Rems-Murr-Kreis

Thomas Hornauer gegen den Zeitungsverlag: Seine Heiligkeit will erneut 300 000 Euro Gage einklagen

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Thomas G. Hornauer. © Benjamin Büttner

Im vollen Ornat erscheint seine königliche Heiligkeit vor Gericht: Er trägt am Leibe ein Gewand, dessen Saum beinahe den Boden küsst; dazu einen mattgoldenen, von Silberfäden durchwirkten Monarchenmantel; im Antlitz eine weiße Brille; und auf dem Haupte eine kronenartige Kappe, worauf in Goldstickerei geschrieben steht: „Thomas G. Hornauer Yoruba Prince“. So vertritt er im Oberlandesgericht Stuttgart seine Forderung: Hornauer will 309 400 Euro Gage vom Zeitungsverlag Waiblingen.

2019 hat er in erster Instanz dem Landgericht das Begehr vorgetragen: Jeweils 75 000 plus Mehrwertsteuer für drei Auftritte bei Kandidatenvorstellungen zu den Bürgermeisterwahlen in Welzheim, Urbach und Remshalden, dazu 40 000 Euro, weil er in einem Livestream zu sehen war – die Honorarhöhe orientiere sich am Dalai Lama, der ähnlich viel nehme, obwohl er nur eine „Heiligkeit“ sei ohne „königlich“ davor.

Das Landgericht verwarf die Klage – nun also die Berufungsverhandlung vor einem dreiköpfigen Richtergremium. Hornauer zur Seite sitzen diesmal gleich zwei Rechtsbeistände, beide kommen von der Düsseldorfer Großkanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek, deren über 400 Anwälte, Steuerberater und Notare laut Kanzlei-Homepage 22 Sprachen beherrschen und unter anderem Hertha BSC „bei Kurzarbeit, Quarantäne und Trainerwechsel“ beraten.

Auf der Gegenseite: ZVW-Geschäftsführer Ullrich Villinger (Anzug, schwarz) und sein Anwalt Thomas Lang (Endersbach).

Anwalt vergleicht Thomas Hornauer mit Robbie Williams

Als Hornauer Anfang 2018 in Plüderhausen erstmals um ein Bürgermeisteramt kandidierte, vom Verlag zur Podiumsdiskussion eingeladen wurde und 75 000 Euro forderte, signalisierte die Zeitung: Honorar gebe es bei sowas grundsätzlich nicht. In Plüderhausen setzte sich Hornauer deshalb aus Protest nicht auf die Bühne, sondern in den Saal. Als er kurz darauf aber auch in Welzheim, Urbach, Remshalden antrat und erneut wie alle anderen Bewerber zu Vorstellungsrunden eingeladen wurde, nahm er auf dem Podium teil.

Hornauers Anwalt Marcel Maybaum folgert aus diesem Ablauf: Der Verlag habe „im Wissen“, dass Hornauer Gage will, „weitere Einladungen“ verschickt – damit sei ein „Vertrag geschlossen“ worden, „der Darbietungen zum Inhalt hatte“. Hornauer „durfte sich als Entertainer angesprochen fühlen“, vergleichbar mit „meinetwegen Robbie Williams“.

Hornauer argumentiert vor Gericht mit Huren und Kuhglocken

Hornauer selber ergänzt: Er habe „von Anfang an durchschaut“, dass es dem ZVW nicht um Kandidatenvorstellungen gehe, sondern um „kapitale Showmarktveranstaltungen“ und „Kommunalwahlrechtsunterwanderung“. Jeder Bewerber, der sich „kostenfrei auf die Bühne stellt, hat sich bereits zur Hure des Zeitungsverlages gemacht, bevor er überhaupt Bürgermeister wird“. Das habe er nicht mitmachen wollen, denn er sei, wenngleich er „auch lustig sein“ könne, „eine Hammer-Autoritätsperson“.

Der Zeitungsverlag aber habe ihn „in ein Arbeitsverhältnis genötigt“, zum „Angestellten“ gemacht und einer „Weisungsbefugnis“ unterworfen.

Außerdem habe er bei den Veranstaltungen „Kunst“ dargeboten, indem er nicht nur „diesen Mantel“ getragen, sondern sich obendrein eine Kuhglocke umgehängt habe.

Die Sicht des Oberlandesgerichts: Eher wenig Chancen für Hornauer

Soweit Kernsätze aus der Argumentation des Klägers – der Beklagte hält sich mit Wortbeiträgen zurück; er hätte der vorläufigen Einschätzung, die das Gericht abgibt, ohnehin wenig hinzuzufügen.

Es fehle, sagt nämlich der Vorsitzende Richter Matthias Haag, „an jedwedem nachvollziehbaren Vortrag“, inwiefern Hornauer überhaupt eine „schutzfähige Leistung erbracht“ haben sollte. Der Zeitungsverlag habe keinen „Auftrag“ erteilt, sondern nur eine „Einladung“ ausgesprochen und obendrein eine Gagenforderung „ausdrücklich abgelehnt“. Vertragliche Ansprüche bestünden nicht, egal „wie interessant – ob mit oder ohne Anführungszeichen – die Auftritte des Herrn Hornauer für wen auch immer gewesen sein mögen“.

Eine Kritik indes schreibt der Richter dem ZVW „ins Stammbuch“: Der Verlag habe Ausschnitte aus dem Welzheimer Livestream später in Remshalden noch einmal gezeigt – „daran kann man Anstoß nehmen, das möchte ich ausdrücklich sagen“. Auch daraus „leiten sich allerdings im Ergebnis keine Ansprüche ab“.

Im Übrigen, erklärt der Richter, habe er das den Düsseldorfer Anwälten bereits vorab mitgeteilt, damit sie überlegen können, ob sich die Anreise überhaupt lohnt. Er habe vermeiden wollen, dass sie erst im Saal von ihren Chancen hören und dann vorwurfsvoll klagen: „Das hätte man uns auch früher sagen können.“

Die Tendenz des Gerichts zeichnet sich also ab. Verkündungstermin: 24. Juni.

Hornauer gegen den Zeitungsverlag: Der Kampf geht weiter

Aber wie auch immer es ausgehen mag, erledigt ist der Streit damit offenbar mitnichten. Hornauer nämlich plant, wie er in einer Sitzungspause durchklingen lässt, eine weitere Klage gegen den ZVW, wegen „Diffamierung“: Die Reporter dieser Zeitung hätten „Gossip- und Gossen-Journalismus im Feuilletonstil“ gegen ihn betrieben und ihm dadurch einen „Judenstern verpasst“.

Er werde, sagt Hornauer, sein „Leben“ und sein „ganzes Geld“ einsetzen in diesem Kampf. Und Anwalt Marcel Maybaum ergänzt: Das „übergeordnete Anliegen“ bei alldem sei, „dass seine königliche Heiligkeit mit dem gebührenden Respekt behandelt wird“.

Im vollen Ornat erscheint seine königliche Heiligkeit vor Gericht: Er trägt am Leibe ein Gewand, dessen Saum beinahe den Boden küsst; dazu einen mattgoldenen, von Silberfäden durchwirkten Monarchenmantel; im Antlitz eine weiße Brille; und auf dem Haupte eine kronenartige Kappe, worauf in Goldstickerei geschrieben steht: „Thomas G. Hornauer Yoruba Prince“. So vertritt er im Oberlandesgericht Stuttgart seine Forderung: Hornauer will 309 400 Euro Gage vom Zeitungsverlag Waiblingen.

2019

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