Rems-Murr-Kreis

Versuchte Tötung in Waiblinger Mietwerkstatt: Staatsanwalt fordert im Eisental-Prozess fast 15 Jahre Haft

Polizeieinsatz, Person angeschossen, Täter flüchtig, Gewerbegebiet Eisental, Waiblingen, 07.01.2020
Am 7. Januar 2020 wurde der Betreiber einer Mietwerkstatt im Waiblinger Gewerbegebiet Eisental angeschossen. © Benjamin Beytekin

Gut 14 Monate liegt die Tat zurück: Der Inhaber einer Mietwerkstatt im Waiblinger Gewerbegebiet Eisental wäre fast gestorben, nachdem aus nächster Nähe Schüsse auf ihn abgefeuert worden waren. Der Prozess gegen vier irakische Brüder begann im September 2020 am Landgericht Stuttgart. Voraussichtlich wird das Urteil am Montag, 15. März, gesprochen. Staatsanwaltschaft und Verteidigung liegen mit ihren Anträgen zur Strafzumessung für zwei der vier Brüder weit auseinander.

Versuchter Totschlag

Die Staatsanwaltschaft forderte, die beiden 24 und 28 Jahre alten Brüder wegen versuchten gemeinschaftlichen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren und acht Monaten zu verurteilen. Wegen Beihilfe soll ein weiterer Bruder, ein heute 27-Jähriger, eine vier Jahre andauernde Haftstrafe erhalten, so die Staatsanwaltschaft weiter. Der Älteste der vier, ein heute 30-jähriger Mann aus dem Irak, ist aus Sicht der Staatsanwaltschaft freizusprechen. Der Angeklagte sei ferner dafür zu entschädigen, dass er mehrere Monate in Untersuchungshaft verbringen musste.

Die Verteidiger halten deutlich niedrigere Strafen für angemessen: Sieben Jahre und sechs Monate für den 28-Jährigen, zwischen sechs Jahren und sechs Monaten beziehungsweise drei Jahren und neun Monaten für die anderen beiden. Der Älteste der Brüder sei freizusprechen.

Der heute 30-Jährige hatte im Prozess Mitte Oktober seine Sicht der Dinge geschildert. Er hatte am Morgen des 7. Januar 2020 seinen Brüdern einen Gefallen tun wollen und war für sie als Fahrer eingesprungen. Zu viert fuhr man zu jener Mietwerkstatt im Gewerbegebiet Eisental. Der 30-Jährige war davon ausgegangen, einer seiner Brüder habe dort lediglich ein Auto abholen wollen. Sein nächstjüngerer Bruder, der jetzt 28-Jährige, sei mit dem Inhaber der Mietwerkstatt sehr eng befreundet gewesen; „sie waren wie Brüder“. Einige Wochen vor dem Angriff hatten sich die beiden allerdings zerstritten.

Am Vormittag des 7. Januar wartete der 30-Jährige mit einem weiteren Bruder im Auto, während der frühere Freund des Mietwerkstatt-Inhabers und sein 24-jähriger Bruder hineingingen. Kurze Zeit später schleppte sich der Inhaber der Mietwerkstatt schwer verletzt zum Eingang des Gebäudes – und brach zusammen.

Schüsse in den Kopf

Dr. Iris Schimmel, Sachverständige für Rechtsmedizin, hatte die Verletzungen des Opfers dokumentiert und ihre Erkenntnisse im Prozess geschildert. Demnach hatten den Mann Schüsse im Gesicht, im Hinterkopf, im Oberarm und im Rücken getroffen. An seinem Körper fanden sich mehrere Stichverletzungen. „Sehr kritisch“ sei sein Zustand gewesen; der Mann habe „großes Glück“ gehabt, die Attacke überlebt zu haben, sagte die Rechtsmedizinerin.

Der gesamte Prozess fand unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Besonders viele Justizbeamte waren am 1. Februar im Einsatz. Am Tag davor hatte offenbar der Vater des Opfers Morddrohungen ausgesprochen; ein Spezialeinsatzkommando nahm den Mann in Winnenden fest. Tags darauf ging es am Gericht kurz turbulent zu. Familienangehörige der Angeklagten sind erbost, weil der Inhaber der Mietwerkstatt aus ihrer Sicht kein unbeschriebenes Blatt ist. Ferner soll einer der Angeklagten, der 28-Jährige, ein Handy ins Gefängnis geschmuggelt haben. Beim Vater des Opfers waren zuvor nachts öfter Anrufe eingegangen.

Aggressive Stimmung

Als „Hurensohn“ beschimpfte an jenem Montag, 1. Februar, einer der Angeklagten mehrfach einen der Anwälte auf Opferseite. Die Stimmung im Saal war aufgeheizt, und schließlich platzte auch einem Verteidiger der Angeklagten der Kragen: „Ein bisschen lächerlich“ sei es, das Opfer als Unschuldslamm hinstellen zu wollen, ätzte der Anwalt in Richtung seines Kollegen auf der anderen Seite. Im Übrigen habe er selbst „keinen Bock, dass mir die Karre unterm Hintern explodiert“.

Gut 14 Monate liegt die Tat zurück: Der Inhaber einer Mietwerkstatt im Waiblinger Gewerbegebiet Eisental wäre fast gestorben, nachdem aus nächster Nähe Schüsse auf ihn abgefeuert worden waren. Der Prozess gegen vier irakische Brüder begann im September 2020 am Landgericht Stuttgart. Voraussichtlich wird das Urteil am Montag, 15. März, gesprochen. Staatsanwaltschaft und Verteidigung liegen mit ihren Anträgen zur Strafzumessung für zwei der vier Brüder weit auseinander.

Versuchter

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