Rems-Murr-Kreis

Warum die Winterbacherin Madeleine Krenzlin ihr Herz an Tiny Houses verloren hat

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Madeleine Krenzlins Mini-Haus steht in Rheinland-Pfalz. © IndiViva / Madeleine Krenzlin

17 Quadratmeter reichen ihr. Wenig Raum, aber viel Freiheit bietet das Mini-Haus, welches die Winterbacherin Madeleine Krenzlin in Eigenregie gebaut hat. Das Häuschen steht mittlerweile auf einem Wochenendhausgrundstück in Rheinland-Pfalz, und auf Wunsch berät die 37-Jährige auch dort ihre Kunden. Zu ihr kommt, wer sich verknallt hat in die Tiny-House-Idee. Dahinter steckt ein Lebensgefühl, letztlich nichts weniger als die „Suche nach Glück“, wie Madeleine Krenzlin sagt. Ein Leben auf wenigen Quadratmetern setzt Entrümpelung voraus, innen wie außen.

Für unnötigen Kram fehlt der Unternehmerin der Platz, weshalb sie nichts kauft, was sie nicht braucht. Ihre Wohnkosten sind um zwei Drittel geschrumpft, was ihr den nötigen Freiraum für ein Wagnis verschafft hat: Vor drei Jahren hat sich die Winterbacherin selbstständig gemacht, ihr Unternehmen „IndiViva“ gegründet und damit umgesetzt, was sie tun möchte im Leben: Menschen beraten, die ein Mini-Haus selbst bauen oder in einem solchen leben wollen. Zu Beginn gleicht die Beratung nicht selten einem Coaching: Was will ich wirklich im Leben, was ist mir wirklich wichtig? Warum erscheint mir ein Leben auf so kleinem Raum derart verlockend, und welche Ziele verbinde ich damit? Passt diese Wohnform wirklich zu mir?

Die größte Hürde ist die Suche nach einem Standort

Geduld und Durchhaltevermögen sind vonnöten lange vor den Entscheidungen für oder gegen Trockentrenntoilette oder Infrarotheizung. Die Suche nach einem Standort fürs Mini-Haus bleibt die erste und größte Hürde fürs Projekt. Ein Grundstück in der Region Stuttgart kostet ein Vermögen, und Tiny-House-Freunde wollen sich in der Regel keinen Kredit aufhalsen, den sie über Jahrzehnte hinweg abzahlen müssen. „Mit weniger Druck leben“, darum geht’s, sagt Madeleine Krenzlin – und formuliert eine Vision: Besitzer von Baugrundstücken könnten ihren Grund und Boden für begrenzte Zeit vermieten. Man einigt sich über die Modalitäten der Erschließung, der Mieter setzt sein transportables Mini-Haus aufs Grundstück – und macht sich nach zehn, 15 Jahren mitsamt Haus vom Acker, sofern gewünscht.

Die Stadt Schorndorf führt bereits eine Interessentenliste für Menschen, die mit dem Abschluss eines befristeten Pachtvertrags für ein Grundstück liebäugeln, um dort ein Mini-Haus zu bauen. Der Gemeinderat hat sein Okay gegeben, doch bis das Projekt Gestalt annimmt, wird noch vieles zu klären sein. Hunderte Interessenten sind dennoch bereits auf den Zug aufgesprungen, berichtet Krenzlin. In Tübingen hat man gar bereits Eigentümer von Baulücken aktiv angeschrieben und ihnen vorgeschlagen, Grundstücke zeitlich befristet an Mini-Haus-Bauer zu verpachten.

Baugenehmigungsfähiges Mini-Haus ab 100 000 Euro

Für Madeleine Krenzlin hat diese Idee mit „Demokratisierung“ zu tun, weil mehr Menschen in den eigenen vier Wänden wohnen könnten. Ein baugenehmigungsfähiges Mini-Haus ist bereits ab 100 000 Euro zu haben. Eine lange Liste von Anforderungen ist zu erfüllen, damit ein Häuschen den Stempel „baugenehmigungsfähig“ erhält und somit legal auf einem Baugrundstück stehen kann. Die Dämmung muss stimmen, ein Brandschutznachweis ist nötig – und, und, und.

Per kleinerem Anhänger transportierbare Mini-Häuschen mit maximal 3,5 Tonnen Gewicht erfüllen die Anforderungen nicht, erklärt Madeleine Krenzlin – weshalb auf Platz zwei ihrer Wunschliste Kooperationen von Kommunen mit Campingplatzbetreibern stehen. Sofern eine Gemeinde beispielsweise auf einem Teil eines Campingplatzes offiziell das Wohnen in Kleinsthäusern erlaubt, böte sich eine weitere Alternative für die Standortsuche.

Weist eine Kommune neue Baugebiete aus, könnte sie einige kleine Parzellen für Mini-Haus-Interessenten bereitstellen. Oder aber, und jetzt wagt sich die Unternehmerin ans Eingemachte – man ändert gleich das Baugesetz. Die Winterbacherin sieht nicht ein, weshalb die Energieeinsparverordnung unabhängig von der Größe eines Hauses immer gilt. Schon die Produktion eines Mini-Hauses schlucke im Vergleich zu herkömmlicher Bauweise viel weniger Energie.

Einfacher und bewusster leben

Auf 17 oder 20 oder 30 Quadratmetern Wohnfläche verbraucht der Mensch zudem weniger Energie als im Einfamilienhaus mit großem Garten. Zudem „verändere ich meinen Konsum automatisch, wenn ich Vollzeit im Tiny House lebe“, sagt Madeleine Krenzlin: „Die Reduktion auf das Wesentliche, das ist es im Kern. Ich lebe freier, weil ich einfacher lebe, bewusster.“

Sieben Jahre lang war die Diplom-Kulturwirtin und Energiemanagerin als Angestellte im Erneuerbare-Energien-Sektor tätig. „Ich habe tief in mich reingehört“, sagt sie, und die Entscheidung für den Schritt in die Selbstständigkeit fiel nicht leicht. Es galt, Durststrecken zu überwinden, mit viel weniger Geld auszukommen. Mittlerweile beschäftigt die Unternehmerin zwei fest angestellte und drei freie Mitarbeiter. Im Schornbacher Büro ist Krenzlin unterdessen nur eine Woche pro Monat anzutreffen. Sie reist zu Vorträgen und Workshops, berät Kunden in ihrem Tiny House in Rheinland-Pfalz, hält die Kontakte zu den Partner-Haus-Herstellern, hilft hier und da und dort beim Verwirklichen von Träumen – und genießt ihre Freiheit, „mein Leben so zu gestalten, wie ich wirklich möchte“.

17 Quadratmeter reichen ihr. Wenig Raum, aber viel Freiheit bietet das Mini-Haus, welches die Winterbacherin Madeleine Krenzlin in Eigenregie gebaut hat. Das Häuschen steht mittlerweile auf einem Wochenendhausgrundstück in Rheinland-Pfalz, und auf Wunsch berät die 37-Jährige auch dort ihre Kunden. Zu ihr kommt, wer sich verknallt hat in die Tiny-House-Idee. Dahinter steckt ein Lebensgefühl, letztlich nichts weniger als die „Suche nach Glück“, wie Madeleine Krenzlin sagt. Ein Leben auf

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