Rems-Murr-Kreis

Rinder an Ketten im Rems-Murr-Kreis: Ist das auch in Bio-Betrieben erlaubt?

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Eine Kuh ist ein Lebewesen, das ganz sicher nicht gern in einer engen Box eingesperrt bleibt. © pixabay

Sie sind mit kurzen Ketten um den Hals fixiert, können sich kaum bewegen und erleiden Schmerzen: Als Tierquälerei brandmarkt die Tierrechtsorganisation Peta die Anbindehaltung in Rinderställen. Peta hat jetzt gegen einen Betrieb im Rems-Murr-Kreis Anzeige erstattet. Dort würden Tiere teils übereinandergestapelt liegen; Peta berichtet von "mittelalterlichen" Verhältnissen. Ermittlungen laufen, eine Stellungnahme des Veterinäramts steht momentan noch aus. Unterdessen prangert Peta die Anbindehaltung ganz grundsätzlich an - und verweist darauf, dass diese aus Peta-Sicht tierquälerische Haltungsform auch in Biobetrieben angewandt werde. Stimmt das?

Anbindehaltung: Was ist das?

Unter "Anbindehaltung" versteht man, dass Rinder an einem festen Platz im Stall festgebunden sind oder sich in einem Stand befinden, in welchem sie gefüttert und gemolken werden. Die Tiere können sich hinlegen und aufstehen - das war's. Diese Haltungsform ist grundsätzlich nicht verboten, doch haben mittlerweile mehrere Gerichte verfügt, dass die Tiere zumindest zeitweise Auslauf bekommen müssen.

Nichtsdestotrotz ist Anbindehaltung weit verbreitet: Während in Bayern noch gut jeder zweite landwirtschaftliche Betrieb seine Rinder auf diese Weise hält, waren es in Baden-Württemberg 2020 etwa 17 Prozent der Milchkühe und elf Prozent der übrigen Rinder. Diese Zahlen sind auf dem Infoportal der baden-württembergischen Landesregierung veröffentlicht mit Verweis auf die Landwirtschaftszählung des Statistischen Bundesamtes. Dort heißt es weiter: Laut Landwirtschaftszählung wurden im Jahr 2020 in Deutschland 11,5 Millionen Rinder gehalten, circa zehn Prozent davon in Anbindehaltung, wovon knapp die Hälfte (48 Prozent) ganzjährig angebunden war.

Laut Milchindustrieverband wird Anbindehaltung aktuell "vor allem in kleinen Milcherzeugerhöfen mit wenigen Kühen" praktiziert, "vorwiegend in Süddeutschland und dort besonders im Alpenraum".  Bei einem größeren Kuhbestand sei Laufstallhaltung "effizienter", so der Milchindustrieverband. Diese Haltungsform finde man hauptsächlich in den Milchproduktionsgebieten mit größeren Tierbeständen wie im Norden und im Osten Deutschlands.

Ob Anbindehaltung in Biobetrieben erlaubt ist oder nicht, lässt sich nicht so einfach mit Ja oder Nein beantworten. Bio ist nicht gleich Bio. Die verschiedenen Verbände, etwa Demeter oder Bioland, haben sich durchaus unterschiedliche Richtlinien auferlegt.

In einer detaillierten Auflistung erläutert Oekolandbau.de die Unterschiede (Stand Januar 2020). Demnach ist Anbindehaltung bei Rindern in der ökologischen Tierhaltung gemäß EU-Öko-Verordnung "grundsätzlich verboten". Das Aber folgt sogleich: Für Kleinbetriebe mit Ausnahmegenehmigung sei diese Form der Rinderhaltung "zulässig, wenn Tiere während der Weidezeit Zugang zu Weide haben und in der Stallperiode mindestens zwei Tage pro Woche Zugang zu Freigelände haben".

Öko-Verbände mit unterschiedlichen Regeln

Der Übersicht des Ökolandbau-Portals zufolge richten sich die Öko-Verbände Naturland, Demeter und Biokreis nach diesen Vorgaben, während andere Öko-Verbände strengeren Vorgaben folgen, als die EU sie vorsieht. Bei Biopark, Verbund Ökohöfe und Ecoland ist Anbindehaltung bei Rindern der Ökolandbau-Übersicht zufolge gar nicht erlaubt, auch nicht in Kleinbetrieben. Bioland ergänzt die EU-Regeln durch eine strengere Vorgabe für Kälber und Jungrinder. Demnach dürfen in Bioland-Betrieben Kälber und Jungrinder, die noch kein Jahr alt sind, auch in Kleinbetrieben nicht in Anbindehaltung gehalten werden.

Der Verband Gäa, ein Zusammenschluss von Landwirten, Erzeugern und Verarbeitern im Öko-Bereich, hält es wie Bioland. Zusätzlich dürfen Gäa-Neu-Mitglieder seit Januar 2019 grundsätzlich keine Anbindehaltung praktizieren.

Sie sind mit kurzen Ketten um den Hals fixiert, können sich kaum bewegen und erleiden Schmerzen: Als Tierquälerei brandmarkt die Tierrechtsorganisation Peta die Anbindehaltung in Rinderställen. Peta hat jetzt gegen einen Betrieb im Rems-Murr-Kreis Anzeige erstattet. Dort würden Tiere teils übereinandergestapelt liegen; Peta berichtet von "mittelalterlichen" Verhältnissen. Ermittlungen laufen, eine Stellungnahme des Veterinäramts steht momentan noch aus. Unterdessen prangert Peta die

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