Rems-Murr-Kreis

Waffen im Rems-Murr-Kreis: Immer mehr Menschen beantragen kleinen Waffenschein

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So sieht er aus, der kleine Waffenschein. Er berechtigt zum Führen sogenannter PTB-Waffen. © ZVW/Alexandra Palmizi

Die Bevölkerung bewaffnet sich: Die Zahl der kleinen Waffenscheine in Deutschland steigt Medienberichten zufolge seit Jahren an. Die Neue Osnabrücker Zeitung hatte für 2021 zuletzt die Zahl von mehr als 740.000 gültigen kleinen Waffenscheinen in Deutschland recherchiert.

Wir wollten wissen: Wie sieht es im Rems-Murr-Kreis aus? Was ist mit den „großen“ Waffenscheinen und anderen waffenrechtlichen Dokumenten? Welche Rückschlüsse lässt das zu? Welche Hürden gibt es auf dem Weg zur eigenen Waffe, welche Sicherheitsvorkehrungen? Und was hält die Polizei von der aktuellen Entwicklung? Eine Spurensuche.

Waffenerlaubnis im Kreis: Woher kommen die Zahlen?

Im Rems-Murr-Kreis sind die sechs Großen Kreisstädte selbst für Waffenscheine und –besitzkarten ihrer Einwohner zuständig. Backnang ist zusätzlich für weitere umliegende Gemeinden verantwortlich (siehe Grafik). Für alle anderen Gemeinden ist die zuständige Behörde das Landratsamt.

Wir haben diese Behörden gefragt, wie viele waffenrechtliche Dokumente in den Jahren 2019, 2020 und 2021 jeweils ausgestellt wurden. Außerdem wollten wir wissen, wie viele waffenrechtliche Dokumente aktuell gültig sind.

Waffenbesitzkarte: Über 7.500 im Rems-Murr-Kreis

Eine Waffenbesitzkarte ist für den Erwerb oder Besitz von erlaubnispflichtigen Schusswaffen nötig. Nach dem Kauf werden erworbene Waffen, aber auch dazugehörige Munition, auf der Karte eingetragen. Um die Waffen auch außerhalb bestimmter Bereiche auch bei sich führen zu dürfen, ist ein Waffenschein nötig.

Im Rems-Murr-Kreis gibt es aktuell knapp über 7.500 gültige Waffenbesitzkarten. Wie viele Waffenbesitzer es im Kreis gibt, lässt sich daraus nicht ablesen. Wenn eine Waffenbesitzkarte voll ist, aber weitere Waffen eingetragen werden müssen, wird eine neue ausgestellt. Wer Waffen besitzt, kann also mehrere solcher Karten haben.

Auch die Zahl der Waffen lässt sich daraus nicht ablesen. Wird eine Waffe verkauft oder abgegeben, wird sie auf der Waffenbesitzkarte durchgestrichen – das entsprechende Feld des Dokuments bleibt also belegt. „Zudem sind auch Schalldämpfer, Wechsel- und Austauschläufe eingetragen“, sagt eine Sprecherin des Landratsamts.

Kleiner Waffenschein: Welche Waffen darf man damit führen?

Mehr Rückschlüsse auf die Menge an Waffenbesitzern im Kreis lässt die Zahl der gültigen kleinen Waffenscheine zu. Hier wird nur ein Dokument pro Person ausgestellt. In den letzten drei Jahren ist die Zahl der kleinen Waffenscheine im Kreis um mehr als 500 angestiegen. Aktuell sind über 3500 kleine Waffenscheine im Kreis gültig.

Damit setzt sich der Trend, dass jährlich mehr Menschen im Kreis einen kleinen Waffenschein besitzen, weiter fort. Die Kurve flacht dabei langsam ab. Bei sechs von sieben Behörden war 2019 das Jahr, in dem im Vergleichszeitraum die meisten kleinen Waffenscheine ausgestellt wurden. Bei den Städten Winnenden, Backnang, Schorndorf und dem Landratsamt ging die Zahl in den letzten drei Jahren sogar kontinuierlich zurück. Ein Ausreißer ist hier die Stadt Fellbach: Dort stieg die Zahl der ausgestellten Waffenscheine von 2019 (12) über 2020 (24) bis 2021 (27) jedes Jahr weiter an.

PTB-Waffen: Wozu ein kleiner Waffenschein berechtigt

Ein kleiner Waffenschein erlaubt dem Besitzer, in der Öffentlichkeit sogenannte PTB Waffen zu führen. Das sind bestimmte Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen. Weil diese Waffen das Zulassungszeichen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt, kurz PTB, aufweisen müssen, werden sie auch PTB-Waffen genannt.

Waffenschein: Wie viele Menschen dürfen scharfe Schusswaffen führen?

Ein Waffenschein, auch „großer Waffenschein“ genannt, erlaubt das Führen von erlaubnispflichtigen Waffen in der Öffentlichkeit, die nicht vom kleinen Waffenschein abgedeckt werden. Sprich: Schusswaffen mit scharfer Munition. Mit Öffentlichkeit ist damit jeder Bereich außerhalb der eigenen Wohnung, der Geschäftsräume, sonstigen befriedeten Besitztums oder einer Schießstätte gemeint.

Zum Zeitpunkt unserer Abfrage hatten 176 Personen im Rems-Murr-Kreis einen Waffenschein. Drei davon hat die Stadt Backnang ausgestellt, zwei die Stadt Schorndorf, allesamt im Abfragezeitraum ab 2019. Die übrigen 171 das Landratsamt in Waiblingen. „Es handelt sich dabei überwiegend um Waffenscheine für ein Bewacherunternehmen“, hieß es in der Antwort der Behörde. 18 dieser Waffenscheine wurden ab 2019 ausgestellt.

Waffenrecht: Welche Voraussetzungen muss man erfüllen?

Um Missbrauch zu verhindern, gibt es Hürden auf dem Weg zur eigenen Waffe. Wer eine waffenrechtliche Erlaubnis beantragt, muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Das Waffenrecht wurde hierbei immer wieder verschärft – nicht zuletzt nach dem Amoklauf von Winnenden.

Mindestalter: Variiert je nach Antrag. In der Regel liegt es bei 25 Jahren, aber auch ab 18 Jahren ist eine waffenrechtliche Erlaubnis in bestimmten Fällen schon möglich.

Zuverlässigkeit: Behörden fordern Auskünfte aus dem Bundeszentralregister und dem zentralen staatsanwaltschaftlichen Verfahrensregister an. Außerdem wird beim Landeskriminalamt und dem Landesamt für Verfassungsschutz angefragt. So soll verhindert werden, dass Kriminelle und Extremisten in den Besitz von Waffen gelangen.

Persönliche Eignung: Alkoholabhängige, geschäftsunfähige, extremistische oder psychisch kranke Menschen erhalten keine waffenrechtliche Erlaubnis. Behörden können hier bei Zweifeln ärztliche Zeugnisse anfordern.

Sachkenntnis: Wer mit einer Waffe hantieren will, sollte sich auskennen. Deshalb werden rechtliche Rahmenbedingungen abgefragt und eine Form der Prüfung im Umgang mit Waffen verlangt. Diese kann je nach Antrag unterschiedlich ausfallen.

Bedürfnis: Warum will jemand eine Waffe besitzen oder führen? Das muss gut begründet sein. Behörden berücksichtigen hierbei persönliche, aber auch wirtschaftliche Interessen. Zu den Personengruppen, die eine waffenrechtliche Erlaubnis erhalten, zählen laut Land Baden-Württemberg vor allem:

  • Jäger
  • Sportschützen
  • Waffensammler
  • Personen, die Waffen herstellen oder mit ihnen handeln
  • Unternehmer des Bewachungsgewerbes
  • Gefährdete Personen

Entsprechende Nachweise, dass jemand zu einer dieser Personengruppen gehört oder ein anderweitiges berechtigtes Interesse hat, müssen bei der zuständigen Behörde erbracht werden.

Mehr kleine Waffenscheine: Was merkt die Polizei davon?

Ob ein Mensch all diese Voraussetzungen noch erfüllt, wird in unterschiedlichen Abständen und mit verschiedenen Verfahren regelmäßig überprüft.

Dass immer mehr Menschen im Rems-Murr-Kreis einen kleinen Waffenschein besitzen, macht sich in der Polizeiarbeit nicht unmittelbar bemerkbar. „Es gibt momentan keine Auffälligkeiten, dass vermehrt Schreckschusswaffen zum Einsatz kommen, auch wenn das hin und wieder mal vorkommt“, sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen.

Polizei: „Wir raten komplett davon ab, sich zu bewaffnen“

„Wir raten komplett davon ab, sich zu bewaffnen“, so der Polizeisprecher weiter. Die Art der Waffe spiele dabei keine Rolle. „Weil es meistens nicht zur Deeskalation beiträgt, wenn eine Waffe eingesetzt wird.“ Im schlimmsten Fall könne ein Angreifer eine Waffe auch gegen einen verwenden.

„Wer Waffen einsetzt, muss unheimlich geübt sein im Umgang damit“, sagt der Sprecher der Polizei. Selbst bei Pfefferspray, das nur zur Tierabwehr zugelassen ist, gelte das. „Wenn ich gegen den Wind sprühe, kann es schnell passieren, dass ich selbst nicht mehr sehe.“

Aber was tun, wenn man sich unsicher fühlt? Wie reagieren, wenn man in eine brenzlige Situation kommt und sich zur Wehr setzen möchte? Der Sprecher der Polizei sagt: „Wir empfehlen Geräte, die Licht oder Geräuscheffekte abgeben, um die Umgebung auf die Situation aufmerksam zu machen.“

Die Bevölkerung bewaffnet sich: Die Zahl der kleinen Waffenscheine in Deutschland steigt Medienberichten zufolge seit Jahren an. Die Neue Osnabrücker Zeitung hatte für 2021 zuletzt die Zahl von mehr als 740.000 gültigen kleinen Waffenscheinen in Deutschland recherchiert.

Wir wollten wissen: Wie sieht es im Rems-Murr-Kreis aus? Was ist mit den „großen“ Waffenscheinen und anderen waffenrechtlichen Dokumenten? Welche Rückschlüsse lässt das zu? Welche Hürden gibt es auf dem Weg zur

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