Rems-Murr-Kreis

Von Backnang nach Stuttgart: Frank Nopper nimmt Abschied vom Rems-Murr-Kreis

Kreistag
Dr. Frank Nopper bei seiner letzten Kreistagssitzung – ganz ungewohnt zunächst als Hinterbänkler in einer der hinteren Reihen in der Gemeindehalle Schwaikheim. © Gabriel Habermann

Dr. Frank Nopper hat sich am Montag vom Rems-Murr-Kreis verabschiedet. Im Januar tritt er sein Amt als Stuttgarter Oberbürgermeister an. Mehr als 16 Jahre gehörte der Backnanger Oberbürgermeister dem Kreistag an. 2004 wurde er – als Stimmenkönig – erstmals für die CDU in das Gremium gewählt. Von diesem Zeitpunkt an prägte er vor allem beim Thema Krankenhaus die Debatten im Kreistag. „Sie haben die Marke Backnang geprägt“, sagte Landrat Richard Sigel zu Noppers Abschied. „Ihre markigen Sprüche werden uns fehlen.“

Zufall oder nicht: Frank Nopper wurde in der Gemeindehalle Schwaikheim verabschiedet. Just jenem Sitzungsort, an dem Nopper „nicht nur die schmerzlichste Niederlage in meiner Zeit als Rems-Murr-Kreisrat, sondern die schwerste Niederlage in meinem bisherigen politischen Leben“ erlebt hat, sagte er in seiner Abschiedsrede – mit dem für ihn typischen Pathos. „Bis zur letzten Minute und bis zum Umfallen“ habe er für das Krankenhaus in Backnang gekämpft. Die knappe Entscheidung für einen Neubau und das Aus für die Kreiskrankenhäuser in Waiblingen und Backnang habe „Backnang und den gesamten Murr-Raum bis ins innerste Mark getroffen“.

Keiner hat in der Krankenhaus- Debatte so polarisiert

Keiner hat wie Nopper die über mehr als ein Jahrzehnt geführte Debatte über die Neugestaltung der Kliniken so geprägt. Keiner hat sie wohl dermaßen polarisiert. Und keiner hat die Karte, der Altkreis Backnang und das Murrtal würden gegenüber Waiblingen und dem Remstal benachteiligt, ebenso virtuos wie nervtötend ausgespielt.

Nachdem das Rems-Murr-Klinikum in Winnenden 2014 in Betrieb gegangen war, schien Nopper mit den Krankenhäusern seinen Frieden gemacht zu haben. In Erinnerung werden jedoch die harten Auseinandersetzungen bleiben mit Landrat Johannes Fuchs und mit Paul Hug, dem Vorsitzenden seiner eigenen CDU-Kreistagsfraktion, der wie Fuchs Befürworter des Klinikneubaus war.

Das Klinikthema spaltete nicht nur den Bindestrich-Landkreis Rems-Murr; der Riss ging auch quer durch die CDU-Kreistagsfraktion. Hug machte im Rückblick Nopper für die vergiftete Atmosphäre in der Fraktion mitverantwortlich, die schließlich zu Hugs Rücktritt führte. „Wenn immer jemand seinen Hut nehmen müsste, wenn er anderer Meinung als Herr Nopper ist, wohin ist dann unsere Demokratie auf dem Weg?“, schrieb Hug in seinem Rückstrittschreiben: Und tief getroffen weiter: „Solche persönlichen Angriffe und Anfeindungen wie die von Herrn Nopper habe ich nicht verdient.“

Der andere Frank Nopper versteht es, Menschen für sich einzunehmen. Über ein Sommergespräch mit der CDU-Kreistagsfraktion schrieben wir im Jahr 2011: „Frank Nopper haut schon beim einleitenden Aufwärm-Smalltalk so viele Bonmots nebst mehreren Kostproben seines patentierten Blendaxlachens raus, dass man zweifelt, ob das nachher, wenns ernst wird, überhaupt noch steigerungsfähig ist.“ Auch im Klinikstreit galt es seinerzeit abzurüsten, zumal die neue Klinik in Winnenden im Bau war und es kein Zurück mehr gab. Die neue Klinik müsse „ein Erfolg werden“, proklamierte Nopper, warnte vor Defiziten im laufenden Betrieb.

Nopper reizte zu Rundschlägen und antwortete mit Gegenschlägen

Nopper hat sich nach seiner Wahl 2002 zum Oberbürgermeister mit Backnang ebenso inbrünstig identifiziert, wie er jüngst im Stuttgarter OB-Wahlkampf die Verbundenheit mit seiner Geburtsstadt beschworen hat. Nopper strich gebetsmühlenhaft das Besondere an Backnang heraus und adelte die Stadt gar zur „Murrmetropole“. Seinen übertriebenen Lokalpatriotismus griffen wir gerne in unserer Kolumne „Rundschlag“ auf. Das reizte Nopper zum Gegenschlag. Er zählt zu den wenigen Rundschlag-Autoren, die nicht der Redaktion angehören. So schrieb er uns, der „murr-kritischen“ Remstäler Presse, ins Stammbuch: „„Schließlich ist Backnang nicht nur die Stadt mit einzigartiger badischer Vergangenheit und freudvoller württembergischer Gegenwart, sondern auch die Stadt, in der badische Liberalität und Lebensfreude eine ideale Symbiose mit württembergischer Schaffigkeit und Sparsamkeit eingehen.“

„Der Abschied fällt mir schwer, weil ich vieles schmerzlich vermissen werde“, sagte Nopper am Montag im Kreistag. Er erinnere sich wehmütig an die „konspirativen Treffen der Rems-Murr-Oberbürgermeister an einem geheimen Ort im Kreisgebiet mit dem Ziel, die Kreisumlage auf eine geringstmögliche Höhe zu bringen“.

Schmerzlich vermissen werde er auch die „Einteilung der Welt in Murr- und Rems-Bereich und damit die Einteilung der Welt in Gut und Böse“. Dies sei in Zeiten des Kalten Krieges zwischen Rems und Murr, in Zeiten des heftigen Kampfes um die Krankenhausstandorte der Fall gewesen. Indes, unter der Ägide von Landrat Richard Sigel, „dem unangefochtenen Schwarm aller Schwiegermütter“, habe er, Nopper, seine Liebe zum Rems-Murr-Kreis entdeckt. Eine Liebe auf den zweiten Blick, die bekanntlich „die nachhaltigere und dauerhaftere Form der Liebe“ sei.

Und natürlich werde er das BK-Kennzeichen schmerzlich vermissen, führte Nopper, dessen Auto „BK WN 1“ ziert, anekdotenhaft weiter aus. Diese Kennzeichen „haben wir gegen den erbitterten Widerstand des Rems-Murr-Landrates und mit einer List durchgesetzt“. Es gehöre für ihn „nach wie vor zu den schönsten Nebensachen der Welt“ und schaffe „als wunderbarer Farbtupfer Identität und Heimatverbundenheit“. Als Stuttgarter Oberbürgermeister werde er dem Rems-Murr-Kreis gewogen bleiben. „Ein Verbündeter des Herzens im Stuttgarter Rathaus ist Ihnen stets sicher.“ Was aus dem Nopperischen übersetzt jedoch auch bedeuten kann, dass er – bei Verstand – keiner Auseinandersetzung aus dem Wege gehen wird.

Dr. Frank Nopper hat sich am Montag vom Rems-Murr-Kreis verabschiedet. Im Januar tritt er sein Amt als Stuttgarter Oberbürgermeister an. Mehr als 16 Jahre gehörte der Backnanger Oberbürgermeister dem Kreistag an. 2004 wurde er – als Stimmenkönig – erstmals für die CDU in das Gremium gewählt. Von diesem Zeitpunkt an prägte er vor allem beim Thema Krankenhaus die Debatten im Kreistag. „Sie haben die Marke Backnang geprägt“, sagte Landrat Richard Sigel zu Noppers Abschied. „Ihre markigen

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