Rems-Murr-Kreis

Rinder fast pausenlos an Ketten: Im Rems-Murr-Kreis gängige Praxis

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Menschen nehmen Tierleid schlicht in Kauf. © Pixabay

Die Anzeige der Tierrechtsorganisation Peta gegen einen Landwirt aus dem Rems-Murr-Kreis wirft ein Schlaglicht auf legale Tierquälerei: Rinder dürfen praktisch pausenlos an Ketten angebunden bleiben. Die Anbindehaltung verursacht zwar erhebliches Tierleid, das ist unbestritten. Verboten ist sie nicht. Wie viele Betriebe praktizieren im Rems-Murr-Kreis diese Haltungsform?

Es dürften noch Jahre vergehen, bis sich zumindest kleine Verbesserungen ergeben: "Voraussichtlich ab dem Jahr 2030 will der Bund die ganzjährige Anbindehaltung von Kühen reglementieren. Genauere Details sind noch nicht bekannt. Das heißt, auch danach wird eine zeitweise Anbindehaltung von Milchkühen weiterhin erlaubt sein", schreibt Rems-Murr-Veterinäramtsleiter Dr. Thomas Pfisterer in einer Antwort auf eine Anfrage dieser Zeitung. Rinder das ganze Jahr über angebunden im Stall zu halten, schränke "die normalen Verhaltensformen und auch das Sozialverhalten von Rindern erheblich" ein, bestätigt Pfisterer. In einer Reihe von Publikationen ist von erheblichem Tierleid die Rede.

Das ganze Jahr angebunden im Stall

Im Rems-Murr-Kreis ist diese Haltungsform nach wie vor weit verbreitet. Thomas Pfisterer verweist auf Zahlen aus dem Jahr 2019: Ganzjährige Anbindehaltung wurde in insgesamt 46 Prozent der Milchkuhbestände im Rems-Murr-Kreis praktiziert. Im Rems-Murr-Kreis gibt es einer Auskunft des Landratsamts zufolge circa 2500 Betriebe mit Nutztierhaltung. Auch in Biobetrieben wird Anbindehaltung praktiziert, allerdings gelten hier strengere Regeln.

Der Anteil der Betriebe, die ihre Rinder das ganze Jahr angebunden im Stall halten, soll kleiner werden. Zurzeit informieren das Landwirtschafts- und das Veterinäramt laut Pfisterer die Landwirte darüber, "welche Optionen zur Verbesserung des Tierwohles in Milchkuhhaltungen mit ganzjähriger Anbindung bestehen". Sollten Umbauten nicht möglich sein oder keine Weiden zur Verfügung stehen, können Landwirt/-innen dennoch "bestehende Anbindehaltungen tierwohlgerechter" gestalten, so Pfisterer weiter. Als Beispiele nennt er, für die Tiere Einstreu oder Gummiauflagen bereitzuhalten, damit sie nicht auf dem nackten Boden stehen müssen.  Weiter betont der Veterinäramtsleiter: Die Anbindehaltung von Milchkühen verstoße zwar nicht gegen geltendes Recht, sei aber dennoch "nicht mehr zeitgemäß und in Neubauten deshalb nicht zulässig".

"Schäden" im Halsbereich vorhanden?

Bei Kontrollen prüfe das Veterinäramt beispielsweise, ob Tiere, die in Anbindehaltung leben müssen, "Schäden" im Halsbereich oder an den Gliedmaßen vorweisen. Falls ja, würden "amtliche Maßnahmen" eingeleitet. Im Schnitt setzt das Veterinäramt pro Monat zehn "planmäßige, risikoorientierte Routinekontrollen" an. Hinzu kommen laut Pfisterer Kontrollen aus besonderem Anlass, zum Beispiel nach Tierschutzmeldungen oder nachdem man mitbekommen hat, dass ein Betrieb möglicherweise gegen Tierschutzvorgaben verstößt.

Das baden-württembergische Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz bezeichnet es als sein "erklärtes Ziel, die ganzjährige Anbindehaltung von Rindern zu beenden". Ein Sprecher zählt eine Reihe von "Beratungs- und Fördermaßnahmen auf dem Weg zu einer tiergerechteren Haltung" auf.

Das Förderprogramm „Beratung.Zukunft.Land“ sieht beispielsweise ein spezielles Beratungsmodul zum Ausstieg aus der Anbindehaltung vor.  Ferner unterstütze das Ministerium Verbesserungen bei bestehender Anbindehaltung. Bei der "Kombihaltung" beispielsweise können sich Kühe zumindest zeitweise in einem Laufhof oder auf einer Weide wenigstens ein bisschen frei bewegen.

Die Anzeige der Tierrechtsorganisation Peta gegen einen Landwirt aus dem Rems-Murr-Kreis wirft ein Schlaglicht auf legale Tierquälerei: Rinder dürfen praktisch pausenlos an Ketten angebunden bleiben. Die Anbindehaltung verursacht zwar erhebliches Tierleid, das ist unbestritten. Verboten ist sie nicht. Wie viele Betriebe praktizieren im Rems-Murr-Kreis diese Haltungsform?

Es dürften noch Jahre vergehen, bis sich zumindest kleine Verbesserungen ergeben: "Voraussichtlich ab dem Jahr 2030

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