Rems-Murr-Kreis

Warnstreiks im Rems-Murr-Kreis: In der Metall-und Elektroindustrie brodelt’s

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Tarifrunden  in der Metall- und Elektroindustrie werden von Warnstreiks begleitet. So auch 2019 bei der Firma Christian Bauer in Welzheim.  Archivfoto: IG Metall

Matthias Fuchs spricht von „verteilungspolitischer Rache“, die die Arbeitgeber in der Metall- und Elektroindustrie in der aktuellen Tarifrunde planten. Der Geschäftsführer der IG Metall warnt, dass Südwestmetall die Kampfbereitschaft der Beschäftigten wohl unterschätzt, wie die Warnstreiks zeigten. Der Arbeitgeberverband kontert: „Wer in der schwersten Wirtschaftskrise für mehr Geld auf die Straße geht, streikt an der Realität völlig vorbei“, wird der Bezirksgruppenvorsitzende Dr. Michael Prochaska in einer Pressemitteilung zitiert. Starke Worte zum Beginn der Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie, in der Konflikte aufploppen, die vor einem Jahr vertagt worden waren.

Südwestmetall zeigt keinerlei Verständnis für die von der IG Metall angezettelten Warnstreiks. „Unsere Industrie und unser Land befinden sich nach wie vor in der schwersten Wirtschaftskrise der Geschichte der Bundesrepublik“, erklärte Michael Prochaska. 

Am Dienstag ist die Friedenspflicht in der Tarifrunde 2021 abgelaufen. Mehrere Tausend Beschäftigte in der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie haben unter anderem in Stuttgart zeitweise die Arbeit niedergelegt. Am Donnerstag folgten Betriebe in Ludwigsburg und am Freitag wollen auch Beschäftigte in Betrieben im Rems-Murr-Kreis die Frühschicht früher beenden, kündigt Fuchs an.

Der Gewerkschafter glaubt, dass die Arbeitgeber die Corona ausnutzen wollen, um tarifliche Errungenschaften im großen Stil zurückzudrehen. Sie hätten ihre Rechnung ohne die Beschäftigten gemacht, die sich trotz Coronapandemie und der Sorge um ihre Arbeitsplätze zu wehren wüssten.

Immer noch befinden sich Zigtausende Betriebe und Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit, nicht wenige fürchteten um ihre Existenz, heißt es in der Pressemitteilung von Südwestmetall. In den vom Lockdown direkt betroffenen Branchen würden viele Menschen gerne arbeiten, dürften es aber nicht. „Welches Signal sendet die IG Metall da aus, wenn sie ihre sehr gut bezahlten und größtenteils abgesicherten Mitglieder dazu auffordert, die Arbeit niederzulegen?“, kritisierte Prochaska: „Wir müssen in dieser schwierigen Zeit sensibel sein und den sozialen Zusammenhalt im Blick behalten.“

Die M+E-Arbeitgeber seien gerne bereit, mit der IG Metall Lösungen zu finden, die die Betriebe und die Beschäftigten dabei unterstützen, jetzt Arbeitsplätze zu sichern. „Die Betriebe heil aus der Krise herauszubekommen und sie erfolgreich durch den anstehenden Strukturwandel zu lotsen, hat dabei höchste Priorität. Denn nur dann werden sie in der Zukunft überhaupt Arbeitsplätze bieten können. Das aber kann man nicht erstreiken, diese Lösungen findet man nur am Verhandlungstisch“, so Prochaska. Die Metallerlöhne in Baden-Württemberg lägen mit 65 000 Euro pro Jahr rund 5000 Euro über dem M+E-Bundesdurchschnitt, sie zählten zu den höchsten weltweit: „Für unsere Firmen ist das eine besondere Herausforderung. Da kann die Antwort doch nicht lauten: Wir machen Arbeit jetzt noch teurer.“

Es sei zwar erfreulich, dass es in einigen Bereichen der Industrie wieder teils kräftig bergauf gehe - trotz weiterhin erheblicher Unsicherheiten angesichts des Pandemiegeschehens, so Südwestmetall. Das Statistische Bundesamt hat kürzlich gemeldet, dass die deutsche Industrie nach dem Lockdown-Schock im Frühjahr 2020 im Jahresverlauf eine Aufholjagd hingelegt hat. Der Industrieverband BDI kommentierte die Statistik so: „Die Unternehmen schauen wieder optimistischer in die Zukunft.“ Die deutsche Wirtschaft zeige sich trotz Lockdown robust, erklärte der Wirtschaftsforscher Clemens Fuest, „vor allem wegen der starken Industriekonjunktur“.

Aus Sicht von Südwestmetall handelt es sich bloß um ein Nachholen. „Selbst bei optimalem Verlauf stehen wir am Jahresende noch längst nicht wieder dort, wo wir vor der Krise schon einmal waren. Erst dann aber sehen wir die Möglichkeit für Lohnerhöhungen“, sagte der Bezirksgruppenvorsitzende Dr. Michael Prochaska. Realität sei auch, dass im Corona-Jahr 2020 mehr als ein Drittel der M+E-Firmen Verluste gemacht habe, ein weiteres Viertel nur eine magere Rendite von weniger als zwei Prozent: „Der großen Mehrheit der Betriebe geht es also nicht gut. Sie müssen der Maßstab sein. Für sie brauchen wir Kostenentlastung statt weiterer Belastungen.“

Der IG Metall hielt Prochaska vor, zwar ständig über Strukturwandel und Transformation zu reden, daraus aber nicht die notwendigen tarifpolitischen Schlüsse zu ziehen. Als Beispiel nannte er den Umstieg auf Elektromobilität in der Automobilindustrie: „Da tauchen ganz neue Wettbewerber auf, die weder deutsche Tariflöhne bezahlen noch vor der Herkulesaufgabe stehen, im künftig rückläufigen Verbrennergeschäft, dass uns alle bisher gut genährt hat, Beschäftigung zu sichern. Das ist ein sehr ungleicher Wettbewerb, und die aktuelle Krise hat uns dabei noch zurückgeworfen.“

Der Gewerkschafter Matthias Fuchs weist diesen Vorwurf zurück. Die IG Metall habe schon in der Tarifrunde 2019 über die Strukturkrise und ihre Folgen reden wollen. Doch die Arbeitgeber blockten ab. Bei der Forderung von vier Prozent in der aktuellen Tarifrunde handele es sich um ein Entgelt-Volumen, das zur Stabilisierung der Einkommen und zur Sicherung von Beschäftigung eingesetzt werden solle. Es geht nicht um vier Prozent mehr in jeden Geldbeutel. Vor dem Hintergrund des drohenden Abbaus von Arbeitsplätzen vor allem in der Automobilindustrie und ihrer Zulieferer müsse jetzt auch wieder das Thema Arbeitszeitverkürzung auf die Tagesordnung kommen.

Matthias Fuchs spricht von „verteilungspolitischer Rache“, die die Arbeitgeber in der Metall- und Elektroindustrie in der aktuellen Tarifrunde planten. Der Geschäftsführer der IG Metall warnt, dass Südwestmetall die Kampfbereitschaft der Beschäftigten wohl unterschätzt, wie die Warnstreiks zeigten. Der Arbeitgeberverband kontert: „Wer in der schwersten Wirtschaftskrise für mehr Geld auf die Straße geht, streikt an der Realität völlig vorbei“, wird der Bezirksgruppenvorsitzende Dr. Michael

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