Rems-Murr-Kreis

Richterin "fassungslos": Hohe Haftstrafen für Firmen-Einbrecher aus Kernen

Einbruch
Einbrecher am Werk. Symbolfoto. © ALEXANDRA PALMIZI

Das Landgericht Stuttgart hat ein Urteil über die Firmeneinbrecher aus Kernen (wir berichteten) gesprochen: Der Hauptangeklagte wurde zu vier Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt, sein Mittäter zu drei Jahren und vier Monaten Haft. Der 21-jährige Sohn des Haupttäters kam mit einem Jahr und drei Monaten Haft auf Bewährung und 1500 Euro Geldauflage an einen Verein für ambulante Hilfe davon. Der Sohn wurde als Fahrer von Mietwagen engagiert, weil sein Vater keinen Führerschein mehr hatte.

Beute im Wert von 314.000 Euro

„Man steht eigentlich fassungslos davor, was da passiert ist, und es hat sich nicht gelohnt“, begründete die vorsitzende Richterin der 17. Strafkammer, Jasmin Neher-Klein, das Urteil im Sinne der Anklage, die sich nach einer gründlichen Beweisaufnahme digital und schwarz auf weiß mit einem Beamten von der Kripo Waiblingen im Zeugenstand nun bestätigt hat.

Die aus einer Firma in Kernen erbeuteten Hartmetallstäbe und anderes im Wert von 313.817 Euro und 33 Cent sind nirgendwo mehr aufgetaucht und wurden, relativ halblebigen Geständnissen zufolge, zum Dumpingpreis an irgendwelche Schrotthändler übers Internet verscherbelt.

Das nennt man wohl Gewohnheit

Das Gericht hat die beiden zu Gefängnisstrafen verurteilten älteren Männer kraft Urteils als gesamtschuldnerisch für die Rückzahlung von 313.817 Euro und 33 Cent erklärt.

Ob der Staat das Geld wieder eintreiben kann, steht allerdings in den Sternen, weil der Hauptangeklagte seinen Lebensunterhalt nachweislich schon seit Jugendjahren aus Einbruchsdiebstählen bestreitet und dem Vorstrafenverzeichnis zufolge immer weitergemacht hat, sobald er aus einem Gefängnis entlassen wurde.

Zwei verlorene Stunden

Die Waiblinger Kripo konnte in Zusammenarbeit mit der Kripo Nordrhein-Westfalen die Täter fast durchgängig observieren und in Saarwellingen beobachten, wie es ihnen etwa zwei Stunden lang nicht gelang, in ein weiteres Firmengebäude einzubrechen. Zuerst legten sie das Internet der Firma in Saarwellingen lahm, indem sie ein Glasfaserkabel zerschnitten. Aufs Dach gekommen, wurden sie mit dem Abbau einer Videokamera nicht fertig und wollten wieder verschwinden, bevor sie bemerkt wurden. In Saarwellingen gelang die vorläufige Festnahme und daraus die Vorführung vor jeweilig zuständige Haftrichter.

Observiert werden konnten die Täter über mithelfende Mietwagenfirmen, die dem Gericht lieferten, welche Kennzeichen und Werbeaufschrift die Kleintransporter trugen, mit denen der Einbruchsdiebstahl in Kernen und der versuchte Einbruchsdiebstahl in Saarwellingen begangen wurden. Die Leiter, mit der die Diebe der Oberwellinger Firma aufs Dach stiegen, hatten sie aus einem Baumarkt geklaut.

Fluchtversuch beim Freigang

Der zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt Hauptangeklagte hat sich der Beweisaufnahme nach als Arbeitswilliger dargestellt und sehr gut geführt, um nur zwei Drittel seiner Strafen absitzen zu müssen und wieder auf Bewährung rauszukommen. Als sogenannter Freigänger bei einem Fluchtversuch vom Balkon gestürzt, nahm das Gericht seine Einlassung, er leide an einer Wirbelsäulenverletzung, zur Kenntnis. Die zwei noch offenen Bewährungen des Hauptangeklagten müssen nun durch andere Gerichte auf Widerrufe hin geprüft werden und kommen im Falle von Schuldsprüchen auf die viereinhalb Jahre vom Landgericht Stuttgart oben drauf.

Das Landgericht Stuttgart hat ein Urteil über die Firmeneinbrecher aus Kernen (wir berichteten) gesprochen: Der Hauptangeklagte wurde zu vier Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt, sein Mittäter zu drei Jahren und vier Monaten Haft. Der 21-jährige Sohn des Haupttäters kam mit einem Jahr und drei Monaten Haft auf Bewährung und 1500 Euro Geldauflage an einen Verein für ambulante Hilfe davon. Der Sohn wurde als Fahrer von Mietwagen engagiert, weil sein Vater keinen Führerschein mehr

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