Rems-Murr-Kreis

Starke, schwere oder extreme Gewitter? Was Wetter-Warnungen bedeuten

Unwetter
Symbolfoto. © ZVW/Gabriel Habermann

Das Handy klingelt, eine Warnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Amtliche Warnung vor starken Gewittern. Stufe 2 von 4! Das klingt ... ein bisschen übel? Und der Regen erst: Bis zu 25 Litern pro Quadratkilometer in der Stunde, da könnte ja ... was eigentlich? Und welche Gegenstände auf meinem Balkon räume ich eigentlich besser rein, wenn Windgeschwindigkeiten von 60 Stundenkilometern in meiner Wetter-App angezeigt werden?

Wetterdienst-Warnungen sollen den Menschen dabei helfen, sich auf Gewitter, Stürme und andere Wetter-Ereignisse vorzubereiten. Das gelingt umso besser, wenn allen klar ist, was diese Warnungen genau bedeuten. Wir liefern eine Hilfestellung, in dem wir die wichtigsten Begriffe erklären und abstrakte Zahlen fassbar machen.

Warnlagebericht, Vorabinformation und Amtliche Warnung

Zuallererst gibt es verschiedene Stufen des DWD-Warnsystems. Diese unterscheiden sich insbesondere durch ihre (regionale) Genauigkeit und den Zeitpunkt ihres Erscheinens. Die drei wichtigsten sind: Warnlagebericht, Vorabinformation, Amtliche Warnung.

Im Warnlagebericht wird die Situation in den nächsten 24 Stunden für Deutschland und die einzelnen Bundesländer dargestellt. Der Bericht wird laut DWD fünf Mal am Tag aktualisiert. Sind die "warnwürdigen Wetterereignisse" Teil einer größeren Wetterlage, kann die Prognose auch über 24 Stunden hinausgehen.

Die Vorabinformation wird vom DWD erstellt, wenn in einigen Stunden/am Folgetag "unwetterartige Entwicklungen" über einer konkreten Region erwartet werden. Zum Beispiel dem Rems-Murr-Kreis. Der Wetterdienst versteht dieses Format als Hinweis, nicht als Warnung. Denn:  Zeitpunkt und genauer Ort sind noch unklar.

Amtliche Warnung: Gewitter sind besonders schwer einzuschätzen

Fehlt noch die Amtliche Warnung. Amtliche Warnungen gibt es sowohl für ganze Landkreise, als auch für einzelne Orte. Letztere sind entsprechend präziser. Die Warnungen werden laut DWD dann herausgegeben, wenn "die Wetterentwicklung hinreichend sicher ist, um die Warnungen möglichst gut zu regionalisieren, die Intensität gut einschätzbar ist und [...] eine Überschreitung der entsprechenden Warnschwellen erwartet wird". Zu den Warnschwellen später mehr.

Wann die Amtliche Warnung herausgegeben wird, unterscheidet sich je nach Wetterphänomen – und hängt von Schwierigkeiten bei der Prognose ab. Vor Sturm, Dauerregen oder Schneefall kann der DWD deutlich früher warnen, als vor Gewittern mit Starkregen, Hagel oder Sturmböen. "Schauer und Gewitter können von den Wettermodellen nur sehr schwer so gut aufgelöst werden, dass die genaue Position und Stärke im Vorfeld abgeschätzt werden kann", heißt es dazu.

Amtliche Warnung: Stufe 2? Stufe 4? Was die Zahlen bedeuten

Die Amtlichen Warnungen haben ein Stufensystem. Je höher die Stufe, desto potenziell gefährlicher das erwartete Wetterereignis.

  • Stufe 1 - Amtliche Warnung: Kein besonders ungewöhnliches Wetter, es könnten dennoch Gefahren auftreten. Wer draußen unterwegs ist, sollte die Entwicklung im Blick haben.
  • Stufe 2 - Amtliche Warnung vor markantem Wetter: Auch nicht ungewöhnlich, aber gefährlich. Vereinzelt/lokal begrenzt sind Schäden möglich. Besser vorsichtig sein.
  • Stufe 3 - Amtliche Unwetterwarnung: Sehr gefährlich. Schäden können verbreitet auftreten. Aufenthalte im Freien werden nicht empfohlen.
  • Stufe 4 - Amtliche Warnung vor extremem Unwetter: Extrem gefährlich. Mit lebensbedrohlichen Situationen und großflächiger Zerstörung ist zu rechnen. Der DWD rät: "Bereiten sie sich auf außergewöhnliche Maßnahmen vor."

In jedem Fall empfiehlt der Wetterdienst, sich bei einer Amtlichen Warnung auf dem Laufenden zu halten. Warnstufen können je nach Wetterlage auch wechseln.

Warnschwellen: Auf die Begriffe kommt es an

Wie eine Amtliche Warnung im Stufensystem eingeordnet wird, hängt davon ab, wie stark die konkreten Wetterereignisse ausgeprägt sind. Sprich: Wie viel regnet es? Wie heftig stürmt es? Wie stark schneit es? Auch hierfür gibt es wieder ein Stufensystem.

Damit man vor lauter Zahlen aber nicht durcheinanderkommt: Schon die verwendeten Begriffe verraten, was droht. Man muss sie nur lesen können.

Gewitter: stark, schwer, extrem

  • Unter einem Gewitter versteht der DWD Blitz und Donner, teils in Verbindung mit Windböen.
  • Ist es ein starkes Gewitter, kommen Sturmböen, schwere Sturmböen, Starkregen oder Hagel hinzu.
  • Wird ein schweres Gewitter angekündigt, ist mit Hagelschlag und heftigem Starkregen zu rechnen. Es drohen orkanartige Böen, Orkanböen, oder gar Tornados.
  • Ein extrem schweres Gewitter unterscheidet sich von einem schweren Gewitter dann nur noch durch das Wörtchen "extrem" vor dem heftigen Starkregen.

Wind: Was Geschwindigkeit aussagt

Sie merken schon – um die Gewitter-Begriffe zu verstehen, braucht es mehr Infos. Zum Beispiel über den Wind. Ein Blick in die Bäume kann helfen.

  • Windböen: Windgeschwindigkeit 50 bis 64 km/h. Man spürt den Widerstand beim Gehen, ganze Bäume schwanken.
  • Sturmböen: Windgeschwindigkeit 65 bis 89 km/h. Gehen erheblich erschwert, Zweige und Äste brechen von Bäumen, kleiner Schäden an Häusern zu erwarten – zum Beispiel an Dächern.
  • Schwere Sturmböen: Windgeschwindigkeit 90 bis 104 km/h. Bäume brechen, Häuser nehmen größeren Schaden.
  • Orkanartige Böen: Windgeschwindigkeit 105 bis 119 km/h. Bäume werden entwurzelt, es ist verbreitet mit Schäden zu rechnen.
  • Orkan: Windgeschwindigkeit ab 120 km/h. Hier ist mit schweren Verwüstungen zu rechnen.
  • Extremer Orkan: Überörtlich mehr als 140 km/h. Verheerende Verwüstungen sind zu erwarten.

Regen: DWD unterscheidet Starkregen und Dauerregen

Was Regenfälle angeht, unterscheidet der Wetterdienst zwischen großen Mengen Niederschlags in kurzer Zeit und anhaltendem Dauerregen. Ob die Niederschlagsmenge zum Problem werden kann, hängt von vielen Faktoren ab. Hier sind keine pauschalen Aussagen möglich.

Kann das Wasser abfließen? Hier spielen Oberflächenversiegelung und die Trockenheit des Bodens eine Rolle. Aber auch das Kanalsystem der Gemeinde und der eigene Abfluss müssen funktionieren.

Wo und wie wohne ich? Jemand mit einem Haus auf einem Berg muss sich deutlich weniger Sorgen machen, als jemand, der im Tal gebaut hat. Und wer einen Keller hat, bekommt eher Probleme, als jemand ohne.

Starkregen: Viel Wasser in kurzer Zeit

Starkregen ist beim DWD immer Starkregen, auf die Adjektive kommt es an.

  • Von Starkregen spricht man bei einer Niederschlagsmenge von 15-25 Litern pro Qudratmeter in einer Stunde oder 20-35 Litern in sechs Stunden.
  • Heftiger Starkregen bedeutet: Es kommen 25-40 Liter pro Quadratmeter in einer Stunde oder 35-60 Liter in sechs Stunden runter.
  • Alles, was darüber liegt, wird beim DWD extrem heftiger Starkregen genannt.

Dauerregen: Niederschlag über lange Zeiträume

Von Dauerregen spricht der DWD bei einer Niederschlagsmenge von ...

  • 25 bis 40 l/m² in 12 Stunden
  • 30 bis 50 l/m² in 24 Stunden
  • 40 bis 60 l/m² in 48 Stunden
  • 60 bis 90 l/m² in 72 Stunden

Ergiebiger Dauerregen bedeutet Niederschlagsmengen von ...

  • 40-70 l/m² in 12 Stunden
  • 50-80 l/m² in 24 Stunden
  • 60-90 l/m² in 48 Stunden
  • 90-120 l/m² in 72 Stunden

Extrem ergiebiger Dauerregen heißt, es regnet mehr als ...

  • 70 l/m² in 12 Stunden
  • 80 l/m² in 24 Stunden
  • 90 l/m² in 48 Stunden
  • 120 l/m² in 72 Stunden

... aber was ist mit Schnee, Glätte, Hitze & Co.?

Wer noch tiefer in die Materie einsteigen will: Natürlich gibt es auch Warnkriterien für eher saisonal auftretende Ereignisse wie Schnee, Glätte oder Hitze. Beim DWD finden sich alle Tabellen dazu.

Was tun, wenn der Wetterdienst warnt?

Jetzt wissen wir, was DWD-Warnungen bedeuten. Aber wie verhalte ich mich richtig?

In der Regel gibt der Deutsche Wetterdienst mit jeder Amtlichen Warnung auch Verhaltenshinweise. Diese finden sich in ausführlicher Form auch auf der DWD-Website. Im Prinzip lassen Sie sich für Gewitter, Regen und Sturm wie folgt zusammenfassen:

  • Bleiben Sie wenn möglich drinnen
  • Suchen Sie Schutz
  • Meiden Sie Gefahrstellen (hohe Gebäude, Gerüste, baufällige Häuser)
  • Schließen Sie Fenster und Türen
  • Sichern Sie vorab Gegenstände im Freien
  • Räumen Sie erst auf, wenn alles vorbei ist

Und, ganz wichtig: Halten Sie sich über die weitere Entwicklung der Wetterlage auf dem Laufenden. Zum Beispiel hier auf zvw.de.

Das Handy klingelt, eine Warnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Amtliche Warnung vor starken Gewittern. Stufe 2 von 4! Das klingt ... ein bisschen übel? Und der Regen erst: Bis zu 25 Litern pro Quadratkilometer in der Stunde, da könnte ja ... was eigentlich? Und welche Gegenstände auf meinem Balkon räume ich eigentlich besser rein, wenn Windgeschwindigkeiten von 60 Stundenkilometern in meiner Wetter-App angezeigt werden?

Wetterdienst-Warnungen sollen den Menschen dabei helfen,

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