Rems-Murr-Kreis

Unachtsamkeit mit tödlicher Folge: Mann aus Remshalden nach Unfall verurteilt

Justitia
Justitia mit der Waage der Gerechtigkeit. (Symbolfoto) © pixabay.com

Sechs Monate Haft auf Bewährung und vier Wochen Fahrverbot wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung an den schwer verletzten Beifahrerinnen – das ist die Strafe für einen 46-Jährigen aus Remshalden, der vor ziemlich genau einem Jahr auf der Landesstraße 1140 bei Möglingen einen schweren Unfall verursacht hatte. Außerdem, so hat das Amtsgericht Ludwigsburg entschieden, muss der Mann 2000 Euro an den Kinderschutzbund bezahlen.

Warum der BMW-Fahrer aus Remshalden am Abend des 17. Juni vergangenen Jahres auf der L 1140 zwischen Möglingen und Schwieberdingen nach der Abfahrt Stammheim in einer nur leichten Rechtskurve auf die Gegenfahrbahn kam, konnte das Gericht nicht klären. „Wenn der Unfallverursacher dem Kurvenverlauf gefolgt wäre, dann wäre nichts passiert“, stellte die Vorsitzende Richterin Andrea Henrich fest. Am Ende der Beweisaufnahme bestätigte sich alles so, wie es der Stuttgarter Staatsanwalt Eberhard Dietz bereits in der Anklage formuliert hatte. Der 46-Jährige war seinen eigenen Angaben nach mit seiner Partnerin gerade aus dem Mallorca-Urlaub gekommen und fühlte sich „topfit“, bevor er laut Anklage mit 95 bis 110 Stundenkilometern in seinem BMW frontal auf den etwa 45 bis 60 Stundenkilometer schnellen Opel im Format eines Kleinwagens stieß, dessen Fahrer einen tödlichen Genickbruch erlitt.

Ein erfahrener Autofahrer

Angaben zu seinen persönlichen Verhältnissen wollte der Angeklagte vor Gericht nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit machen. Offiziell gab er an, beruflich und privat bis heute an dem tragischen Unfall zu leiden. Den Führerschein, sagte der bis auf eine Geschwindigkeitsüberschreitung auf der B 29 bei Schorndorf bis dahin unbescholtene Remshaldener, habe er schon seit dem 19. Lebensjahr, das Autofahren sei er mit einer Kilometerleistung von rund 45 000 im Jahr auch gewohnt. Er könne sich überhaupt nicht erklären, weshalb er auf die Gegenfahrbahn kam, wo ihm der verstorbene Opel-Fahrer wegen der Leitplanke nicht noch weiter ausweichen konnte, als er es sowieso schon tat.

Woran er sich noch erinnern könne, meinte der Beschuldigte, sei, dass er und seine Partnerin vorher über die Freisprechanlage mit deren Mutter telefoniert hätten, die während des Mallorca-Urlaubs auf ihre Enkelkinder aufgepasst habe.

Wer den tragischen Unfall kommen sah, war ein 22-jähriger Motorradfahrer aus Tamm, der mit seiner Freundin auf dem Sozius vor dem Opel-Fahrer herfuhr. Der Angeklagte kam nämlich bereits ihm auf der falschen Spur entgegen. Er konnte aber noch ausweichen, weil sein Zweirad so schmal ist. „Als ich in den Rückspiegel schaute, sah ich, wie zwei Autos ineinanderprallten“, erzählte der Biker als Zeuge vor Gericht, wie das eine Auto einen Kopfstand gemacht habe und über die Leitplanke gekippt sei. „Meine Freundin schrie im Schock und ich lief zur Unfallstelle, um zu schauen, ob noch Menschen in den Fahrzeugen sind.“ Der Motorradfahrer setzte dann auch einen Notruf ab.

Eine 29-jährige Autofahrerin aus Schwieberdingen sah nur noch Autoteile auf sich zufliegen, bevor auch sie stoppte und zur Unfallstelle rannte. „Das kann nicht gut gehen“, habe sie zuvor noch gedacht, als sie hinter dem Remshaldener herfuhr.

Ein pensionierter Polizeibeamter war gerade auf einem Gartengrundstück hinter dem Lärmschutzwall, als es „einen Riesenschlag“ tat. Er verständigte ohne Umwege gleich die Rettungsleitstelle. „Eine Person war ansprechbar und die andere nicht“, schilderte der 63-Jährige, was er an dem Opel im Straßengraben erleben musste.

Kein Alkohol, keine Drogen - und nicht zu schnell

Als Matthias Herre von der Dekra Stuttgart als Gutachter zum Unfallort gerufen wurde, sah er die Schlagmarke am Opel, aus dem das Triebwerk vollständig herausgelöst war. Hinweis auf eine technische Unfallursache fand er keinen. Alkohol oder Drogen hatte der Verursacher auch keine im Blut. Nach Auffassung des Gerichts war auch die Geschwindigkeit nicht unfallursächlich. Die typischsten und häufigsten Unfallursachen lassen sich hier also nicht zur Erklärung heranziehen. Der bei dem tragischen Unfall selbst schwer verletzte Verursacher, so begründete Richterin Henrich, sei schlicht unaufmerksam gewesen, und das nicht nur kurzfristig.

Sechs Monate Haft auf Bewährung und vier Wochen Fahrverbot wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung an den schwer verletzten Beifahrerinnen – das ist die Strafe für einen 46-Jährigen aus Remshalden, der vor ziemlich genau einem Jahr auf der Landesstraße 1140 bei Möglingen einen schweren Unfall verursacht hatte. Außerdem, so hat das Amtsgericht Ludwigsburg entschieden, muss der Mann 2000 Euro an den Kinderschutzbund bezahlen.

Warum der BMW-Fahrer aus Remshalden am Abend des 17.

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