Rems-Murr-Kreis

VfB Stuttgart: Lässt sich das Desaster abwenden? ZVW-Stammtisch gibt Antworten

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Der ZVW-Krisenstab zur Lage des VfB Stuttgart (von links): Andreas Schaffer, Herbert Kiess, Hans Pöschko, Lorenz-Günther Köstner, Klaus Bihlmaier, Dietmar Heinle, Thomas Kegel. © Ralph Steinemann Pressefoto

Hält der VfB Stuttgart die Klasse? Oder steigt er ab in Liga zwo? Hier kommt die Analyse des ZVW-Stammtischs mit Promi-Gast Lorenz-Günther Köstner, der sowohl als Spieler als auch als Trainer einst rauschende Erfolge gefeiert hat.

Wenn der 70-jährige Lorenz-Günther Köstner so launig und unterhaltsam Geschichten aus seinem früheren Leben als Fußballspieler (1975 mit Borussia Mönchengladbach Deutscher Meister und Uefa-Pokal-Sieger) und Trainer erzählt (unter anderem führte er den VfB Stuttgart als Co-Trainer von Christoph Daum 1992 zur deutschen Meisterschaft), dann könnte man fast vergessen, warum sich der EM- beziehungsweise WM-Stammtisch des Zeitungsverlags Waiblingen außerplanmäßig getroffen hat.

Die Hoffnung lebt: Zuletzt vier Punkte, das macht Mut

Nicht zum ersten Mal, wenn es um den VfB besonders kritisch bestellt ist, mutiert der Nationalmannschafts-Stammtisch zum VfB-Krisenstammtisch und versucht zu retten, was noch zu retten ist. Den Klassenerhalt nämlich, von dem nach zuletzt vier Punkten aus zwei Spielen und vor allem nach der beeindruckenden Aufholjagd gegen Lorenz-Günther Köstners zweiten Herzensverein Borussia Mönchengladbach auch diejenigen wieder überzeugt sind, die vor zwei Wochen (als der Stammtisch ursprünglich geplant war) womöglich noch ganz anders geredet hätten.

Dietmar Heinle beispielsweise, der keinen Hehl daraus macht, dass er das vor allem von Sven Mislintat zu verantwortende Personaltableau des VfB für „eine Katastrophe“ hält und der vor dem Gladbach-Spiel mit seinen Enkeln gewettet hat, dass der VfB unter Matarazzo kein Spiel mehr gewinnt. Weil er davon ausgegangen ist, dass Matarazzo nach diesem Spiel nicht mehr Trainer des VfB sein würde.

Demgegenüber sind der ehemalige Plüderhäuser Bürgermeister Andreas Schaffer und der in Breuningsweiler lebende Lorenz-Günther Köstner davon überzeugt, dass Pellegrino Matarazzo heute auch dann noch Trainer wäre, wenn der VfB aus diesen beiden Spielen nur einen Punkt geholt hätte. Weil, so der Eindruck von Schaffer und Köstner, Trainer und Mannschaft ungeachtet neun nicht gewonnener Spiele zumindest nach außen hin immer als Einheit aufgetreten seien und auch schon die beiden Spiele gegen Bochum und Hoffenheim trotz jeweils unglücklichen Ausgangs Anlass zur Hoffnung auf Besserung gegeben hätten.

Mit Matarazzo und Mislintat auch in die zweite Liga?

Köstner geht in diesem Punkt sogar noch weiter: Er ist überzeugt, dass der VfB mit Matarazzo (und Mislintat) auch den Gang in die 2. Liga antreten würde – auch aus finanziellen Gründen. Wobei nicht nur für Dietmar Heinle feststeht, dass ein erneuter Abstieg des VfB sowohl sportlich als auch finanziell „ein Desaster“ wäre.

Es gibt aus Sicht des sympathisch-nüchternen Analytikers Lorenz-Günther Köstner aber auch nachvollziehbare Gründe, warum der VfB vor den beiden richtungsweisenden Spielen gegen Augsburg und in Bielefeld dort steht, wo er steht.

Corona, Verletzungspech und Abstellungen für den Afrika-Cup führt der Fußball-Lehrer als Entschuldigung an, moniert aber auch das teilweise ebenfalls verletzungsbedingte Fehlen einer stabilen Achse, beginnend mit dem Torhüter, der im Gegensatz zu seinem Vorgänger Kobel (noch) keiner ist, der dem VfB auch mal ein Spiel gewinnt.

Wie ist der VfB da unten reingerutscht? Eine Analyse

„Es sind jetzt ein paar Justierungen vorgenommen worden“, sagt Köstner mit Blick zum Beispiel auf die stabilisierende Rolle von Atakan Karazor, der in der Vorrunde so gut wie keine Rolle gespielt hat. Und auch im Angriff entwickle der VfB aktuell „eine ganz andere Wucht“, wobei nach Köstners Einschätzung eines nicht passieren dürfte: dass sich Sasa Kalajdzic erneut verletzt und ausfällt. Oder ein Chris Führich, bei dem Andreas Schaffer mittlerweile versteht, „warum ihn der VfB unbedingt wollte“.

Fünf Kilometer weniger Laufleistung als die anderen – ein Problem?

Andererseits macht es Herbert Kiess durchaus Sorgen, wenn er immer wieder liest und hört, dass der VfB fünf Kilometer weniger Laufleistung auf den Platz bringt als andere Mannschaften. „Wenn du Punkte holst, redet davon keiner mehr“, relativiert Lorenz-Günther Köstner den Blick auf solche Statistiken.

Grundsätzlichere Probleme mit dem VfB haben andere wie der frühere Vereinsheim-Wirt Axel Schmieg, wie Klaus Bihlmaier und wie der Unternehmer Udo Hörz. „Im Management geht’s beim VfB zu wie Kraut und Rüben und unten soll’s dann sportlich funktionieren“, beklagt Hörz ebenso einen „Klüngel“ an der Spitze wie Klaus Bihlmaier, wobei Hörz den Einwand von Lorenz-Günther Köstner, dass es anderswo wie etwa in Hoffenheim und Freiburg auch einen auf wenige Personen begrenzten „Klüngel“ gebe, gelten lässt – mit dem einen Unterschied, dass er dort funktioniere.

Apropos Freiburg: „Der VfB ist ein Traditionsverein, der sich kleiner macht, als er ist“, findet Axel Schmieg mit Blick darauf, dass beim VfB manche von einer Kontinuität a la Freiburg träumen und gleichzeitig auch den erneuten Gang in die 2. Liga nicht ausschließen. Der umso schlimmer wäre, wenn gleichzeitig auch noch die 2. Mannschaft aus der Regionalliga absteigen würde, weil dann, so die Kritik von Dietmar Heinle, hoffnungsvolle Nachwuchstalente aus den eigenen Reihen eine noch schlechtere Perspektive beim VfB hätten.

Köstners Kernsatz: Mentalität schlägt Talent

Die Kritik Heinles, dass der VfB im Profibereich lieber auf Zweitligaspieler aus Frankreich, Belgien und sonst woher setze, als auf den talentierten eigenen Nachwuchs, lässt Lorenz-Günther Köstner nur bedingt gelten. Weil es bei jungen Spielern nicht nur um Talent, sondern immer auch um Mentalität gehe. Krasser formuliert: „Mentalität schlägt Talent.“

Eines, betont Köstner, dürfe jetzt nicht passieren: „Dass der VfB nach zuletzt vier Punkten und zwei machbaren Spielen vor der Brust schon denkt, sie hätten es geschafft.“ Zumal da, Greuther Fürth schon mal rausgerechnet, auch noch Hertha BSC mit im Spiel ist – mit Trainer Felix Magath, den Lorenz-Günther Köstner aus gemeinsamen Wolfsburger Zeiten bestens kennt.

Und doch ist die Runde einig: Der VfB Stuttgart hält die Klasse – und sei es über die Relegation.

Hält der VfB Stuttgart die Klasse? Oder steigt er ab in Liga zwo? Hier kommt die Analyse des ZVW-Stammtischs mit Promi-Gast Lorenz-Günther Köstner, der sowohl als Spieler als auch als Trainer einst rauschende Erfolge gefeiert hat.

Wenn der 70-jährige Lorenz-Günther Köstner so launig und unterhaltsam Geschichten aus seinem früheren Leben als Fußballspieler (1975 mit Borussia Mönchengladbach Deutscher Meister und Uefa-Pokal-Sieger) und Trainer erzählt (unter anderem führte er den VfB

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