Rems-Murr-Kreis

Schwerer Unfall im Rems-Murr-Kreis? Mit diesen unglaublichen Werkzeugen hilft die Feuerwehr

Werkzeuge der Lebensretter.
Diese „Spreizen“ sorgen für Platz am Blech: Das Gerät, das Kreisbrandmeister René Wauro so locker trägt, wiegt übrigens um die 40 Kilo. © Benjamin Büttner

Die erste Frage, wann immer die Feuerwehr nach einem Unfall Menschen retten muss, lautet: Wie schnell muss es gehen? Droht keine Lebensgefahr, dann gibt’s die „Schonrettung“: Die Feuerwehrler gehen vorsichtiger, aber auch langsamer vor. Die Rede ist von zehn Minuten, vielleicht mehr. Zählt jede Sekunde, dann kommt die „Crashrettung“. Die Feuerwehr geht rabiater an das Wrack. Die Werkzeuge aber sind immer dieselben. Und sie sind beeindruckend.

Bei der Feuerwehr arbeitet niemand allein mit Muskelkraft. Damit käme der Helfer nicht weit. Es gilt nach schweren Unfällen schließlich, Autotüren zu entfernen, zur Not muss das ganze Dach weg. Man arbeitet also hydraulisch – mit Hilfe des Drucks, den eingeleitetes Öl aufbaut, bewegt sich das Werkzeug. Oder pneumatisch – da baut eingepumpte Luft den Druck auf, der zur Bewegung führt.

Die Feuerwehrler tragen mal kurz 150 Kilo zum Unfallwagen

Muskelkraft brauchen die Retter trotzdem: Der hydraulische Spreizer zum Beispiel wiegt, na ja, so zwischen 30 und 40 Kilogramm. Der will gelupft und an der richtigen Stelle angesetzt werden. Spreizer und hydraulische Schere sind zusammen mit Motor und zugehörigen Schläuchen auf einer Art herausziehbarem Regalbrett im Feuerwehrauto montiert. Am Unfallort wird das Ganze rausgehoben und zum Auto getragen: rund 150 Kilo. Das, sagt Kreisbrandmeister René Wauro, macht man dann doch zu zweit. Der Preis des Ensembles interessiert auch noch? Rund 30.000 Euro.

Wozu aber sind diese Geräte genau, die so frankensteingruselig klingen? Ganz einfach und letztlich gibt’s nur ein Ziel: Das kaputte Auto muss so geknackt werden, dass der verletzte Mensch ohne weitere Blessuren herausgeholt werden kann. Der Spreizer setzt an jeder Stelle an, an der man ihn in einen bereits vorhandenen Spalt, ein Loch, eine Ritze schieben kann. Dann gehen die beiden „Spreizen“ auseinander und vergrößern die Öffnung. Die Spreizen am Spreizer sehen im Prinzip aus, wie die beiden Backen einer breit geformten Kombizange. Die Kraft, die der Spreizer, den die Waiblinger Feuerwehr am Vorführfahrzeug installiert hat, aufbringen kann, liegt bei 53 Tonnen. Das ist kaum vorstellbar, klingt aber atemberaubend effektiv. Es gibt übrigens, sagt René Wauro, noch viel kräftigere. Die sind dann aber noch größer. Und noch schwerer.

Kann die Autotür nicht entfernt werden, schneidet der Profi durch A- und B-Säule des Autos

Hat der Spreizer so viel Platz geschaffen, dass die hydraulische Schere angesetzt werden kann, geht’s der Karosserie vollends an den Kragen. Wenn’s einfach ist, können die Feuerwehrleute die Autotür so hinrucken, dass sie dann die Scharniere durchschneiden können. Weg damit, Bahn frei. Geht das nicht, müssen A- und B-Säule dran glauben – das Auto wird von seinem Dach befreit. In diesem Fall, sagt René Wauro, geht’s nicht mit einem Schnitt ab. Das Material ist zu stark – trotz Hydraulik muss man sich Stück für Stück durchschnippeln. Und wenn dann demnächst die neueste S-Klasse oder der nächste Audi A8 auf den Markt kommen werden, stoße diese hydraulische Schere auch an ihre Grenzen. Die Autos werden immer stabiler – das Werkzeug muss immer größer und schwerer werden.

Die hydraulische Schere gibt’s im Übrigen auch noch in einer etwas zierlicheren Form. Die Schneideblätter sind deutlich kürzer, das ganze Gerät etwas wendiger, nichtsdestotrotz sehr kräftig. Es wird im Fußraum des Autos eingesetzt. Denn auch dort gibt’s nach einem Unfall oft Nöte. Pedalschneider heißt das Werkzeug – das Ziel steckt im Namen.

Die goldene Regel beim Retten: Es darf nichts wackeln oder abrutschen

Manchmal arbeitet die Feuerwehr auch mit Hebekissen. Die gibt’s in den verschiedensten Größen. Das vielleicht handballkleine wird, noch ganz platt, wie der Spreizer in Ritzen gesteckt. Mit Druckluft aufgepumpt, hat es den Einstieg ins Geschäft vergrößert. Die große Variante dient dazu, beispielsweise das verunfallte Auto ein Stückchen anzuheben. Drunterbugsieren, aufpumpen, den Zwischenraum nutzen. Es darf nur nie was wackeln oder gar abrutschen.

Es gibt viele Wege und Werkzeuge, einen Menschen aus einem Unfallauto zu retten, sagt René Wauro. Viel ist beeindruckende Technik. Aber manchmal greift die Feuerwehr auch einfach nur zu Holzkeilen. Wichtig ist ausschließlich: Es muss schnell gehen.

Die erste Frage, wann immer die Feuerwehr nach einem Unfall Menschen retten muss, lautet: Wie schnell muss es gehen? Droht keine Lebensgefahr, dann gibt’s die „Schonrettung“: Die Feuerwehrler gehen vorsichtiger, aber auch langsamer vor. Die Rede ist von zehn Minuten, vielleicht mehr. Zählt jede Sekunde, dann kommt die „Crashrettung“. Die Feuerwehr geht rabiater an das Wrack. Die Werkzeuge aber sind immer dieselben. Und sie sind beeindruckend.

Bei der Feuerwehr arbeitet niemand allein

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