Rems-Murr-Kreis

Viele Ratten im Rems-Murr-Kreis: Nehmen die Nager überhand? Gibt's eine Plage?

Ratte auf Vogelfutterspender
Ratten sind Überlebens- und Kletterkünstler und schaffen es auch auf hochgehängte Vogelfutterstationen. © pixabay/free

Die Ratte lief am hellen Tag höchst entspannt über die Terrasse. Die Bewohner des Hauses in Schwaikheim hatten in der Vergangenheit sehr schlechte Erfahrungen mit den Nagern gemacht und schon mehrmals professionelle Hilfe geholt. Musste das schon wieder sein? In der Nachbarschaft waren die Tiere ebenfalls Gesprächsthema. Und tatsächlich laufen in der Redaktion auch aus anderen Kommunen im Rems-Murr-Kreis Meldungen über Ratten ein. Gibt es in diesem Jahr eine Rattenplage? Muss die Bekämpfung ausgeweitet werden?

Ein professioneller Schädlingsbekämpfer kontrolliert mehrmals

Wer einen professionellen Schädlingsbekämpfer holt, ist mit einem Besuch allein nicht bedient. Der Profi kommt und bringt die Köderfallen aus. Dann werden diese regelmäßig kontrolliert: Sind Fraßspuren zu sehen? Werden die von Kontrolle zu Kontrolle weniger? Das geht mit der Zeit ins Geld. Und wenn sich in der Nachbarschaft die Ratten tummeln, kann auf einem einzelnen Grundstück ohne Ende bekämpft werden – es führt nie zum dauerhaften Erfolg.

Michael Kless, Schädlingsbekämpfer aus Fellbach, rät daher, dass sich am besten ein ganzes Viertel zusammentut. Kann er weiträumig arbeiten, ist der Erfolg nachhaltiger. Er ist in diesem Sommer im ganzen Rems-Murr-Kreis und immer wieder in Sachen Ratten unterwegs. Zehn bis 15 Termine pro Woche tauchen da schon im Kalender auf. Es seien in diesem und im letzten Jahr mehr Anfragen als in den Jahren zuvor, sagt Michael Kless. Die Ratten hätten sich vermehrt. Doch exorbitant mehr Rattenspuren als sonst nimmt er bei seinen Kontrollgängen nicht wahr. Kless vermutet, dass die Zunahme der Sichtungen auch mit Corona zusammenhängen könnte. Die Leute, sagt er, hätten durch die Arbeit im Home-Office einfach viel öfter die Möglichkeit, einen Blick in den eigenen Garten zu werfen.

Aus den Städten kommen unterschiedliche Einschätzungen. „Es gehen bei uns immer wieder Meldungen über Ratten ein, jedoch nicht verstärkt im Vergleich zu anderen Jahren“, heißt es aus Weinstadt. Ähnlich scheint es in Schorndorf – „Meldungen auf einem ähnlichen Niveau wie in den vergangenen Jahren „ – und Winnenden – „kein erhöhtes Rattenvorkommen“ – zu sein. In Waiblingen dagegen seien in den zurückliegenden Wochen vermehrt „größere Aufkommen von Ratten im Stadtgebiet“ gemeldet worden. Die Antwort auf die Frage, ob es in diesem Jahr sehr viel mehr Ratten als sonst gebe, wird mit einem eindeutigen „Ja“ beantwortet. Die Tiere mussten häufiger und intensiver als sonst bekämpft werden. Der Schädlingsbekämpfer sei „quasi im Dauereinsatz“. Dennoch nehme „die Population der ungeliebten Nagetiere“ nicht ab. Alle vier bis sechs Wochen lasse die Stadt die Kanalschächte in den von Bürgern gemeldeten Straßen mit Köderboxen belegen.

Unterschiedliche Verfahren bei der Rattenbekämpfung in den Städten

Winnenden im Gegensatz musste außer „der jährlichen Rattenbekämpfung“ keine Aktionen durchführen. Schorndorf hat Meldungen aus der Bürgerschaft gesammelt und dann eine Fachfirma beauftragt. Allerdings stellt Schorndorf das Verfahren um: „Künftig werden über eine Dauerbeauftragung ganzjährig Köderboxen aufgestellt.“ Diese sollen dann an den bereits bekannten Brennpunkten stehen und auch dort, wo Meldungen aus der Bevölkerung auf einen Befall hinweisen.

Die Kommunen bekämpfen Ratten nur in der Kanalisation und auf öffentlichen Flächen. Inwieweit Meldungen von Bürgern zu verstärktem Einsatz führen, scheint im Rems-Murr-Kreis unterschiedlich gehandhabt zu werden. Betroffene können durchaus zu hören bekommen: Wir haben unser Soll bereits erfüllt, was bei Ihnen auf dem Grundstück läuft, ist Ihre Privatsache.

Auf dem privaten Grundstück muss der Besitzer selbst tätig werden

Es ist korrekt: Bekämpfung auf dem Privatgrundstück muss privat organisiert und gezahlt werden. Doch bringt dieser Einsatz überhaupt etwas, wenn aus der Kanalisation der Nachzug nicht gestoppt wird? Vorbeugend darf in Privatgärten nichts getan werden. Damit die Giftstoffe nicht im Übermaß in die Umwelt getragen werden, wurde das gesetzlich verboten. Schädlingsbekämpfer Michael Kless kann erst, wenn die Kunden sich bei ihm melden, weil sie Ratten sichten, die Köderboxen auslegen.

Im Schwaikheimer Garten jedenfalls hat er an dreien der ausgelegten Köderboxen Fraßspuren entdeckt, die anderen waren unberührt. Seine Diagnose: „Das geht noch“ – die Bekämpfung kann eingestellt werden.

Die Ratte lief am hellen Tag höchst entspannt über die Terrasse. Die Bewohner des Hauses in Schwaikheim hatten in der Vergangenheit sehr schlechte Erfahrungen mit den Nagern gemacht und schon mehrmals professionelle Hilfe geholt. Musste das schon wieder sein? In der Nachbarschaft waren die Tiere ebenfalls Gesprächsthema. Und tatsächlich laufen in der Redaktion auch aus anderen Kommunen im Rems-Murr-Kreis Meldungen über Ratten ein. Gibt es in diesem Jahr eine Rattenplage? Muss die Bekämpfung

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