Rems-Murr-Kreis

Tiere zu Weihnachten verschenken: Ist das eine gute Idee? Tierschützerin aus Winnenden mahnt und gibt Tipps

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Zu Beginn der neuen Freundschaft zwischen Mensch und Tier ist die Welt in Ordnung. Das neue Tierchen steht im Mittelpunkt. Doch leider lässt bei vielen Kindern das Interesse nach relativ kurzer Zeit nach. © Pixabay
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Tierhilfe Hoffnung
Beate Iris Müller mit Balai, der vom Verein „Tierhilfe Hoffnung“ aus einer rumänischen Tötungsstation gerettet und im Oktober 2017 über ein Tierheim im Rems-Murr-Kreis an Familie Möller aus Waiblingen vermittelt wurde. Infos zur „Tierhilfe Hoffnung“: www.tierhilfe-hoffnung.com © ALEXANDRA PALMIZI
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Hund unter Weihnachtsbaum, Weihnachten Tiere
Zu Beginn der neuen Freundschaft zwischen Mensch und Tier ist die Welt in Ordnung. Das neue Tierchen steht im Mittelpunkt. Doch leider lässt bei vielen Kindern das Interesse nach relativ kurzer Zeit nach. © Pixabay

Der Lockdown kommt. Ausgangsbeschränkungen sind in Baden-Württemberg in Kraft. Da wäre es doch naheliegend, sich Tiere als Gefährten und Seelentröster ins Haus zu holen. Süß und kuschelig ist das Kaninchen, drollig-tapsig der Welpe und faszinierend und beruhigend die Fische im Aquarium.

Wenn dann aber aus dem Tierbesitz pflegerische Aufgaben erwachsen, wie regelmäßiges Füttern, Gassi gehen, Stall ausmisten oder das Aquarium säubern, stoßen vor allem Kinder schnell an ihre Grenzen. Kann man trotzdem guten Gewissens Tiere zu Weihnachten verschenken?

„Im Vorfeld sollte gründlich nachgedacht werden, das Für und Wider muss gegeneinander abgewogen und dieses in der Familie besprochen werden. Ein Tier ist keine Sache, das man bei Nichtgefallen wieder umtauschen kann“, sagt Beate Iris Müller aus Winnenden. Sie engagiert sich seit Jahren beim Verein „Tierhilfe Hoffnung“ vor allem für rumänische Straßenhunde.

Sind alle Familienmitglieder einverstanden?

Der erste unabdingbare Schritt sei zu klären, ob alle Familienmitglieder damit einverstanden sind. „Wenn das nicht der Fall ist, kann es schnell zu Problemen kommen, unter denen letztendlich das Tier sehr zu leiden hat. Jährlich werden Tausende von Tieren ausgesetzt oder in Tierheimen abgegeben, weil der neue Freund überflüssig und lästig geworden ist“, so Müller.

Sind die Eltern bereit, die Hauptverantwortung zu übernehmen?

„Zu Beginn der neuen Freundschaft zwischen Mensch und Tier ist die Welt in Ordnung. Das neue Tierchen steht im Mittelpunkt. Doch leider lässt bei vielen Kindern das Interesse nach relativ kurzer Zeit nach, und der neue Spielkamerad sitzt zunehmend alleine in der Ecke“, sagt Beate Iris Müller. Jetzt seien die Eltern gefragt. Ist genügend Zeit vorhanden, um sich hier einzubringen? „Ein Tier kann man nicht nur abschieben. Es ist ein Lebewesen, das genauso wie wir Menschen, Freude und Leid spürt und sich über seine täglichen, liebevollen Zuwendungen freut.“

Ein Hund zum Beispiel benötige mindestens dreimal täglich seine Gassi-Runden, je nach Größe und Alter. „Er sollte ein Familienmitglied sein. Kein Statussymbol, den man stundenlang zuhause alleine einsperrt, um sich anderweitigen Aktivitäten zu widmen. Es ist auch dringend anzuraten, wenn schon ein Haustier vorhanden ist, dieses nach seinen Bedürfnissen zu versorgen und sich nicht noch mehrere andere Tiere zu holen, die dann als Mitläufer leben müssen.“

Wie verbringe ich meinen Urlaub? Was ist dann mit dem Tier?

Klar, gerade ist an Urlaubsplanung wegen Corona praktisch nicht zu denken, aber Tiere werden ja auch mehrere Jahre alt () und irgendwann wird der nächste Urlaub schon wieder kommen. Was ist dann mit dem Haustier? „Einen Hund kann ich mit entsprechender Vorplanung in den Urlaub mitnehmen, es gibt viele Unterkünfte, auch im Ausland, die Hunde beherbergen. Ein Kleintier natürlich nicht“, sagt Müller. Deshalb komme dann, sobald es in den Urlaub gehen soll, häufig das böse Erwachen. „Es gibt aber Tierpensionen, die das Haustier für diese Zeit versorgen.“ Vielleicht kann der nette Nachbar auch helfen? Wichtig sei sich mit derlei Fragen auseinanderzusetzen.

Wie alt wird der neue Freund?

Hunde werden je nach Größe und Rasse zwischen acht bis 15 Jahre alt. Auch Kätzchen bis zu 15 Jahre. Hasen und Meerschweinchen erreichen oft ein Alter von 10 Jahren. Kann ich hier die Verantwortung für so lange Zeit übernehmen? Die Kinder werden größer, haben andere Interessen und verlassen die gemeinsame Wohnung. Kann nun das Tier in seiner gewohnten Umgebung bleiben oder nehmen sie das Tier mit in den eigenen Hausstand?

Warum sollte man die Kosten schon im Vorfeld überdenken?

Bevor man sich ein Haustier anschafft, sei auch dringend anzuraten, über die laufenden Kosten Gedanken zu machen. Beispiel Hund: „Er kostet Steuern, regelmäßige Tierarztbesuche stehen an, Impfungen und gesundes, gehaltvolles, vor allem getreidefreies Futter. Nicht das billigste, zusammengepanschte kaufen. Das Tier wird krank, es ist dadurch nichts gespart“, sagt Beate Iris Müller. Und die Tierarztkosten müssen bezahlt werden. „Bei einem komplexen Bruch beim Hund oder eine Hüftdysplasie beläuft sich die Rechnung sehr schnell auf einige Tausend Euro. Hier kann man aber vorsorgen mit einer Tier-Krankenversicherung.“

Bei Kleintieren entspreche der Käfig aus der Zoohandlung meistens nicht den Bedürfnissen. „Muss dieses trotzdem in dieser Behausung leben, ist sein Dasein alles andere als tierschutzgerecht. Setzt man sich mit den Haltungsbedingungen, die vom Deutschen Tierschutzbund vorgeschrieben sind, auseinander, wird einem schnell bewusst, die Platzbedürfnisse sind sehr viel größer als oftmals angegeben“, so Müller.

Ist die Herkunft der Tiere wichtig?

„Augen auf. Keinen Kauf aus Internet-Anzeigen, aus Massenproduktionen vom Ausland und zweifelhaften Züchtern“, mahnt Beate Iris Müller. „Und sehen die Welpen noch so süß aus – Hände weg! Sie unterstützen hier ein erbärmliches Dasein der Muttertiere, oftmals nur in Käfighaltung ohne festen Boden, nur mit Drahtgittern unter den Pfötchen.“

„Wenn Sie sich dann für ein Tier entscheiden und dieses als Familienmitglied annehmen, wird es Ihnen sehr viel Freude, Liebe und Dankbarkeit entgegenbringen. Eine tolle Zeit erwartet Sie und ihre Kinder lernen, hier Verantwortung zu tragen. Eines Tages wird der geliebte Freund nicht mehr erwachen, doch sie können dann zurückschauen, für ihn alles getan zu haben, was möglich war. Dieses Gefühl wird sie und die Kinder das ganze Leben lang begleiten.“

Der Lockdown kommt. Ausgangsbeschränkungen sind in Baden-Württemberg in Kraft. Da wäre es doch naheliegend, sich Tiere als Gefährten und Seelentröster ins Haus zu holen. Süß und kuschelig ist das Kaninchen, drollig-tapsig der Welpe und faszinierend und beruhigend die Fische im Aquarium.

Wenn dann aber aus dem Tierbesitz pflegerische Aufgaben erwachsen, wie regelmäßiges Füttern, Gassi gehen, Stall ausmisten oder das Aquarium säubern, stoßen vor allem Kinder schnell an ihre Grenzen.

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