Rems-Murr-Kreis

So schützen sie sich vor Einbrechern

So trickst man Diebe aus_0
Sie kommen überall hinein, wenn sie nur wollen? Das stimmt so nicht. Gute Sicherungen schrecken ab, denn Diebe wollen schnell weg. © ZVW/Benjamin Büttner

Waiblingen. Einbrecher kommen gern nachts? Vielleicht im Krimi. Diebe wollen nicht schlafenden Menschen an die Wäsche. Sie suchen Geld und Schmuck. Also kommen sie bevorzugt dann, wenn keiner zu Hause ist. Die dunkle Jahreszeit mögen sie besonders, und das hat Gründe.

Im Herbst und Winter finden Einbrecher viel leichter heraus, ob sie ein Haus ungestört durchwühlen können: Ist jemand daheim, brennt Licht. Deshalb nennt Klaus Ebner von der Polizei als wichtigsten Rat grade jetzt, da es mit der Zeitumstellung spät hell und früh dunkel wird: Anwesenheit vortäuschen:

  • mittels Zeitschaltuhren immer mal das Licht einschalten
  • nicht das Tor einer leeren Garage offenstehen lassen
  • nicht die Rollläden unten lassen
  • Briefkasten immer leeren

Ferner gilt: Niemals im Auto die Wohnungsschlüssel liegen lassen. Ein kurioser Fall führte im April 2018 zu einem Einbruch in die Wohnung einer 79-jährigen Frau in Weinstadt. Die Seniorin wollte einkaufen und parkte ihr Auto vor einem Laden. Sie bemerkte nicht, dass Unbekannte das Signal ihres Auto-Funkschlüssels unterbrochen hatten. Das Auto blieb offen, Diebe holten den Wohnungsschlüssel aus dem Wagen, fanden die Adresse über den Fahrzeugschein heraus – und bedienten sich. Markenhandtaschen fehlten, Schmuck und anderes waren weg.

Die Polizei wirbt für Einbruchschutz und Wachsamkeit

„Bei mir ist doch eh nichts zu holen“ – diesen Satz hört Klaus Ebner öfter. Selbst wenn’s stimmt, schützt eine solche Haltung vor Einbruch nicht. Verschafft sich jemand über ein gekipptes Fenster Zugang zu einer Wohnung, weil er ganz dringend Geld für Drogen braucht – dann gelten ein paar Hundert Euro aus Sicht des Kriminellen als gute Beute. Nicht umsonst wählen Gauner dieser Art auffallend häufig Kindergärten als Ziel, obwohl es dort meist nichts weiter als ein Kaffeekässle zu holen gibt.

Wer schon mal Einbrecher in seinen vier Wänden hatte, der sieht sich unabhängig von der Höhe der Beute enormen psychischen Belastungen ausgesetzt. Schon allein deshalb wirbt die Polizei zum Tag der Zeitumstellung für Einbruchschutz und Wachsamkeit. Es nützt, das zeigen die Zahlen: Rund die Hälfte aller Einbrüche bleibt im Versuchsstadium stecken. Wer Fenster oder Terrassentüren gekippt lässt, macht es Einbrechern leicht. Die Haustüre sollte immer abgeschlossen sein. Auf gar keinen Fall draußen einen Ersatzschlüssel verstecken, rät die Polizei dringend: „Einbrecher finden jedes Versteck.“ Wer in Urlaub fährt, sollte seine Freude darüber lieber nicht mit aller Welt auf Facebook oder Instagram teilen. Solche Nachrichten lesen vielleicht die falschen Leute.

Ein weiterer Appell der Polizei richtet sich an Nachbarn, denen Fremde im Wohngebiet suspekt vorkommen: „Informieren Sie bei verdächtigen Beobachtungen sofort die Polizei unter 110.“

Einbruch: Ein Besitzer erinnert sich 

An dieses „Gefühl der Ohnmacht“ erinnert sich der Waiblinger noch sehr gut – obwohl der Vorfall bereits viele Jahre zurückliegt. Es waren Herbstferien seinerzeit – wie jetzt. Der heute 73-Jährige öffnete am Abend die Haustür – und wunderte sich, warum es so kalt war daheim. Eine Katze kam ihm entgegen. Das Tier streunte öfter ums Haus – und stand jetzt plötzlich im Flur.

Erst jetzt nahm der Waiblinger wahr, dass seine Terrassentür ganz schief im Rahmen hing. Ein Fenster im Wohnzimmer stand komplett offen. „Du traust dich nicht, im Haus rumzulaufen aus Angst, sie könnten noch da sein“, erzählt der damalige Hausbesitzer, der schon länger nicht mehr in Neustadt lebt. Erst als die Polizei eintraf, wagte sich der Mann in Begleitung durchs Haus. „Das Gefühl, da war jemand in deiner Wohnung – das werde ich nie vergessen.“

Bis Ehefrau und Kinder, die über die Herbstferien verreist waren, zurückkamen, verbarrikadierte der Waiblinger regelrecht das Haus. Unter die Klinke der Haustür platzierte er einen Holzpfahl, vor die Terrassentür und die Fenster schob er fürs Erste schwere Gegenstände. Fenster und Türen ließ der Hausbesitzer erneuern und mit Mehrfachverriegelungen versehen.

Es dauerte einige Zeit, bis der Hausbesitzer beim Anblick harmloser Passanten aufhören konnte zu denken: Der könnte es gewesen sein. Oder der. Oder der.

Ehering überführt Täter

Zuerst mutmaßte die Polizei damals, es handle sich um Beschaffungskriminalität. Später führte der Ehering der Hausbesitzerin, der zusammen mit anderen Schmuckstücken und etwas Geld gestohlen worden war, auf die Spur der wahren Täter: Eine Einbrecherbande aus Rumänien wurde in Bayern dingfest gemacht. Ein Polizist hatte sich als Hehler ausgegeben und Ware von den Verdächtigen angekauft – auf diese Weise kamen die Ermittler den Tätern auf die Spur. Zur Hehlerware zählte der leicht identifizierbare Ehering der Hausbesitzerin.

Im Rückblick passt alles zusammen, erzählt der 73-Jährige weiter: An den Tagen vor dem Einbruch hatte mehrmals abends das Telefon geläutet – und keiner meldete sich. Offenbar hatte die Bande ausgekundschaftet, zu welcher Uhrzeit die Bewohner für gewöhnlich nach Hause kamen. „Seitdem steht mein Name nicht mehr im Telefonbuch“, berichtet der 73-Jährige. Mit der Zeit hätten sich die Ängste zwar gelegt. „Aber die Erinnerung ist noch so, als sei es gestern gewesen.“

Fürs laufende Jahr 2019 nennt Polizeisprecher Rudolf Biehlmaier eine Tendenz, was die Zahl der Einbrüche im Rems-Murr-Kreis angeht: Weiter fallend. Seit ein paar Jahren legt das Polizeipräsidium Aalen einen besonderen Schwerpunkt auf die Bekämpfung von Einbruchdiebstahl – das wirkt sich offenbar aus.


Waiblingen. Einbrecher kommen gern nachts? Vielleicht im Krimi. Diebe wollen nicht schlafenden Menschen an die Wäsche. Sie suchen Geld und Schmuck. Also kommen sie bevorzugt dann, wenn keiner zu Hause ist. Die dunkle Jahreszeit mögen sie besonders, und das hat Gründe.

Im Herbst und Winter finden Einbrecher viel leichter heraus, ob sie ein Haus ungestört durchwühlen können: Ist jemand daheim, brennt Licht. Deshalb nennt Klaus Ebner von der Polizei

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