Rems-Murr-Kreis

Vogelfüttern gegen die Tristesse: Tipps fürs richtige Füttern in der kalten Jahreszeit

Rotkehlchen in Haubersbronn Vogel SCHMUCKI
Das Rotkehlchen leuchtet im Herbst zwischen den kahlen Zweigen hervor. © Benjamin Büttner

Herbst ... Corona ... Trübsal blasen? Nein! Selbst wenn es zurzeit unmöglich ist, dem grauen Wetter zu entkommen und in den Süden abzuschwirren. Das Gegenprogramm zu trüben Gedanken läuft direkt vor der Fensterscheibe ab: Viele Vogelarten fliegen auch nicht in die Sonne, sondern überwintern hier. Neben Amsel, mehreren Meisenarten, Grün- und Buchfink, Rotkehlchen, Zaunkönig und Goldammer, verbringen auch mehrere Spechtarten das ganze Jahr hier. Und außerdem gibt’s im Winter exotische Gäste: Kernbeißer, Erlenzeisig, Wacholderdrossel und die Stieglitze mit ihrem gelb-rot-weißen Gefieder kommen. Vielleicht lassen sich auch zum Winterbeginn wieder einige über uns hinwegziehende Trupps der wunderschönen Seidenschwänze auf ihrem Durchzug blicken.

Wer auch immer unsere Aufmerksamkeit mit buntem Gefieder bannt: Sie alle fressen, was sie noch finden an Hagebutten- und Schlehensträuchern, auch liegengebliebene Äpfel und Birnen dienen ihnen als Futter. Die samenverzehrenden Stieglitze naschen Samen der wilden Karden.

Nur wenige Vogelarten nutzen das Futterangebot

Wir können die Vögel aber auch an unser Futterhäuschen locken. Und tun uns damit selbst einen Gefallen. Denn wir können die Tiere dann aus unmittelbarer Nähe beobachten, sagt der Waiblinger Nabu-Chef und Ornithologe Bruno Lorinser. Er schreibt: „Das Vogelfüttern ist eine wunderbare Gelegenheit, die gefiederte Natur in der eigenen Umgebung und aus nächster Nähe zu erleben, gerade auch für kleine Vogelfans.“

Dabei gibt es wenig Themen, die unter Vogelfreunden so heiß diskutiert werden. Sollen Wildvögel überhaupt gefüttert werden? Ab wann ist das Vogelfüttern sinnvoll, und worauf muss man achten? Denn grundsätzlich nutzen nur etwa zehn bis 15 Vogelarten das angebotene Buffet. Zudem erreicht man dabei in aller Regel keine gefährdeten Vögel. Das Naturerlebnis steht also klar im Vordergrund und das ist auch gut so. Um bedrohte Vogelarten zu schützen, braucht es deutlich mehr. Dieses „mehr“ beginnt bei naturnah gestalteten Gärten, die der heimischen Flora und Fauna eine Heimstatt bieten können. Schottergärten markieren hier das unterste Ende der Skala.

Sonnenblumenkerne als Basisfutter

Am besten füttert man dann, wenn es wirklich kalt ist, klassischerweise zwischen November und Ende Februar. Sonnenblumenkerne, so Bruno Lorinser, eignen sich gut als Basisfutter, weil sie von vielen Arten gern gefressen werden. Freiland-Futtermischungen für Körnerfresser wie Finken, Sperlinge und Meisen enthalten zusätzlich andere Samen verschiedener Größe. Insbesondere Meisen lieben Gemische aus Fett und Samen, die man selbst herstellen oder als Meisenknödel kaufen kann. Günstig ist es, diese Knödel in dafür geeignete Futterspender zu packen. Dann braucht man nicht die oft verwendeten Plastiknetze. Empfehlenswert ist es, wenn das Vogelfutter aus biologischem Anbau stammt. So fördert man gleich die naturverträgliche Landwirtschaft mit und hilft dabei, die Lebensräume gefährdeter Agrarvogelarten wie Feldlerche und Rebhuhn zu bewahren. Klassische Vogelhäuschen oder Futterspender sollten so angebracht werden, dass Katzen nicht daran herankommen oder im Umfeld ansitzen können. „Empfehlenswert ist auch ein gewisser Abstand zu größeren Glasflächen. Dann steht der Weg zur Naturbeobachtung offen.“

Distanz zu Menschen - Nähe zur Natur

„Social distancing“ besteht als Pandemieregel zu unseren Mitmenschen, zur Natur aber können wir – vielleicht jetzt wie selten zuvor – Nähe aufbauen. Wir haben manchen Verzicht und die eine oder andere Entbehrung einzustecken. Über Beobachtung der lebendigen Natur können wir unser Bedürfnis nach Nähe neu justieren. Durch die Nähe zu den Vogelhausbesuchern kommen Fragen zur Biologie, zu Dasein und Schöpfung vielleicht aus einem neuen Blickwinkel angeflogen. Also Augen auf für unsere gefiederten Winterboten - sie zeigen uns während dem Corona-Stillstand ihre lebhafte und einzigartige Wunderwelt.

Info

Buchtipp: Der schwedische Ornithologe Lars Jonsson porträtiert in seinem Buch „Wintervögel“ 58 Arten, die in der kalten Jahreszeit bei uns besonders gut zu beobachten sind. Illustriert ist das Buch mit Aquarellen. Lars Jonsson, Wintervögel, Kosmos-Verlag, Hardcover, 38 Euro

Herbst ... Corona ... Trübsal blasen? Nein! Selbst wenn es zurzeit unmöglich ist, dem grauen Wetter zu entkommen und in den Süden abzuschwirren. Das Gegenprogramm zu trüben Gedanken läuft direkt vor der Fensterscheibe ab: Viele Vogelarten fliegen auch nicht in die Sonne, sondern überwintern hier. Neben Amsel, mehreren Meisenarten, Grün- und Buchfink, Rotkehlchen, Zaunkönig und Goldammer, verbringen auch mehrere Spechtarten das ganze Jahr hier. Und außerdem gibt’s im Winter exotische Gäste:

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