Rems-Murr-Kreis

Steigende Gas- und Strom-Preise im Rems-Murr-Kreis: Vorsicht vor Spar-Angeboten

Symbolfotostrom
Symbolfoto. © Gaby Schneider

Die aktuelle Energie-Krise macht sich für Verbraucher vor allem beim Strom- und Gas-Preis bemerkbar. Verständlich, dass man sich angesichts drohender Rekord-Kosten nach günstigeren Alternativen umschaut. Doch hier ist Vorsicht geboten, warnen Verbraucherschützer.

Matthias Bauer ist bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg für den Bereich Wohnen, Bauen und Energie zuständig. Er verrät, worauf man achten muss – und wovon man besser die Finger lassen sollte.

Anstieg von Betrugsversuchen im Zusammenhang mit der Energie-Krise

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg registriert aktuell einen Anstieg von Betrugsversuchen im Zusammenhang mit den steigenden Energiepreisen. „Wir haben doppelt so viele Anfragen wie letztes Jahr“, sagt Bauer.

Die Situation sei zuletzt ohnehin schon nie gut gewesen, so der Verbraucherschützer. „Was dann die ganze Sache wirklich zum Entgleisen gebracht hat, war der offensichtliche Einmarsch Russlands in die Kernlande der Ukraine – und die ganzen Folgeerscheinungen.“

Die Maschen, mit denen versucht wird, Verbraucher zu täuschen, seien dabei ganz unterschiedlich.

Betrug an der Haustür: "Die Leute werden redselig"

Immer wieder komme es vor, dass Menschen wegen eines Vertragswechsels kontaktiert würden, sagt der Verbraucherschützer. „Mittels Telefonakquise oder Haustür-Akquise werden hier Verbraucher ‚überfahren‘.“

Gerade an der Haustür würden sich Betrüger oft perfider Maschen bedienen, sagt Bauer. „Die sagen dann zum Beispiel: ‚Wir sind von den Stadtwerken Waiblingen‘. Und schon ist die Türe geöffnet, und die Leute werden redselig.“ Vergleichbare Fälle gibt es im Rems-Murr-Kreis immer wieder.

Ganz wichtig sei: „Niemals die Zählernummer oder den bisherigen Lieferanten angeben“, so Bauer. „Mit der Zählernummer kann man sofort ihren Vertrag kündigen.“ Das hänge damit zusammen, dass der Gesetzgeber den Wechsel der Anbieter erleichtert habe.  

Tarifwechsel: Vorsicht vor diesen Anbietern

Gibt es Anbieter, vor denen man sich besonders in Acht nehmen sollte? „Wir hatten auf diesem Sektor immer schon problematische Firmen“, sagt Matthias Bauer. Zu nennen seien dabei „vor allem die Firmen Voxenergie, Primastrom und Paketsparer“. Diese würden beispielsweise versuchen, Verbrauchern bestehende Preisgarantien abzusprechen.

Gegen Voxenergie und Primastrom hat die Bundesnetzagentur im Mai ein Aufsichtsverfahren eingeleitet. Nach Hinweisen von Verbraucherschützern. „Wir prüfen, ob die Unternehmen Preiserhöhungen vorgenommen haben, ohne die gesetzlich vorgesehenen Ankündigungsfristen einzuhalten“, hieß es dazu in einer Pressemitteilung.

Telefon-Terror: Zum „Ja“-Sagen genötigt

Auch über Anrufe versuchen Betrüger, Menschen zum Tarifwechsel zu bewegen. „Am Telefon wird man gern beeinflusst, dass man ‚Ja‘ sagt.“, so Verbraucherschützer Bauer. „Dann schneiden die das später zusammen und man kann schlechter dagegen vorgehen.“ Eine telefonische Zusage gelte als Vertragsabschluss. Bauer rät deshalb: „Gar nichts sagen. Kein Wort. Einfach auflegen.“

Die Papierunterlagen zu solchen telefonisch abgeschlossenen Verträgen kämen meistens erst nach Ende des Widerrufsrechts von 14 Tagen, sagt Bauer. Manchmal werde auch einfach eine SMS geschickt, mit der Bitte, den Vertragsabschluss zu bestätigen. Hinterher werde dann oft behauptet, man habe damit einem Rücktritt vom Widerrufsrecht zugestimmt.

„Super-Gau“ Vertragswechsel: Es wird teurer

Wegen eines Betrugs den bestehenden Vertrag kündigen – das ist immer mit Ärger verbunden. „Momentan ist es aber besonders problematisch“, sagt Bauer. „Wenn ich deshalb aus einem guten Vertrag rausfalle, dann ist das natürlich der Super-Gau.“

Wer aus seinem bestehenden Strom- oder Gas-Vertrag aussteigt, und dann nach Bemerken des Betrugs einen neuen beim selben Anbieter abschließen will, der zahlt zurzeit mit großer Sicherheit drauf. „Denn in der Regel komm ich nicht mehr in mein altes Preisgefüge zurück.“ Der wichtigste Merksatz für den Umgang mit potenziellen Betrügern sei deshalb: „Am Telefon auflegen, an der Haustür wegschicken.“

Mondpreise bei Pellets: „Von denen sehen Sie nie wieder was“

Aber auch im Internet wird versucht, die Energie-Krise auszunutzen. „Was jetzt ganz neu ist sind Maschen im Bereich Pellet-Markt“, sagt Matthias Bauer. Die Preise seien hier enorm hochgeschnellt. „Wir bei der Verbraucherzentrale stellen fest, dass es Anbieter gibt, vor allem im Internet, die günstige Preise anbieten – immer mit Vorkasse.“

Vorkasse-Angebote, bei denen man das Geld vor Erhalt der Ware überweisen muss, sollte man laut Bauer generell „mit spitzen Fingern anfassen“. Vor allem, wenn man zum ersten Mal bei einem Anbieter bestelle, der auch noch unrealistische Preise anbietet. Fake-Läden und Fake-Seiten würden versuchen, Verbraucher zu schädigen.

Der beste Schutz vor dieser Masche: Die Verbundenheit im Lokalen. „In Baden-Württemberg haben Nutzer ihre festen Lieferfirmen, man kennt sich lokal – deshalb hält sich das Ausmaß noch in Grenzen“, so Bauer. Man solle sich bei günstigen Lieferanten immer fragen: Gibt’s den überhaupt? Hat der einen Betriebshof? „Sonst heißt es: Das Geld ist weg, von denen sehen Sie nie wieder was.“

Verbraucherschutz-Tipp: Lokale Grundversorger haben aktuell die besten Preise 

Apropos Verbundenheit im Lokalen – am Ende unseres Gesprächs gibt Verbraucherschützer Matthias Bauer noch eine Einschätzung zur aktuellen Lage am Energie-Markt ab: „In der Regel ist es gerade so, dass die lokalen Grundversorger die besten Preise anbieten.“

Die aktuelle Energie-Krise macht sich für Verbraucher vor allem beim Strom- und Gas-Preis bemerkbar. Verständlich, dass man sich angesichts drohender Rekord-Kosten nach günstigeren Alternativen umschaut. Doch hier ist Vorsicht geboten, warnen Verbraucherschützer.

Matthias Bauer ist bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg für den Bereich Wohnen, Bauen und Energie zuständig. Er verrät, worauf man achten muss – und wovon man besser die Finger lassen sollte.

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