mannschreck.

„Dass ich mich für die Genossenschaft und die Wengerter eingesetzt habe, war auch mit massiven finanziellen Einbußen für mich verbunden“, sagt Mannschreck. Im Oktober 2018, nachdem Peter Jung Geschäftsführer geworden war, hörte Mannschreck als Vorstandsvorsitzender auf. „Aus persönlichen Gründen. Aufsichtsräte und ich waren sich einfach zu uneins in vielen Belangen. Das hatte aber nichts mit den Goldbarren zu tun.“ Danach, nach anderthalb Jahren, habe er nicht mehr zurück in den Weinvertrieb gekonnt und nach einer neuen Anstellung Ausschau halten müssen.

Ein damaliger Aufsichtsrat sagt, Claus Mannschreck sei 2018 abgewählt worden. „Die Goldbarren waren nur einer von mehreren Gründen für die Abwahl.“

Weinstadt/Stuttgart.
„Als der Aufsichtsrat im Spätsommer/Herbst 2017 eingeschaltet und informiert wurde über den Verlust der Goldbarren im Wert von 35 000 Euro und den Betrug, war die ganze Sache längst gelaufen. Wir konnten nicht mehr eingreifen“, erinnert sich ein damaliges Mitglied des neunköpfigen Aufsichtsratsgremiums der Remstalkellerei eG.

Pikantes Detail: „Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt und quasi genötigt, eine

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