Rems-Murr-Kreis

Strom-Grundversorgung: EnBW ODR in Welzheim teurer als Mutterkonzern – warum?

Strompreis
Die Energiepreise steigen und steigen. © Benjamin Büttner

Die Preiserhöhungen bei Strom und Gas im Rems-Murr-Kreis schockieren. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund ums Thema Grund- und Ersatzversorgungstarife. Lohnen sich die überhaupt? Und wir erhellen die deutlichen Preisunterschiede zwischen den Tarifen der EnBW ODR in Welzheim und Kaisersbach und der EnBW in anderen Rems-Murr-Kommunen. Die Verbraucherzentrale warnt vor voreiligen Tarifwechseln.

Welzheim und Kaisersbach: Warum ist die EnBW ODR teurer als die EnBW?

In den beiden Welzheimer-Wald-Kommunen sind die im Vergleich zu anderen Anbietern günstigen Strom-Grundversorgungstarife der EnBW nicht (!) zu haben, sondern ausschließlich jene der EnBW Ostwürttemberg DonauRies Aktiengesellschaft. Denn in Welzheim und Kaisersbach ist die EnBW ODR Grundversorger. Die ODR ist zwar eine Tochtergesellschaft der EnBW, die 99 Prozent der Aktienanteile hält. „Wir sind aber eine selbstständige AG und gestalten deshalb unsere Preise komplett selbstständig“, erläutert Nicole Fritz, Pressesprecherin der AG. Der Preisunterschied ist deutlich (brutto):

  • Der Strom-Grundversorgungstarif der EnBW ODR für Haushaltskunden steigt zum 1. Januar 2023 von brutto 32,14 auf 45,98 Cent/kWh, der Grundpreis von 14,98 auf 15,09 Euro/Monat.
  • Im Vergleich dazu stieg der Strom-Grundversorgungstarif der EnBW zum 1. Oktober 2022 von 27,29 auf 37,31 Cent/kWh. Und vorerst soll es auch Anfang 2023 keine weitere Erhöhung geben, sagt Konzernsprecher Rashid Elshahed. Der Grundpreis bleibt bei 11,83 Euro/Monat.

„Die ODR beliefert seit 1999 die Menschen zwischen der Hohenloher Ebene und dem Donauried und zwischen dem Welzheimer Wald und dem Ries mit Energie. Aktuell sind es 185.000 Strom- und 18.000 Gaskunden“, sagt Nicole Fritz. Im Vergleich dazu beliefert die EnBW-Mutter im gesamten Bundesgebiet eine siebenstellige Zahl an Haushaltsstrom-Kunden, so Elshahed – was auf einen Wettbewerbsvorteil durch Mengen-Einkauf und -Produktion hinweist.

Wer ist wo Grundversorger im Rems-Murr-Kreis für Strom?

Gas-Grundversorger ist die EnBW ODR im Rems-Murr-Kreis nirgends, und für Strom nur in Welzheim und Kaisersbach. Den  Strom-Grundversorgungstarif der EnBW können Haushaltskunden nur in Alfdorf, Großerlach, Kernen, Plüderhausen, Remshalden, Spiegelberg, Urbach, Winterbach und Weinstadt bekommen.

Sonstige Grundversorger im Rems-Murr-Kreis sind beim Strom (brutto):

  • Stadtwerke Fellbach: Erhöhung zum 1. Januar von 32,58 auf 42,31 Cent/kWh; Grundpreis bleibt bei 10,33 Euro/Monat.
  • Süwag in Aspach, Althütte, Auenwald, Backnang, Berglen, Burgstetten, Korb, Murrhardt, Oppenweiler, Schwaikheim und Winnenden: Erhöhung zum 1. Januar von 31,13 auf 54,63 Cent/kWh. Grundpreis bleibt bei 9,90 Euro/Monat.
  • Stadtwerke Waiblingen: Erhöhung zum 1. Januar von 33,88 auf 44,10 Cent/kWh; Grundpreis steigt von 9,91 auf 12,89 Euro/Monat.
  • Stadtwerke Schorndorf: Erhöhung zum 1. Januar von 39,11 auf 57,52 Cent/kWh; Grundpreis bleibt bei 15,99 Euro/Monat.
  • Stadtwerke Backnang: Erhöhung zum 1. Januar von 37,90 auf 78,79 Cent/kWh; Grundpreis bleibt bei 9,50 Euro/Monat.

Wer ist wo Grundversorger im Rems-Murr-Kreis für Gas?

Beim Gas ist die EnBW Grundversorger in Welzheim und Kaisersbach, außerdem in Kernen, Kirchberg an der Murr, Korb, Leutenbach, Plüderhausen, Remshalden, Rudersberg, Schwaikheim, Urbach, Winterbach, Schorndorf, Weinstadt und Winnenden.

Dort bietet die EnBW seit 1. Dezember folgende Tarife: 13,54 Cent/kWh, Grundpreis: 8,12 Euro/Monat. Vorerst sei keine weitere Preisanpassung geplant, sagt Elshahed. Bis zum 30. November lag der Kilowattstundenpreis noch bei 9,68 Cent brutto. Der Grundpreis hatte sich nicht geändert.

Weitere Grundversorger für Gas im Rems-Murr-Kreis sind (brutto):

  • Stadtwerke Waiblingen: Erhöhung von 13,59 auf 16,88 Cent/kWh bei einem Jahresverbrauch unter 9000 kWh. Für Verbraucher ab 9000 kWh betrug der Arbeitspreis bislang 12,14 Cent/kWh. Er steigt auch auf 16,88 Cent/kWh. Der Grundpreis für Gas beträgt ab 1. Januar einheitlich 13,37 Euro/Monat. Im zuletzt gültigen Tarif lag er für Verbraucher bis 9000 kWh nur bei 2,49 Euro/Monat.
  • Stadtwerke Backnang: Erhöhung zum 1. Januar von 14,43 auf 22,69 Cent/kWh. Grundpreis bleibt bei 13,38 Euro/Monat.

Wer hat Anrecht auf Grundversorgung? Und was bedeutet Ersatzversorgung?

„Endet bei Kunden der bisherige Versorgungsvertrag, etwa weil ihnen der Anbieter kündigt, sie selbst kündigen oder der Anbieter insolvent ist, landen sie in aller Regel zunächst in der Ersatzversorgung des lokalen Grundversorgers“, sagt EnBW-Pressesprecher Rashid Elshahed. „Von diesem erhalten sie dann ein entsprechendes Anschreiben zum Eintritt in die Ersatzversorgung. Sie haben dann die Möglichkeit, mit einer Kündigungsfrist von einem Tag in einen anderen Tarif zu wechseln – sei es beim selben oder bei einem anderen Unternehmen. Sollten die Kund/-innen hier nichts unternehmen, landen sie automatisch nach drei Monaten in der Grundversorgung.“

Hier schärft die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg im Detail nach: „Muss ich nach einer Kündigung des alten Versorgers in die Ersatzversorgung? Nein, ich habe das Recht, direkt in die Grundversorgung zu kommen“, betont Matthias Bauer, bei der VZ BW zuständig für Energie-Themen.

Kurzum: Nur wenn man nichts tut nach einer Beendigung eines Strom- oder Gas-Versorgungsvertrages, rutscht man vorübergehend in die Ersatzversorgung, die bedeutend teurer sein kann als die Grundversorgung. „Bei der EnBW in der Regel etwa doppelt so teuer“, sagt Elshahed. Also: besser aktiv die Grundversorgung beantragen, wenn man diese möchte. „Die Grundversorgung ist unbefristet und kann mit einer Frist von 14 Tagen gekündigt werden.“

Gibt es Ausnahmefälle?

Der Wechsel in die Grundversorgung ist nur dann nicht sofort möglich, wenn Kündigungsfristen und Vertragslaufzeit-Bindungen eines bestehenden Vertrags dies verhindern. Ausnahmen, die eine zeitweilige Bindung an die Ersatzversorgung bedingen: „Wenn der Kunde aufgrund der Insolvenz seines vorherigen Anbieters in der Ersatzversorgung landet. Oder bei Kündigung des Netznutzungs- oder Bilanzkreisvertrages durch den Netzbetreiber oder einer unwirksamen Kündigung, einer Liefereinstellung des bisherigen Lieferanten oder eines verzögerten Lieferantenwechsels.“

Lohnt sich die Grundversorgung?

Wichtig ist, immer das Kleingedruckte mitlesen! Wie sind die Kündigungsfristen, Preisbindungszeiträume und Preisgarantien sowie Vertragslaufzeiten? Und: Grundversorgungstarife werden in der Regel häufiger unterjährig verändert, das heißt momentan: Mehr Preissteigerungen 2023 sind wahrscheinlich.

Selbst der EnBW-Sprecher sagt: „Prüfen Sie Ihre Vertragsregularien regelmäßig und vergleichen Sie diese mit jenen anderer Anbieter. Besser nicht voreilig kündigen.“

Auch Matthias Bauer von der VZ BW betont: „Es ist auffällig, wie sich die neuen Preise ab dem 01.01.2023 über den jeweiligen staatlichen Preisbremsen einpendeln. Es ist auch zu vermuten, dass unseriöse Anbieter auf den Markt zurückdrängen, da man ganz gut Geschäfte ohne Risiko in den Marktsektoren Gas und Strom machen kann. Motto: Den größten Teil trägt doch der Bund. Aber Vorsicht: Die Bremsen enden im April 2024. Die meisten Verbraucher/-innen haben Verträge mit einer Laufzeit vom 01.01. - 31.12. eines Jahres. Ab dem Mai 2024 zahlt man dann Marktpreise!“

Die Preiserhöhungen bei Strom und Gas im Rems-Murr-Kreis schockieren. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund ums Thema Grund- und Ersatzversorgungstarife. Lohnen sich die überhaupt? Und wir erhellen die deutlichen Preisunterschiede zwischen den Tarifen der EnBW ODR in Welzheim und Kaisersbach und der EnBW in anderen Rems-Murr-Kommunen. Die Verbraucherzentrale warnt vor voreiligen Tarifwechseln.

Welzheim und Kaisersbach: Warum ist die EnBW ODR teurer als die

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