Rems-Murr-Kreis

Rettungsdienste wappnen sich für Ernstfall: Große Übung in Waiblingen

DRK-Übung in Waiblingen 13.11.2021
Übung in Waiblingen: Rettungskräfte transportieren einen Patienten. © ZVW/Benjamin Büttner

Jaulende Martinshörner, rotierende blaue Lichter, heulende Motoren und giftig surrende Drohnen - abrupt wurde am Samstagnachmittag (13.11.) das Berufsschulzentrum im Waiblinger Ameisenbühl aus der beschaulichen Wochenendruhe aufgeschreckt. Die Rettungsdienste im Rems-Murr-Kreis haben bei einer großen Übung den Ernstfall geprobt. Das Szenario: Wie geht man mit einer Masse an Verletzten und Erkrankten um?

Nacheinander fuhren Einsatzfahrzeuge von Rotem Kreuz, Malteser Hilfsdienst, Arbeiter Samariterbund, Polizei und Feuerwehr auf den Lehrerparkplatz, stellten sich zunächst kreuz und quer und versperrten sich gegenseitig die Fahrbahn. Minutenlang bemühten sich Polizeibeamte, Ordnung in das Fahrzeug-Gewusel zu bringen, jedem seinen Platz zuzuweisen und sich dazwischen drängende Privatfahrzeuge Neugieriger abzuweisen.

Belastbarkeit im Ernstfall überprüfen

Die gemeinsame Übung der „Blaulichtfraktionen“ war vom Landratsamt anberaumt worden. Ihr Zweck bestand darin, so war einer Pressemitteilung des Kreises zu entnehmen, das seit 2019 erarbeitete Konzept bei einem „Massenanfall Verletzter und Erkrankter“ gemeinsam mit den Hilfsorganisationen, den Rems-Murr-Kliniken, den Leitenden Notärzten, den Feuerwehren und der Polizei auf seine Belastbarkeit im Ernstfall zu überprüfen. Die für die Übung selbst zugrunde gelegte Annahme bestand darin, dass eine Gruppe Schülerinnen und Schüler im Werkstattbereich herumgebalgt hatte, woraufhin ein Schüler Reizgas versprühte. Über die Telefonnummer 112 löste der anwesende Lehrer Alarm aus und bat für zehn Schüler um Hilfe, die durch das Reizgas Verätzungen und Augenreizungen erlitten hatten. Nach dem Vorfall, so die Übungsannahme, versammelten sich die Schüler auf dem Parkplatz, wo die Opfer versorgt und besorgte Eltern, die nach und nach hinzukamen, in Empfang genommen und betreut wurden.

Patienten sicher und schnell versorgt

Der Schwerpunkt der Übung, erläuterte im abschließenden Pressegespräch Dr. Hartung Enzel als Sprecher der Leitenden Notärzte im Kreis, habe im medizinischen Bereich gelegen. Sie sei ein voller Erfolg und gut gelaufen, auch nachdem man noch kurz davor die bestehenden Notfallpläne überarbeitet und Neuerungen eingeführt habe. Trotz der unübersichtlichen Übungsannahme sei es gelungen, die Patienten sicher und schnell zu versorgen. Bereits nach 45 Minuten, ergänzte Marc Flittner, der Leiter des DRK-Rettungsdienstes, seien die ersten abtransportiert worden. Nach einer Stunde habe man die Übung erfolgreich abgeschlossen.

Wichtig, solche Szenarien im Blick zu behalten

Landrat Dr. Richard Sigel, als Leiter der für den Katastrophenschutz im Kreis zuständigen Behörde, zeigte sich in einem ersten Resümee mit dem Verlauf der Übung „sehr zufrieden“. Man habe aus ihr wichtige Erkenntnisse gewonnen, die es noch weiter zu vertiefen gelte. Der Einsatz und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren habe „sehr gut geklappt“. Man sei hervorragend aufeinander eingespielt. Es handle sich um die erste, aber nicht die letzte derartige Übung.

Gerade die Überschwemmungskatastrophe im Ahrtal habe allen vor Augen geführt, wie wichtig es sei, solche Szenarien im Blick zu behalten, gerade weil es sich dabei nicht um das „Tagesgeschäft“ handle. „Wir sind als einzelne Organisationen gut aufgestellt“, ergänzte Kreisbrandmeister René Wauro. Hinsichtlich der Zusammenarbeit untereinander gebe es durchaus noch Übungsbedarf. Derartige Übungen würden helfen, die Arbeit an den „Schnittstellen“ zu optimieren und auch möglicherweise vorhandene Vorbehalte abzubauen.

Keine Probleme bei der Kommunikation

Hinsichtlich der Kommunikation untereinander habe es keine Probleme gegeben, erklärte Wauro, auch wenn man nach wie vor mit analogem und nicht mit Digitalfunk unterwegs sei. Allerdings gehe er davon aus, dass der Digitalfunk noch vor einer neuen Einsatzleitzentrale in den Rems-Murr-Kreis kommen werde. Der Rems-Murr-Kreis, so Landrat Sigel, habe seine Rettungsdienste sowohl personell wie auch bezüglich der Ausstattung „massiv aufgerüstet“. Damit sei man in Vorleistung gegangen. Nun liege es an der Politik, ihre Versprechen auch hinsichtlich der Fördermittel einzulösen.

Notfälle richten sich auch nicht nach dem Pandemiegeschehen

An der Übung waren knapp zwanzig Einsatzfahrzeuge und weit über hundert Personen aus dem Notfall- und Rettungswesen beteiligt. War der Zeitpunkt mit Blick auf die steigenden Corona-Zahlen für eine derartige Übung glücklich gewählt? Laut Marco Flittner, der Leiter des DRK-Rettungsdienstes, sei in der augenblicklichen Lage nie der richtige Zeitpunkt.

Dies sei niemandem bewusster, als denjenigen, die diese Übung vorbereitet hatten. Aber man könne sich auch nicht hinter Corona verstecken. Notfälle würden sich auch nicht nach dem Pandemiegeschehen richten. Er betonte, dass man alle Vorbereitungen getroffen habe, um die Einsatzkräfte zu schützen und zu verhindern, dass diese Übung zur Ausbreitung der Pandemie beitrage. So lege man explizit Wert darauf, dass während der gesamten Übung Masken getragen werden und habe auch bewusst auf das sonst bei derartigen Anlässen übliche gemeinsame Abschlussessen verzichtet.

Jaulende Martinshörner, rotierende blaue Lichter, heulende Motoren und giftig surrende Drohnen - abrupt wurde am Samstagnachmittag (13.11.) das Berufsschulzentrum im Waiblinger Ameisenbühl aus der beschaulichen Wochenendruhe aufgeschreckt. Die Rettungsdienste im Rems-Murr-Kreis haben bei einer großen Übung den Ernstfall geprobt. Das Szenario: Wie geht man mit einer Masse an Verletzten und Erkrankten um?

Nacheinander fuhren Einsatzfahrzeuge von Rotem Kreuz, Malteser Hilfsdienst,

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