Rems-Murr-Kreis

Thomas Hornauer und die rechte Szene: Radikalisierung oder Missverständnis?

Thomas Hornauer
Ist Esoteriker Thomas Hornauer nach rechts abgedriftet? Eine begründete Frage – aber nicht leicht zu beantworten. © ZVW/Benjamin Büttner (Archiv)

Thomas Hornauer ist ein Mann, über den sich viele Menschen amüsieren. „Kurioser Selfmade-Guru“ nannte ihn die Süddeutsche Zeitung einst. Doch hinter der Fassade aus Esoterik, Kitsch und Folklore steckt ein Mensch, der immer wieder mit irritierenden Aussagen auffällt.

Monatelang haben wir Hornauers Aktivitäten auf TikTok und Telegram verfolgt. Dabei stießen wir auf radikale Aktivisten, völkisches Gedankengut und krude Variationen rechter Ideologie. In Texten, Videos und Sprachnachrichten sagt Thomas Hornauer Dinge, die Fragen aufwerfen. Sind wir Zeuge einer Radikalisierung geworden?

Hornauer fordert: „Befreit erst mal die Kinder“

Januar 2022: Thomas Hornauer steht an der Schlossgartenschule in Plüderhausen. Er sei hier am Vortag mit einer Erzieherin aneinandergeraten, sagt er in eine Kamera. Er wirft der Frau „Schändung von Kindergartenkindern“ vor, weil sie mit zwanzig Kindern an der Schule vorbeigelaufen sei – „die meisten haben eine Maske getragen“.

Thomas Hornauer wirkt aufgebracht, läuft herum, während er spricht, schwenkt die Kamera teils ruckartig hin und her. „Befreit erst mal die Kinder jetzt aus den Kindergärten und dann die Schulkinder“, sagt er an sein Publikum gerichtet. „Ihr müsst jetzt handeln. [..] Und wenn ihr das Ding nicht umdreht […] dann seid ihr alle Sklaven, so wie eure Kinder schon versklavt werden.“ Das Video seines Monologs landet später auf Telegram.

Eure schrullige Heiligkeit: Kalkofe-Satire und Gabelstapler-Thron

Thomas Hornauer ist deutschlandweit als exzentrischer Esoteriker bekannt, der mit Sex-Hotlines reich wurde und sich einen eigenen Fernsehsender zulegte. Man kennt seine skurrilen Auftritte bei Bürgermeisterwahlen – spätestens seit Comedian Oliver Kalkofe diese in einem Video satirisch aufarbeitete.

Es fällt offenbar leicht, sich über den Mann lustig zu machen, der sich selbst „seine königliche Heiligkeit Majestät Thomas Hornauer“ nennt. Der sich bei den Plüderhäuser Festtagen samt Thron von einem Gabelstapler in die Höhe hieven ließ, um der Menge zuzuprosten.

Doch unsere Recherchen zeigen: Hornauer ist in der lokalen Querdenker-Szene bestens vernetzt. Und schlägt zusehends Töne an, die wir so auch von Radikalen kennen. Er selbst spricht von einem Missverständnis.

Querdenker-Szene: Wenig Sympathie für Hornauer

Die regionale Querdenker-Szene hatte im Sommer 2020 nicht viel Sympathie übrig für Thomas Hornauer. Der Betreiber des Lichtkristallzentrums in Plüderhausen war seit den Anfangstagen der Bewegung auf Demos unterwegs, trommelte auf Bühnen.

Doch der Vorwurf in Telegram-Kanälen der Szene lautete: Hornauer nehme den Protest nicht ernst genug. „Herr Hornauer zieht alles ins Lächerliche, und ich kenne viele, die nicht mit ihm in Verbindung gebracht werden wollen“, hieß es beispielsweise.

Demos nicht radikal genug? Hornauer distanziert sich

Mehr als anderthalb Jahre später ist es Thomas Hornauer, der den Protestierenden vorwirft, es nicht ernst genug zu meinen. Im Januar 2022 zeigt ein Telegram-Video, wie Hornauer von einer Querdenker-Demo in Weissach im Tal berichtet. Er kritisiert den Versammlungsleiter dafür, die Maskenpflicht einzuhalten, und lacht über die Demonstrierenden. Was ist hier passiert? Sind die Demos ihm nicht radikal genug?

Wir haben Thomas Hornauer dazu befragt. Zunächst war er skeptisch. Nannte uns den „Feind“, sagt: „Sie schreiben doch sowieso, was Sie wollen, das steht schon fest.“ Seine Meinung von Medien ist offenkundig schlecht. Am Ende telefonierten wir trotzdem zwei Stunden.

Den Vorwurf einer Radikalisierung weist Hornauer klar von sich. „Wenn Sie das in diese Richtung schreiben, würden Sie mir unrecht tun.“ Er tendiere nicht nach rechts, teile keine rechte Ideologie, distanziere sich von Querdenkern und Reichsbürgern. Aber wie erklärt er sich dann die Inhalte seines Telegram-Kanals?

„Krieg gegen die Menschheit“: Was Hornauer mit Querdenkern verbindet

Zu Corona-Themen verbreitet Thomas Hornauer in den sozialen Medien die üblichen Querdenker-Positionen. In einem Video vom März 2022 sagt er: „Der Krieg gegen die Menschheit läuft bereits seit zwei Jahren – mit den Masken, mit den Tests und mit den Impfungen.“ Hornauer zeigt sich in seinen Videos auf Demos der Szene, er hat offenkundig Kontakt zu den Köpfen der regionalen Querdenker-Bewegung.

Auf Fotos posiert er beispielsweise mit Markus H. aus dem Raum Waiblingen, der seit 2020 regelmäßig an Demos teilnimmt – und unter anderem den sogenannten „Sturm auf den Reichstag“ dokumentierte. Videos zeigen Hornauer auch mit anderen bekannten Gesichtern: Mit Querdenker Heiko M. zum Beispiel, der eine wichtige Rolle bei der Vernetzung der Szene über Telegram spielte – M. bestreitet das. Oder mit dem rechten Aktivisten Michael S. aus dem Rems-Murr-Kreis, der sich beim Pegida-Klon „Fellbach wehrt sich“ engagierte.

Kontakt zu Köpfen der Szene: „Dich werde ich entnazifizieren“

„Meine Meinung ist: Masken sind gut zur Hygiene, sie richten aber an Kindern mehr Schäden an als es Schutz gibt“, sagt Hornauer. Wenn er Demonstrierende aufforderte, die Masken abzunehmen, dann meinte er das „Symbol“ Maske. „Wichtig war der Lappen vors Gesicht, dass man gehorsam ist.“ Um die Schutzwirkung sei es dabei nie gegangen. Er selbst habe trotzdem bei Interviews und auf Demos immer Maske getragen, wenn es gewünscht war.

Und die Kontakte zur Querdenker-Szene? „Die rennen alle zum König“, sagt er. Er kenne die Aktivisten, teile aber nicht deren Meinung und habe auch von sich aus nie den Kontakt gesucht. Heiko M., der auf Telegram den Holocaust verharmlost, findet er „witzig“. Zu Michael S. habe er gesagt: „Du lernst jetzt meditieren. Dich werde ich entnazifizieren.“ Dass diese Aktivisten Journalisten anfeinden, finde er furchtbar.

Nerling trifft Fitzek: Telegram-Feed mit Reichsbürger und Rechtsextremisten

Auch für überregional bekannte Rechtsextremisten und Reichsbürger ist Platz auf Hornauers Telegram-Kanal. Im März teilte er ein Video des rechtsextremen Aktivisten und verurteilten Holocaustleugners Nikolai Nerling. Dieser war zu Besuch bei Deutschlands wohl bekanntestem Reichsbürger, Peter Fitzek. Hornauer schreibt dazu: „König Peter I. treibt das kreative Volk erfolgreich in die Glorie.“

Hornauer sagt, er grenze sich ab von Fitzek und jeder Reichsbürger-Ideologie, sagt aber auch: „Ich finde das gut, was er macht.“ Nikolai Nerling kenne er als „Volkslehrer“, habe aber nie mit ihm zu tun gehabt und teile auch nicht „seine Gesinnung“. Bei dem Video sei es ihm um Fitzek gegangen.

Höcke-Video: „Es ging mir nicht um den Inhalt“

Zuletzt fand auch ein Video-Ausschnitt aus einem Interview mit AfD-Rechtsaußen Björn Höcke seinen Weg auf Hornauers Kanal. Höcke sagt darin, dass die „Multikulturalisierung […] zum Ende dessen führen wird, was wir deutsches Volk nennen“. Mit dem Grundgesetz, das Volk über die Staatsangehörigkeit definiert, hat diese Aussage wenig zu tun – dafür mit rechtsextremen Verschwörungserzählungen.

Auch mit Höcke wolle Hornauer nichts zu tun haben. „Es ging mir nicht um den Inhalt, sondern wie er da behandelt wurde“, sagt Hornauer. Allgemein gelte für seine Social-Media-Kanäle: „Wenn ich etwas teile, teile ich es für meine Zuschauer. Damit vertrete ich nicht die Meinung der Person.“

Be all der verbalen Distanzierung ist es dennoch auffällig, dass regelmäßigt ausgerechnet rechte bis rechtsextreme Positionen auf Hornauers Kanälen vertreten sind. Und auch seine Aussagen sind anschlussfähig an die Szene. Auch wenn er sie auf Nachfrage nicht so gemeint haben will.

„Neujahrsansprache“: Rassismus für die „Königskinder“?

Ein Beispiel: Ein Video zeigt Hornauer um den Jahreswechsel 2021/2022 in seinem Lichtkristallzentrum in Plüderhausen. Er spricht zu jungen Männern, die an seinem Tisch versammelt sind. Er nennt sie seine „Königskinder“ und erteilt ihnen Ratschläge wie: „Hört auf mit dieser verkackten Gossip-Sprache, mit diesem Kanakendeutsch […]. Das ist Unterschichtensprache.“

„Ich bin überhaupt kein Rassist“, sagt Hornauer auf den rassistischen Ausdruck angesprochen. Das Wort „Kanackendeutsch“ sage man vielleicht heute nicht mehr, es komme aber aus seinem „Sprachgebrauch aus dem Schwäbischen heraus“. Er führt das nicht weiter aus.

Sprachnachrichten: Das auserwählte Volk

Ein weiteres Beispiel: In einer Sprachnachricht vom 2. Januar spricht Hornauer über „finstere Mächte“, deren angebliche Machenschaften nur die Deutschen durchschauen könnten – weil sie als Einzige geistig dazu in der Lage seien. Hornauer will das auf Nachfrage nicht völkisch verstanden wissen. Es gehe ihm dabei nicht um Menschen, sondern die „deutsche Sprache“, deren „Reinheit“ und „Qualität“ das Durchschauen ermögliche. Er beziehe sich dabei auf Rudolf Steiner.

An die Menschen anderer Völker gerichtet sagt Hornauer in derselben Sprachnachricht: „Nehmt eure Missbrauchsabsaugmechanismen aus dem unschuldigen, verletzten, deutschen Volke raus, hört auf, das deutsche Volk materiell, wirtschaftlich, seelisch und geistig ausbeuten und zu missbrauchen.“ Dass solche Aussagen anschlussfähig an die rechtsextreme Szene sind, kann Hornauer inhaltlich verstehen. „Aber ich sehe das halt so.“

Kontakt zu Rechten: „Die Linken wollen mich gleich verhauen“

Immer wieder dreht sich das Gespräch mit Hornauer um den Vorwurf, Rechten in die Karten zu spielen, deren Inhalte zu verbreiten und ähnliche Aussagen zu treffen. Immer wieder beteuert Hornauer, er sei nicht rechts. Seine Perspektive auf das Thema sei eine völlig andere – nicht politisch, sondern „geistig“.

Wenn Hornauer Aussagen über die „reine, weiße Qualität der weißen Deutschen“ trifft, will er zum Beispiel nicht als Nazi missverstanden werden. Es gehe ihm um „die Unschuld, das Unbefleckte“, nicht um die Hautfarbe. Er räumt aber ein, manchmal missverständlich zu formulieren.

Warum aber landen dann so viele rechte Inhalte auf seinen Kanälen, warum umgibt er sich mit Querdenkern und Reichsbürgern? „Die Rechten haben nichts gegen mich“, sagt er und fügt lachend hinzu. „Die Linken wollen mich gleich verhauen.“ Auch die „Denkstrukturen“ der Rechten könne er besser verstehen. Außerdem kämen sie eben alle immer zu ihm.

Friedhofs-Rede: Hornauer fordert „Führung der Aufrechten“

Ende Februar steht er mit einer Handvoll Menschen auf einem Friedhof in Fellbach. Während die Kamera auf diesen Stein gerichtet ist, hält Hornauer einen Monolog. Er sagt, dass es jetzt eine „neue Führung der Aufrechten“ in Baden-Württemberg bräuchte – „und alle Politiker und Gemeinderäte sollten ganz schnell zurücktreten, bevor sie zurückgetreten werden“.  Mit der neuen Führung, das wird wenig später klar, ist sein „Vereintes Heiliges Deutsches Königreich“ gemeint – mit ihm als König. 

Also Umsturzpläne? Hornauers Aussagen zur Politik sind widersprüchlich. Politiker lügen, das ist für ihn eine Tatsache. Gleichzeitig sei er „Fan der Regierung“, die einen tollen Job mache. Er selbst habe keine Ambitionen, noch mal in die Politik zu gehen, auch wenn das Thema Bürgermeisterwahlen ihn immer noch hörbar umtreibt. Er wolle sich anderen Themen widmen. Sein Königreich sei spiritueller Natur, damit sei „kein territorialer Anspruch“ verbunden – nicht wie bei Reichsbürgern.

Völkische Töne: „Machen Sie da doch keinen Elefanten daraus“

Nimmt man alles zusammen, lässt sich feststellen: Hornauers Aussagen sind nicht stringent, sie bilden keine konsistente Ideologie. Er widerspricht sich oft selbst. Was man ihm als völkisch, rassistisch und rechts auslegen kann, ist versteckt zwischen wirren Sprachnachrichten über Satanismus und Kindesmissbrauch, Fitness-Videos und Gesangseinlagen. Gleichzeitig nehmen solche Aussagen viel Raum ein, werden von Hornauer selbst als wichtig markiert.

„Machen Sie da doch keinen Elefanten daraus“, sagt er. Er habe Fehler gemacht, äußere manchmal auch eine Meinung, „um etwas zu bewegen“. Aber rechts sei er nicht. „Ich bin ein Mensch, der eine friedliche Seite hat“, so Hornauer. Für einen Moment legt er den Königstitel ab, auf den er am Anfang unseres Telefonats noch hinwies: „Ich bin Thomas, sonst nix.“

Vielleicht muss sich jeder sein eigenes Bild von ihm machen.

Thomas Hornauer ist ein Mann, über den sich viele Menschen amüsieren. „Kurioser Selfmade-Guru“ nannte ihn die Süddeutsche Zeitung einst. Doch hinter der Fassade aus Esoterik, Kitsch und Folklore steckt ein Mensch, der immer wieder mit irritierenden Aussagen auffällt.

Monatelang haben wir Hornauers Aktivitäten auf TikTok und Telegram verfolgt. Dabei stießen wir auf radikale Aktivisten, völkisches Gedankengut und krude Variationen rechter Ideologie. In Texten, Videos und

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