Rems-Murr-Kreis

Tatort Winnenden: 28-Jähriger wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes vor Gericht

Landgericht
Das Landgericht Stuttgart. © ALEXANDRA PALMIZI

Wenn die Mutter bei der Arbeit war, vergriff sich ihr Freund an ihrer kleinen Tochter: So soll ein teilweise schwerer sexueller Missbrauch in Winnenden abgelaufen sein, der seit Mittwoch, 15. September, vor dem Stuttgarter Landgericht verhandelt wird.  Dem geständigen Beschuldigten ist es „so peinlich“ - die Mutter des Kindes aber scheint ihn immer noch für unschuldig zu halten.

Auf dem Anklagestuhl sitzt ein 28-Jähriger aus Kornwestheim, der vor dem Prozessauftakt 3000 Euro an die Mutter des Kindes bezahlt hat und sich am ersten Verhandlungstag mit ihrem Anwalt als Vertreter der Nebenklage darauf geeinigt hat, dass weitere 15.000 Euro fließen. Damit, sagte der Beschuldigte, wolle er die Folgeschäden des heute 16 Jahre alten Opfers mildern. Sein Verteidiger erklärte, Verhandlungsziel sei eine Bewährungsstrafe. Ins Gefängnis wolle sein Mandant nicht.

Was geschah: Der Angeklagte ist weitgehend geständig

Der Angeklagte gab fast alles zu, was ihm die Stuttgarter Staatsanwaltschaft zur Last legte: Er hat das damals neun und zehn Jahre alte Mädchen im Zeitraum von 28. April 2014 bis 28. Februar 2016 sexuell missbraucht. Der Mann wohnte zwar nur einen Monat lang bei der Mutter des Kindes, übernachtete in der Folgezeit aber mehrmals in der Woche und passte auf die Kinder auf, wenn die Mutter arbeitete. Die Großeltern, sagte er zu seiner damaligen Partnerin, müsse sie nicht holen für die Kinder. Unter dem Vorwand, mit ihm spielen oder ihm etwas vorlesen zu wollen, lockte der Mann das Mädchen ins Schlafzimmer und stemmte einen Stuhl gegen die Türe, damit keiner hereinplatzen kann. Dann entkleidete er das Kind und missbrauchte es. Dann brachte er das Kind ins Bett, als wäre nichts geschehen.

Eine der Missbrauchstaten war mit einem Eindringen von mindestens einem Finger in den Körper verbunden und wiegt in der Anklage deshalb am schwersten. Eine weitere von insgesamt fünf Taten soll sich im Winnender Wunnebad abgespielt haben. Hier zieht das Gericht eine Einstellung im Hinblick auf die anderen Taten in Betracht, weil der Angeklagte sie bestreitet. Es sei nicht zutreffend, dass er mit dem Mädchen in einer Umkleidekabine des Bades Ähnliches gemacht habe wie sonst im Schlafzimmer.

Geschah es? Die Mutter zweifelt noch heute daran

Die Mutter des Kindes hat der Kornwestheimer, welcher aus einer früheren Beziehung selber eine 13-jährige Tochter hat, im Internet kennengelernt. Dass er zu ihr zieht, sagte er vor Gericht, habe die Winnenderin nicht gewollt. Im Februar 2016, als der sexuelle Missbrauch der Tochter herauskam, war die fünfjährige Beziehung zu Ende. Das Opfer wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit als Zeugin vor Gericht vernommen. Die 39-jährige Mutter gab im Zeugenstand an, sie hätte ihrer Tochter nicht geglaubt und würde auch heute noch nicht glauben, dass ihr Ex-Freund so etwas gemacht hat. Sie habe „nichts gemerkt und nichts gesehen“.

„Sie müssen es glauben, denn er hat es eingeräumt“, sagte die Vorsitzende Richterin, Monika Lamberti, und fragte vergeblich, wie es dem Mädchen heute geht. Die Mutter wusste es nicht. Anvertraut hat sich die heute 13-Jährige ihrem leiblichen Vater, mit dem sie alle 14 Tage Umgang hat, und einer Freundin. Auf die Zeugenvernehmung dieser beiden kann das Gericht verzichten. Die Beweisaufnahme ist so gut wie beendet.

Ein Motiv für seine Missbrauchstaten konnte der Angeklagte nicht nennen. „Es ist mir so peinlich“, presste er hervor und schluchzte, als es vor Gericht um die Vorfälle ging.

Das Mädchen aus Winnenden, beteuerte der 28-jährige Angeklagte, sei das einzige Kind, an dem er sich vergriffen habe. Und er habe immer „Angst gehabt, dass es rauskommt“.

Wenn die Mutter bei der Arbeit war, vergriff sich ihr Freund an ihrer kleinen Tochter: So soll ein teilweise schwerer sexueller Missbrauch in Winnenden abgelaufen sein, der seit Mittwoch, 15. September, vor dem Stuttgarter Landgericht verhandelt wird.  Dem geständigen Beschuldigten ist es „so peinlich“ - die Mutter des Kindes aber scheint ihn immer noch für unschuldig zu halten.

Auf dem Anklagestuhl sitzt ein 28-Jähriger aus Kornwestheim, der vor dem Prozessauftakt 3000 Euro an die

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