Rems-Murr-Kreis

Tödlicher Bahnunfall in Oppenweiler: War das verunglückte Mädchen doch allein im Gleisbett?

Bahnunfall - 14-Jährige getötet, Oppenweiler, 01.06.2021.
Bahnunfall - 14-Jährige getötet, Oppenweiler, 01.06.2021. © Benjamin Beytekin

Eine 14-Jährige ist am Dienstagabend (01.06.) beim Überqueren der Bahngleise in Oppenweiler-Aichelbach von einem Zug erfasst und tödlich verletzt worden. Die anfängliche Darstellung, dass ihre elfjährige Begleiterin es gerade noch rechtzeitig schaffte, über die Gleise zu rennen, sei so wohl doch nicht richtig. „Die Ermittler gehen mittlerweile davon aus, dass die 14-Jährige alleine das Gleisbett betrat, warum ist noch unklar“, sagte Robert Kreidler, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Aalen. Wollte sie sich etwas Weg ersparen? Die mutmaßliche Abkürzung hat sie das Leben gekostet. 

Die 14-Jährige hatte den Zug nach Zeugenaussagen zwar noch herankommen sehen, wollte noch umkehren, doch sie wurde trotz einer Vollbremsung des Lokführers vom Zug erwischt. Das Mädchen verstarb noch an der Unfallstelle. Die örtliche Feuerwehr hatte ihren Leichnam zu bergen. Die Eltern des Mädchens und der Lokführer wurden durch ein Kriseninterventionsteam betreut. Der Zugverkehr zwischen Schwäbisch Hall und Stuttgart war für Stunden unterbrochen.

Unfallstelle ist rund einen Kilometer entfernt vom Bahnhof

Am Bahnhof in Oppenweiler-Aichelbach gibt es eine Fußgängerbrücke über die Gleise. Die Unfallstelle ist jedoch rund einen Kilometer entfernt vom Bahnhof. Sie befindet sich nahe der die Bahngleise via eine Brücke querenden Eschelhofstraße. Über die Brücke hätte das Mädchen die Gleise sicher überqueren können. Kommt es an der Stelle häufiger zu verbotswidrigen und lebensgefährlichen Gleisüberquerungen?

„Nach meiner Einschätzung finden an der Unfallstelle keine regelmäßigen Gleisquerungen statt“, sagt Bürgermeister Bernhard Bühler. „Über die genauen Umstände wurde ich allerdings nicht von offizieller Seite informiert. Insofern möchte ich derzeit kein Statement zu dem tragischen Unfall abgeben.“

Er sei aber vor Ort gewesen und habe sich versichert, „dass die Familie, die Zeugen, die Fahrgäste und sonstigen Beteiligten des Unfalls entsprechend betreut werden. Das wurde sehr gut vom DRK und der Bahn abgedeckt. Die örtliche Feuerwehr und der Kreisbrandmeister waren ebenfalls im Einsatz und haben die polizeiliche Arbeit begleitet“, sagt Bühler.

Bundespolizei: „Züge nähern sich fast lautlos und können je nach Windrichtung oft erst sehr spät wahrgenommen werden"

Die Bundespolizei warnt immer wieder vor den Gefahren, die beim Betreten von Gleisanlagen und Bahnübergängen bestehen und aus bundespolizeilicher Erfahrung zumeist unterschätzt werden, sagt Yannick Dotzek, Pressesprecher der Bundespolizeiinspektion Stuttgart.

„Züge nähern sich fast lautlos und können je nach Windrichtung oft erst sehr spät wahrgenommen werden. Selbst bei einer sofort eingeleiteten Notbremsung kommen Züge erst nach mehreren Hundert Metern zum Halt. Der Bremsweg eines Zuges bei 100 km/h beträgt bis zu 1000 Meter. Bahngleise dürfen nur an den hierfür bestimmten Stellen, wie zum Beispiel Über- oder Unterführungen, überquert werden“, sagt Dotzek.

Leichtsinn ist offenbar auch schon am 21. April 2020 einem 17-Jährigen am Nellmersbacher Bahnhof zum Verhängnis geworden. Der Heranwachsende wollte gegen 20.40 Uhr die Gleise überqueren und wurde hierbei von einem Regionalexpress, der in Richtung Stuttgart unterwegs war, erfasst und tödlich verletzt. Der tragisch Verunglückte war kurz vorher aus einem anderen Zug ausgestiegen, hatte gewartet, bis dieser weggefahren war, und dann verbotswidrig die Gleise im Bahnhof überquert.

Am 3. Dezember 2019 wurde einem 78-Jährigen in Waiblingen zum Verhängnis, dass er sein Fahrrad in der Gleismulde unterhalb der Brücke der Westumfahrung neben den Gleisen entlangschob, wohl um den Weg abzukürzen. Er wurde von einem Zug erfasst und lebensgefährlich verletzt.

Im September 2018 fand ein älterer Radfahrer in Rudersberg den Tod, der mit seinem Pedelec den Bahnübergang an der Neuen Zumhofer Straße, an dem die Schranken heruntergelassen waren und die Signalanlage Rot zeigte, überqueren wollte und von der Wieslauftalbahn erfasst wurde – dies war der dritte Unfall in diesem Bereich der Bahnstrecke seit 2015 gewesen: Im März 2016 hatte an gleicher Stelle ein 20-jähriger Fußgänger schwere Verletzungen davongetragen, er hatte vermutlich Kopfhörer aufgehabt; im März 2015 hatte ein Mann tödliche Verletzungen erlitten, der Betrunkene war gegen 22 Uhr grob fahrlässig entlang der Gleise in Richtung einer Tankstelle gelaufen, als er vom Zug erfasst wurde.

Anfang März 2010 gingen eine 14-Jährige und ein 15-Jähriger beim S-Bahn-Haltepunkt Beutelsbach verbotswidrig über die Gleise. Durch eine Notbremsung konnte der Triebfahrzeugführer der S-Bahn einen Zusammenstoß gerade noch verhindern.

Eine 14-Jährige ist am Dienstagabend (01.06.) beim Überqueren der Bahngleise in Oppenweiler-Aichelbach von einem Zug erfasst und tödlich verletzt worden. Die anfängliche Darstellung, dass ihre elfjährige Begleiterin es gerade noch rechtzeitig schaffte, über die Gleise zu rennen, sei so wohl doch nicht richtig. „Die Ermittler gehen mittlerweile davon aus, dass die 14-Jährige alleine das Gleisbett betrat, warum ist noch unklar“, sagte Robert Kreidler, Pressesprecher des Polizeipräsidiums

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper