Rems-Murr-Kreis

TRI-Uraltzüge im Rems-Murr-Kreis: Keine falschen Verspätungen mehr

TRI-Ersatzverkehr
Ein TRI-Zug hält am Bahnhof Waiblingen. © Alexandra Palmizi

Das Regionalbahn-Absurdistan im Rems-Murr-Kreis hatte zum Glück nur eine kurze Lebensdauer. Bis Anfang Januar wurden die Uralt-Ersatzzüge der TRI Train Rental GmbH, die für Go-Ahead seit 11. Dezember Verbindungen im Rems-Murr-Kreis bedienen, am Bahnsteig teilweise mit Verspätungen angesagt, die gar nicht existierten. Seit 4. Januar darf TRI nun direkt mit der Deutschen Bahn kommunizieren, und die Bahnsteig-Ansagen stimmen.

„Der Antrag auf Datenfreigabe durch TRI war bei uns am 23. Dezember eingegangen“, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn in Stuttgart. „Wegen der Feiertage und weil etwas im Antrag falsch war und nachgebessert werden musste, konnte die Freigabe aber erst am 4. Januar erteilt werden.“

Welche Datenfreigabe?

Verschiedene Tochterunternehmen der Deutschen Bahn AG geruhen, miteinander in Echtzeit zu kommunizieren, wodurch auf dem bahnbetriebsinternen Reiseinformationssystem „RIS“ Ist- und Solldaten von Zug-Standorten miteinander abgeglichen und eventuelle Verspätungen angezeigt werden können.

„Das Schienensignalsystem der DB Netz AG speist Echtzeitdaten über durchfahrende Züge in das DB-eigene Netzsystem LeiDis ein, und das LeiDis überträgt die Daten automatisch ins RIS. Und vom RIS bezieht die DB Station & Service AG, die für die Bahnhöfe und somit auch die Bahnsteig-Ansagen und -Anzeigen zuständig ist, ihre Infos über voraussichtliche Ankunfts- und Abfahrtszeiten“, erläutert TRI-Betriebsleiter Frank Bleske (58) – ein alter Eisenbahner mit jahrzehntelanger Berufserfahrung.

Eigentlich sei es dem Schienensignalsystem der DB egal, ob ein hochdigitalisierter ICE oder eine Dampfzug-Museumsbahn durchfährt, bestätigte jüngst Wolfgang Karg, Pressesprecher von Go-Ahead. Will heißen: Das Signalsystem der DB könnte alle, auch „analoge“ Züge wie jene von TRI (1970er- bis 1980er-Baujahre) wahrnehmen und über LeiDis ins Reiseinformationssystem RIS einspeisen. Dazu ist aber eine Datenfreigabe für jedes den Zugverkehr bestellende Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) rechtlich erforderlich. Dies vor allem aus Datenschutzgründen.

Doppelt kompliziert: Go-Ahead auch involviert

Was die Daten-Synchronisierung noch verkomplizierte: Go-Ahead ist das EVU, das als Auftragnehmer den Regionalbahnverkehr im Rems-Murr-Kreis betreibt. Go-Ahead hat ein eigenes Zugbetriebs-Datensystem, genannt Datnet. Manch Spötter nennt es „Darknet“. Auch für dieses Datnet war weiland eine Datenfreigabe beziehungsweise eine Datenschnittstelle erforderlich, um die Echtzeitdaten von Go-Ahead-Zügen ins RIS einspeisen zu dürfen.

Go-Ahead ist im Falle der TRI-Ersatzzüge aber weiter Auftragnehmer und TRI „nur“ der Subauftragnehmer im Subauftrag von Go-Ahead. So war das Datenfreigabe-Verfahren doppelt kompliziert. Bis zur Freigabe, damit die TRI-Züge direkt mit der Deutschen Bahn via Signalsystem und LeiDis „kommunizieren“ dürfen, mussten stets händische Nachbesserungen im RIS vorgenommen werden, so TRI-Betriebsleiter Bleske. Die Benachrichtigungen via die Go-Ahead-Leitstelle seien aufwendig gewesen.

Mit der Datenfreigabe jedoch kommuniziert TRI nun direkt mit der Deutschen Bahn. „Händische Nachbesserungen im RIS sind nicht mehr notwendig und auch die Bahnsteig-Ansagen für unsere Züge stimmen seither“, sagt Bleske.

Warum Ersatzverkehr?

Mit generalüberholten 111er-Loks der Baujahre von 1974 bis 1984 und alten, aber modernisierten DB-Waggons bedient TRI seit 11. Dezember 2022 einen Ersatzverkehr auf den Regionalbahn-Strecken von Go-Ahead im Rems- und Murrtal. Vertragsdauer: drei Jahre. Währenddessen rüstet Go-Ahead schrittweise seine 66 elektrischen Triebzüge auf die Sicherungstechnik European Train Control System (ETCS) um.

Der Anteil der Zugkilometer, der mit TRI-Ersatzzügen befahren wird, liegt auf dem MEX 13 (Remsbahn) laut Go-Ahead bei 10,5 Prozent und auf der RE 90 (Murrbahn) bei rund 29 Prozent. Der große Rest der Regionalverbindungen wird weiter mit modernen Go-Ahead-Zügen gefahren.

Das Regionalbahn-Absurdistan im Rems-Murr-Kreis hatte zum Glück nur eine kurze Lebensdauer. Bis Anfang Januar wurden die Uralt-Ersatzzüge der TRI Train Rental GmbH, die für Go-Ahead seit 11. Dezember Verbindungen im Rems-Murr-Kreis bedienen, am Bahnsteig teilweise mit Verspätungen angesagt, die gar nicht existierten. Seit 4. Januar darf TRI nun direkt mit der Deutschen Bahn kommunizieren, und die Bahnsteig-Ansagen stimmen.

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„Der Antrag auf Datenfreigabe durch TRI war bei uns

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