Rems-Murr-Kreis

Traumpalast testet neues Angebot: Betten statt Sessel im Kino-Saal

Lochmann Traumpalast
Marius Lochmann im Bettenkino-Bett: Im Leonberger Traumpalast probiert er aus, ob dieses Format gut ankommt, im Rems-Murr-Kreis könnten dann die nächsten Bettenkino-Säle Wirklichkeit werden. © Benjamin Büttner

Er sei „super happy“, sagt Marius Lochmann. Und: „Das flasht“. Und: Es sei ein „cooler, schicker Saal“. Marius Lochmann ist der Sohn von Kino-Mogul Heinz Lochmann und längst Geschäftsführer der diversen Häuser im Rems-Murr-Kreis und darüber hinaus. In Leonberg hat er nun einen Versuch gestartet, bei dem es völlig ungefährlich ist, wenn die Kinogäste davon umgehauen werden.

Tiktok-Filmchen über Lochmanns „coolen“ Saal Millionen Mal geklickt

Er habe halt, sagt Marius Lochmann, ein „jüngeres Denken als andere Kinobetreiber“. Was dazu geführt hat, dass Tiktok-Filmchen, die über sein Leonberger Experiment hochgeladen worden waren, schon bis zu zwei Millionen Klicks gebracht haben. Und das ist die Währung, die heute zählt.

Marius Lochmann hat im Dezember in seinem Leonberger Traumpalast einen neuen Saal eröffnet. Das ist in Leonberg kein Problem – das Kino ist groß. So groß, dass es inzwischen sogar ein kinoeigenes Parkhaus gibt. Dennoch ist der Schritt – mitten in der Corona-Pandemie und kurz nach den langen Kino-Schließungen – mutig. Die Zeiten sind wirtschaftlich schwierig. „Ich hab' das trotzdem durchgezogen“, sagt Marius Lochmann. Und zwar „ohne Abstriche“.

Im neuen Saal in Leonberg sieht der Besucher Kinofilme wie in jedem anderen Kinosaal auch. Gerade läuft zum Beispiel „The King´s Man: The Beginning“, ein Action-Film über die Vorgeschichte der Spionage-Organisation Kingsman – da könnt’s so manchen vor lauter Spannung vom Sitz reißen.

Die Betten wurden vom Münsterländer Möbelhersteller Hülsta entwickelt

Aber im neuen Leonberger Saal guckt der Filmfan ja im Liegen. Der Saal hat keine Sessel, sondern Betten. Doppelbetten. Hülsta, der Möbelhersteller aus dem Münsterland, hat sie entwickelt und produziert. Mit echtem Leder im Kopf- und Fußbereich. Das ist leicht zu reinigen. Die Betten, die im Kino stehen, müssen schon den Ansprüchen genügen. Man könne sie bewegen wie etwa ein Krankenhausbett, sagt Lochmann. Das macht Sinn, denn die Leinwand hängt nicht an der Decke, sondern ist ganz traditionell an der vorderen Saalwand angebracht. Da sollte das Kopfteil schon hochgefahren werden, damit der Kinobesucher keine Nackenprobleme bekommt. Man könne aber auch flach liegen oder gar die Füße hochlagern, sagt Lochmann. Und, wenn der Film nicht gefalle, einfach eine Runde schlafen.

Im Saal sind 20 Doppelbetten. 20 mal zwei Tickets – das bringt freilich nicht so viel ein wie ein voll besetzter gewöhnlicher Kinosaal mit an die 130 Plätzen. Auch wenn so ein Kinobett teurer als ein schnöder Sitzplatz ist. Bei Doppelbelegung des Doppelbetts kostet die einzelne Kinokarte 17 Euro, bei Einzelbelegung 25 Euro. Wer einen ganz herkömmlichen Kinosessel will, ist als Erwachsener in Leonberg mit 9,50 Euro dabei. Montags sogar schon mit 6,50 Euro.

Zwei Millionen Klicks auf Tiktok: Das ist die Währung, die heute zählt

Dennoch: Selbst jetzt, in Pandemiezeiten mit Abstandsgebot, gehen in die Sessel-Säle noch viel mehr Leute rein als ins Bettenkino – der Ertrag ist größer. „Aber die Werbung“, sagt Lochmann, „wiegt das auf.“ Die Leute reden übers Bettenkino. Sie kommen, gucken rein, fotografieren und filmen, laden ins Internet hoch. Es seien sogar Gäste da gewesen, die bis zu 450 Kilometer für dieses Kinoerlebnis angereist seien. Unglaublich! 90 Prozent der Vorstellungen, sagt Lochmann, seien ausverkauft.

Marius Lochmann hat sich die Idee bei einer Reise nach Südkorea geholt. Tatsächlich sind Bettenkinos noch eine ziemliche Rarität. Wer im Internet das Stichwort eingibt, findet außer dem Leonberger nur noch ein Exemplar im nordrhein-westfälischen Lüdenscheid und eins in Spreitenbach in der Schweiz. Wenn das Leonberger Bettenkino ein Erfolg wird, sagt Marius Lochmann, würde er sich’s aber überlegen, ob er die Idee nicht auch in den Rems-Murr-Kreis holt. Abliegen in Schorndorf, Backnang und Waiblingen? Klingt interessant.

Was tun, damit es Frischverliebten nicht allzu kuschlig wird?

Eine Frage aber drängt sich noch auf: Wie, Herr Lochmann, verhindern Sie, dass, wo der Kinosaal doch so kuschlig ist, es frischverliebten Pärchen beim Gucken allzu kuschlig wird? „Ach“, sagt Marius Lochmann, „die Frage stellt jeder.“ Es seien, sagt er, im Kinosaal ja Kameras verbaut. Die sind dort aber vor allem wegen des Vandalismus. Dann, sagt er, seien die jeweiligen Doppelbetten doch recht eng beieinander, die Nachbarn somit in Sichtweite. Und außerdem gibt’s im Bettenkino keine Bettdecken.

Er sei „super happy“, sagt Marius Lochmann. Und: „Das flasht“. Und: Es sei ein „cooler, schicker Saal“. Marius Lochmann ist der Sohn von Kino-Mogul Heinz Lochmann und längst Geschäftsführer der diversen Häuser im Rems-Murr-Kreis und darüber hinaus. In Leonberg hat er nun einen Versuch gestartet, bei dem es völlig ungefährlich ist, wenn die Kinogäste davon umgehauen werden.

Tiktok-Filmchen über Lochmanns „coolen“ Saal Millionen Mal geklickt

Er habe halt, sagt Marius Lochmann,

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