Rems-Murr-Kreis

Tödlicher Radunfall am Sonntag (27.06.) nahe Hohenacker: Was ist passiert?

Tödlicher Crash auf der Landstraße - Fahrradfahren von PKW erfasst und zu Boden geworfen- Reanimation erfolglos
Der Notarzt konnte den Radfahrer nicht mehr retten. © 7aktuell.de | Kevin Lermer

Der Gutachter muss eine sehr schwierige Aufgabe bewältigen: Am Sonntagmittag ist in der Nähe von Hohenacker ein Radfahrer zu Tode gekommen, und nun gilt es zu klären, wer sich womöglich in welchem Ausmaß falsch verhalten hat. An jener Stelle kreuzt ein Radweg die vielbefahrene Landesstraße. Der 52-jährige Radfahrer hatte die Landesstraße queren wollen. Er bremste und stürzte; ein Auto erfasste ihn. Der Mann starb noch an der Unfallstelle.

Am Tag danach sind noch weiße Markierungen auf der Straße zu sehen. Verkehrspolizei und Gutachter haben eine Menge Informationen gesammelt, um nach einem tragischen Unfall wie diesem Aussagen treffen zu können, was genau vorgefallen sein dürfte. Stundenlang war die Straße aus diesem Grund am Sonntag gesperrt.

Radweg quert Landesstraße

„Es bedarf weiterer eingehender Ermittlungen“, so Polizeisprecher Rudolf Biehlmaier auf Anfrage. Zu klären wird sein, wie es im Detail zu dem tödlichen Unfall kam und mit welcher Geschwindigkeit der Autofahrer unterwegs gewesen war. An jener Stelle sind 70 Stundenkilometer erlaubt.

Der 44-jährige Fahrer war mit seinem Daimler laut Polizeisprecher Biehlmaier von Remseck kommend Richtung Hohenacker unterwegs gewesen. Nicht allzu weit vom Kreisel bei Hohenacker entfernt kreuzt der Radrundweg „Waiblingen und Ortschaften“ die Landesstraße. Der Radfahrer, ebenfalls in Richtung Hohenacker unterwegs, wollte wohl an dieser Stelle die Landesstraße queren.

Offenbar hatte der Radfahrer laut Rudolf Biehlmaier abgebremst. Ob er im Zuge dessen an der Straße stürzte, ist nicht klar. Jedenfalls wurde der Radfahrer vom vorbeifahrenden Daimler „leicht“ erfasst. Obwohl der Mann einen Helm getragen hatte, erlitt er so schwere Kopfverletzungen, dass er noch an der Unfallstelle verstarb.

Staatsanwaltschaft ordnete Gutachten an

Die Verkehrspolizei hatte sich am Sonntag wegen des unklaren Hergangs mit der Staatsanwaltschaft in Verbindung gesetzt. Diese ordnete an, ein Gutachten in Auftrag zu geben.

An der Landesstraße 1140 zwischen Hohenacker und Remseck zweigen an vielen Stellen landwirtschaftliche Wege ab, die zum Teil gleichzeitig als Radwege ausgewiesen sind. Der parallel zur Landesstraße angelegte Alb-Neckar-Radweg ist ein gutes Stück von der Straße entfernt, auf der in schneller Folge Autos und Laster entlangdonnern – während der Radrundweg „Waiblingen und Ortschaften“ direkt über die vielbefahrene Landesstraße führt. Einige Meter weiter vorne, ausgangs der Kurve von Hohenacker her kommend, ist ein Warnschild angebracht, das auf Fußgänger verweist.

Vergangenes Jahr starben im Rems-Murr-Kreis zwei Radfahrer bei Unfällen. Die Zahl der Unfälle mit Fahrrädern, Pedelecs und E-Bikes stieg auf 321 (Vorjahr: 288). 59 Radfahrer und Radfahrerinnen wurden 2020 schwer und 226 leicht verletzt.

Dass die Unfallzahlen speziell im Zusammenhang mit Radfahrern 2020 stiegen, hatte mit Corona zu tun: Viel mehr Menschen als sonst nutzten dieses Verkehrsmittel, um Nähe zu Personen in öffentlichen Verkehrsmitteln zu vermeiden, oder ganz einfach, um mittels Bewegung an der frischen Luft gegen Corona-Frust anzukämpfen.

Gibt es Bedarf, etwas zu verändern?

Über die Sicherheit von Fahrradfahrern wird diskutiert, seit es Fahrräder gibt. Der Ausbau von Fahrradwegen ist nicht von heute auf morgen bewerkstelligt; zumindest tut sich nach und nach etwas. Das Land plant Radschnellwege, unter anderem von Schorndorf nach Waiblingen/Fellbach sowie von Waiblingen nach Ludwigsburg und nach Backnang. Das Landratsamt arbeitet an einer Radwegekonzeption für den Rems-Murr-Kreis, die rund 1150 Kilometer Radwege vernetzen soll.

Derzeit entspricht nur ein kleiner Bruchteil der Wege den gehobenen Ansprüchen von Alltagsradlern. Nur 13 Prozent gelten als gut, bei drei Viertel der Wege wurden mittlere und bei zehn Prozent sogar „hohe Handlungserfordernisse“ festgestellt, weil Radwege ungeschützt entlang stark befahrener Straßen geführt werden.

Nach einem tödlichen Unfall wie jetzt nahe Hohenacker wird eine Unfallstelle immer von mehreren Fachpersonen begutachtet: Gibt es dort Bedarf, etwas zu verändern, damit so etwas nicht noch einmal passiert?

70 km/h erlaubt – ist das okay?

Wann dieser Vor-Ort-Termin stattfinden wird, ist natürlich noch nicht festgelegt. Wer sich die Mühe macht und eine Weile den fließenden Verkehr an jener Landesstraße von einem der Wege aus beobachtet, wird sich unweigerlich unwohl fühlen: Ein Fahrzeug nach dem anderen rauscht hier vorbei. Obwohl ein Radweg kreuzt, sind 70 Stundenkilometer erlaubt: Vielleicht wird dieser Umstand heute anders beurteilt werden als zu Zeiten, als man sich für diese Regelung bei seinerzeit mutmaßlich viel geringerem Verkehrsaufkommen entschied.

Der Gutachter muss eine sehr schwierige Aufgabe bewältigen: Am Sonntagmittag ist in der Nähe von Hohenacker ein Radfahrer zu Tode gekommen, und nun gilt es zu klären, wer sich womöglich in welchem Ausmaß falsch verhalten hat. An jener Stelle kreuzt ein Radweg die vielbefahrene Landesstraße. Der 52-jährige Radfahrer hatte die Landesstraße queren wollen. Er bremste und stürzte; ein Auto erfasste ihn. Der Mann starb noch an der Unfallstelle.

Am Tag danach sind noch weiße Markierungen auf

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