Rems-Murr-Kreis

Schon wieder Überschall-Knall im Remstal - warum es immer öfter passiert

Europfighter Typhoon
Eurofighter. © Adobestock/Jelle van der Wolf

Am Dienstag, 21. September, gegen 10.30 Uhr war's mal wieder so weit: Der Rems-Murr-Kreis wurde von einem ohrenbetäubenden Knall erschüttert. Warum kommt das so oft vor? Eine Spurensuche.

Update: Am Freitag (04.03.2022) haben zwei laute Knalle erneut den Rems-Murr-Kreis und die Region Stuttgart erschüttert.

Diesmal war's sogar ein Doppelknall. Rund um Winnenden war er zu hören, rund um Schorndorf auch. Das war in diesem September nicht das erste Mal. In der zweiten Septemberwoche, am Donnerstag, 9. September, donnerte es ebenfalls gewaltig – die Meldung der Polizei, dass Fensterscheiben zu Bruch gingen, blieb diesmal allerdings und glücklicherweise aus. Zog ein Gewitter her? Oder war’s mal wieder ein Überschallflug mitsamt dem dazugehörigen Knall in Folge der durchbrochenen Schallmauer? Und was war wenige Tage später, am 17. September los?

Das Luftfahrtamt der Bundeswehr gibt die Anzahl der fliegenden Kampfjets bekannt

Wer direkt beim Luftfahrtamt der Bundeswehr anfragt und sowohl das genaue Datum als auch die Uhrzeit nennen kann, bekommt auch eine genaue Info:

Am 9. September waren zwei Kampfflugzeuge vom Typ Eurofighter im Rahmen eines Übungsfluges unterwegs. Sie flogen im sogenannten TRA Allgäu. TRA heißt „Temporary Reserved Airspace“, und ist also ein zeitweise für Übungsflüge der Bundeswehr reservierter Luftraum. In dieser Zeit darf kein anderes Flugzeug in dieser Gegend unterwegs sein. Der TRA Allgäu zieht sich von kurz vor dem Starnberger See bis in den Rems-Murr-Kreis. Sind Eurofighter in diesem Raum unterwegs und durchbrechen die Schallmauer, ist es gut möglich, dass der Knall im Rems-Murr-Kreis zu hören ist.

Auch am Freitag, 17. September, flogen die Eurofighter. In der Zeit von 9.11 Uhr bis 9.59 Uhr, das zeigen Radardaten, waren drei Kampfflugzeuge unterwegs und durchbrachen mehrmals die Schallmauer.

Nur was Dienstag, 21. September angeht, gibt es noch keine mit Statement abgesicherten Erkenntnisse: Die Pressestelle des Luftfahrtamts der Bundeswehr meldet sich ausnahmsweise nicht sofort zurück.

Zweimal – vermutlich dreimal – Überschallknall kurz hintereinander? Wird das immer mehr? Ein Blick ins Zeitungsarchiv zeigt: Laute Knalle gab’s neben den zwei Ereignissen im September, am 26. Juli, am 24. Juni, am 29. April und am 3. März. Das ist fast einmal im Monat. Nur Mai und August fehlen. Vielleicht war da das Wetter einfach zu schlecht für Übungsflüge. Oder der Donnerschlag ist niemandem aufgefallen. Das ist wahrscheinlicher. Denn laut Luftfahrtamt der Bundeswehr sind Überschallflüge recht wetterunabhängig. Die Flugzeuge fliegen mindestens 11 000 Meter hoch.

Mit dem Knall im März bricht die Knaller-Reihe allerdings ab. Der Überschallknall vor diesem Datum, der seinen Weg bis in die Zeitung machte, fand im Februar 2017 statt. Und dann gibt das Zeitungsarchiv gar nichts mehr her. Das muss nicht heißen, dass in diesen vielen Jahren keine Überschall-Übungsflüge stattfanden. Doch auffällig ist es schon.

Zumal die Erinnerung von Menschen, die vom Alter her in der Lage dazu sind, sich bis ins letzte Jahrhundert zurückzubesinnen, das bestätigt: In den 70er und 80er Jahren war der Knall, der ertönt, wenn ein Flieger bei etwa 1200 Kilometern pro Stunde die Schallmauer durchbricht, nichts Besonderes. Keiner regte sich auf, keiner fragte, was passiert sei, jeder wusste Bescheid. Irgendwann aber hörte das auf. Und dann war es lange, lange still. Bis es in jüngster Vergangenheit wieder losging.

Keine statistische Erfassung der „Überschallereignisse“

Mit Daten belegen lässt sich das alles nicht. Laut Luftfahrtamt der Bundeswehr erfolge eine statistische Erfassung der „Überschallereignisse“ nicht. Es gebe auch keine Regelmäßigkeit bei den Flügen. Sie würden „tagesaktuell“ geplant, abhängig vom Wetter, von den verfügbaren Kampfjets und der Notwendigkeit, Übungsflüge zu machen.

Aber: Das Luftfahrtamt der Bundeswehr bestätigt indirekt, dass es wieder mehr Überschallknalle gibt. Denn: „Mit zunehmender Verfügbarkeit und Fähigkeitsaufwuchs des Waffensystem Eurofighter ist die Durchführung von taktischen Manövern, die Überschall-Geschwindigkeit erfordern, vermehrt möglich“. Das klingt seltsam, lässt sich aber übersetzen. Am 6. November 2020 veröffentlichte das Bundesministerium der Verteidigung eine Pressemitteilung, in der es hieß: „Bundeswehr bekommt neue Eurofighter“. 38 neue Kampfflugzeuge für 5,5 Milliarden sollten kommen. Die Flieger sind mit neuester Technik ausgestattet.

Bedeutet: Die Bundeswehr hat inzwischen gutes Material, mit diesem Material muss geübt werden, das tun die Piloten auch und damit sind auch wieder mehr Überschallknalle zu hören.

Dass es davor aber so lange still war, ist nicht ausschließlich darauf zurückzuführen, dass die Bundeswehr-Piloten in Ermangelung guter Flugzeuge nur Trockenübungen im Simulator machen konnten. Die Bundeswehr erläutert in einem Info-Papier zum militärischen Flugbetrieb auch die historische Situation. Demnach waren ab der Mitte des letzten Jahrhunderts, während der Zeit des „Kalten Krieges“, auf dem Gebiet der damals existierenden zwei deutschen Staaten sehr viel mehr Luftstreitkräfte stationiert, als es inzwischen der Fall ist. In der Bundesrepublik betrieben neben der Bundeswehr auch die US Air Force, die britische Royal Air, belgische Streitkräfte und die kanadische Air Force eigene Fliegerhorste. Wer einen solchen betreibt, der muss auch fliegen. Die Bevölkerung kannte die akustischen Folgen.

Als sich jedoch die allgemeine politische Situation entspannte und schließlich sogar die Mauer fiel, wurde sowohl von deutscher als auch von ausländischer Seite „die Zahl militärischer Luftfahrzeuge kontinuierlich reduziert“. Damit einhergehend wurden auch Flugplätze stillgelegt oder nur noch zivil genutzt. Es wurde deutlich ruhiger.

Nun, inzwischen fliegen sie wieder. Wie viele Flüge es vonseiten der Bundeswehr in diesem Jahr noch sein werden? Wie viele Knalle wir noch erwarten können? „Hierzu“, so heißt es vom Luftfahrtamt der Bundeswehr, „kann keine Vorhersage getroffen werden“.

Am Dienstag, 21. September, gegen 10.30 Uhr war's mal wieder so weit: Der Rems-Murr-Kreis wurde von einem ohrenbetäubenden Knall erschüttert. Warum kommt das so oft vor? Eine Spurensuche.

Update: Am Freitag (04.03.2022) haben zwei laute Knalle erneut den Rems-Murr-Kreis und die Region Stuttgart erschüttert.

Diesmal war's sogar ein Doppelknall. Rund um Winnenden war er zu hören, rund um Schorndorf auch. Das war in diesem September nicht das erste Mal. In der

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