Rems-Murr-Kreis

Sorge vor Atom-Vorfall in der Ukraine: Rems-Murr-Kreis hat genug Jod-Tabletten

jodtabletten vaihingen
In ganz Baden-Württemberg haben die Kommunen Jodtabletten eingelagert. © Stadt Vaihingen

Was, wenn der Ukraine-Krieg nuklear eskaliert oder es bei den Kämpfen zu Strahlenfreisetzung in Tschernobyl oder bei anderen Atomkraftwerken kommt? Der Rems-Murr-Kreis und die Kommunen wappnen sich für den Ernstfall. Eine der Kernbotschaften: Niemand muss jetzt in die Apotheke rennen und sich auf eigene Faust mit Jodtabletten eindecken!

Eins vorweg: Vermutlich gehört es zum russischen Propagandakonzept, die internationale Angst vor einer atomaren Zuspitzung zu schüren. Momentan spricht wenig dafür, dass die Gefahr sehr groß ist. Aber natürlich sind Konzepte, wie im Fall des Falles zu handeln ist, sinnvoll und wichtig.

„Hochwasser, Corona, Flüchtlingsbewegungen – der Rems-Murr-Kreis kennt Krisen und ist vorbereitet“, heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Kreishaus. Gemeinsam mit seinen Städten und Gemeinden hat sich das Landratsamt dieser Tage weiter gewappnet und gemeinsam ein Katastrophenschutz-Seminar absolviert.

Ein Seminar, um Ernstfall-Abläufe durchzuspielen

In diesem Seminar hat die Landesfeuerwehrschule rund 70 Teilnehmende im sogenannten Stabsmodell Baden-Württemberg geschult. Nach diesem Modell soll beispielsweise im Falle eines Hochwassers oder bei anderen Katastrophen, die einen hohen Koordinierungsbedarf haben, gehandelt werden. Leitfragen dabei sind: Wie kann die Zusammenarbeit im Krisenfall noch besser funktionieren? Worauf ist bei der Kommunikation zu achten? Ziel ist ein einheitliches Vorgehen – von den Städten und Gemeinden über den Landkreis bis zum Innenministerium.

„Der Rems-Murr-Kreis kann Krise“, sagt dazu Landrat Richard Sigel, „das haben wir in den vergangenen Jahren mehrfach unter Beweis gestellt.“ Das ist in der Tat richtig. In der Corona-Zeit zum Beispiel ist der Rems-Murr-Kreis mehrfach positiv aufgefallen, weil er sich nicht damit begnügte, vage Vorgaben um- oder schlecht funktionierende Hilfe-Instrumente von Bund und Land einzusetzen – wann immer sich die Notwendigkeit ergab, entwickelte die Kreisverwaltung eigene maßgeschneiderte Lösungen; sei es eine übersichtliche und leicht bedienbare Anmeldeplattform für Impfungen, sei es eine selbst programmierte App, um das Meldesystem für Schulen zum Durchgeben von Infektionen zu beschleunigen.

Wichtig: Enge Kooperation zwischen Landkreis und Kommunen

„Wir wissen nicht, was jetzt auf uns zukommt“, sagt Sigel. „Wir haben aber in den letzten Jahren gemerkt, wie schnell Strukturen aufgebaut werden müssen und dass Krisenbewältigung nur gemeinsam mit den Städten und Gemeinden funktioniert.“ Auch dafür gibt es ein Beispiel aus der Corona-Zeit: Als es galt, die Kontakte von Infizierten schnell nachzuverfolgen, formierten sich gemischte Teams aus Leuten vom Kreis-Gesundheitsamt und aus kommunalen Beschäftigten.

„Wir räumen dem Thema Katastrophenschutz eine hohe Priorität ein und hatten das Seminar schon vor dem Kriegsbeginn in der Ukraine geplant“, sagt Sigel. „Wir bereiten uns gemeinsam mit den Städten und Gemeinden auf unterschiedliche Szenarien vor und vernetzen uns – nur so sind wir im Ernstfall gewappnet.“

Spezielles Einsatzfahrzeug bereits angeschafft

Auch dies gehört zum Plan: Der Rems-Murr-Kreis bekommt einen neuen Gerätewagen Atemschutz und Strahlenschutz. Das neue Fahrzeug ersetzt eines aus dem Jahr 1994 und unterstützt die Feuerwehren im Kreis mit Atemschutzgeräten bei größeren Einsätzen. Dafür hat der Rems-Murr-Kreis rund 400.000 Euro investiert. Der neue Gerätewagen wird bei der Feuerwehr Fellbach stationiert. Mit diesem Wagen können künftig auch Einsätze mit erhöhtem Transportaufwand, mit radioaktiver Strahlung und mit besonderen hygienischen Anforderungen unterstützt werden. Die dafür notwendige Ausstattung ist größtenteils flexibel in speziellen Rollcontainern verstaut.

Jodtabletten: Das ist die Lage

Die Sorge vieler Menschen, dass es im Ukraine-Krieg zu einem atomaren Vorfall kommen könnte, hat in den vergangenen Wochen zu einem Ansturm auf Apotheken und teilweise zum Ausverkauf von Jodtabletten geführt. Sinn ergibt das eher nicht, erklärt Rene Wauro, Leiter des Brand- und Katastrophenschutzes im Rems-Murr-Kreis.

Denn erstens: „Aufgrund der Entfernung zur Ukraine“ sei gar nicht „damit zu rechnen, dass im Rems-Murr-Kreis eine Einnahme von Jodtabletten erforderlich ist“.

Zweitens: Für den Fall, dass es doch so kommen sollte, besitzen der Rems-Murr-Kreis und seine Kommunen ausreichend Vorräte an Kaliumjodtabletten. Bereits 2021 hat das Land an die Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg insgesamt 35 Millionen solcher Tabletten verteilt. Auch 2020 gab es eine Ausschüttung. Im Bedarfsfall würden Ausgabestellen eingerichtet. Die Kreisverwaltung hat darauf schon Anfang der Woche hingewiesen - siehe diesen Artikel

Katastrophenschützer Wauro ergänzt: Von einer „selbstständigen Einnahme der Tabletten“ rate er sowieso dringend ab, „da dies erhebliche gesundheitliche Risiken birgt“.

Es gibt derzeit also überhaupt keinen Grund, in Aktionismus zu verfallen.

Was, wenn der Ukraine-Krieg nuklear eskaliert oder es bei den Kämpfen zu Strahlenfreisetzung in Tschernobyl oder bei anderen Atomkraftwerken kommt? Der Rems-Murr-Kreis und die Kommunen wappnen sich für den Ernstfall. Eine der Kernbotschaften: Niemand muss jetzt in die Apotheke rennen und sich auf eigene Faust mit Jodtabletten eindecken!

Eins vorweg: Vermutlich gehört es zum russischen Propagandakonzept, die internationale Angst vor einer atomaren Zuspitzung zu schüren. Momentan

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