Rems-Murr-Kreis

Warum fingen die Lithium-Ionen-Batterien bei AMG in Affalterbach Feuer?

Brand in der Entwicklungswerkstatt von AMG, Affalterbach, 02.11.2021.
Batterie-Brand bei AMG in Affalterbach (Kreis Ludwigsburg): Gerade bei der Batterie-Entwicklung sei das Brandrisiko erhöht, erläutert ein Waiblinger Brandschutz-Experte in unserem Artikel. © Benjamin Beytekin

Zwei Lithium-Ionen-Batterien haben am Dienstagmittag (kurz nach 12 Uhr) auf dem Werksgelände der Mercedes-AMG GmbH in Affalterbach Feuer gefangen und einen Großeinsatz mehrerer Feuerwehren ausgelöst. „Noch sind nicht alle Details klar, es handelt sich aber sehr wahrscheinlich um Entwicklungsbatterien, die im Testbetrieb in Brand geraten sind“, sagte Jochen Übler, Manager Mercedes-AMG globale Kommunikation, gegen 14.45 Uhr. „Die Feuerwehr ist immer noch im Einsatz und überwacht die Abkühlung der Batterien im gefluteten Kühlcontainer.“ Zum Glück sei niemand verletzt worden, der entsprechende Werkshallenbereich sei gesperrt, so Übler.

Aufgrund der Rauchentwicklung hatte die Feuerwehr über die Nina-Warnapp eine Warnmeldung für Anwohner in Affalterbach herausgegeben, Fenster und Türen vorsichtshalber geschlossen zu lassen. „Rauchgasmessungen haben jedoch schnell ergeben, dass zu keinem Zeitpunkt Gefahr für die Bevölkerung bestand“, so Übler. Das bestätigte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Ludwigsburg. Schadstoff-Messungen wurden fortgeführt, die Warnmeldung schließlich aber gegen 14.30 Uhr aufgehoben.

Laut Polizeibericht von 15.43 Uhr waren rund 80 Feuerwehrleute im Einsatz. Mutmaßlich aufgrund eines technischen Defekts sei zunächst eine Lithium-Ionen-Batterie in Brand geraten, die in der Folge eine weitere Batterie in Mitleidenschaft gezogen habe. Beide Batterien seien in werkseigene Kühlbehälter bugsiert und danach im Freien in Absetz-Kühlcontainer der Feuerwehr umgeladen worden. Der beim Brand entstandene Sachschaden beläuft sich nach ersten Schätzungen auf etwa 90.000 Euro, so die Polizei.

Lithium-Ionen-Batterie-Brände werden nun mit der fortschreitenden E-Mobilisierung zunehmen, damit rechnet der Waiblinger Brandschutzexperte und Aerosol-Löschsystem-Verkäufer Niki Traxel. „Lithium-Ionen-Batterien haben eine hohe Energiedichte und einen sehr filigranen Aufbau“, so Traxel. „Bei einem Unfall oder einer zu großen thermischen Beanspruchung, die kritische Temperatur beginnt schon ab 80 Grad, kann es schnell zu Verletzungen der Schalenstrukturen und schließlich zu Kurzschlüssen und Bränden kommen.“ Dann träten Gase aus, die sehr, sehr heiß verbrennen und durch wegen chemischer Prozesse sogar noch entstehenden Sauerstoffs zusätzlich genährt würden. „So wird eine Zellenstruktur nach der anderen angegriffen und entflammt. Ein Dominoeffekt.“

Gerade bei der Batterieentwicklung sei das Brandrisiko erhöht, sagte Traxel. „Da wird ja zum Teil bis zum Äußersten gegangen, um die Batterien zu testen“ – was ja aber in gewissem Maße auch notwendig sei und den Entwicklern nicht grundsätzlich anzukreiden. 

Der Dominoeffekt bei Feuer in Lithium-Batterien könne immer wieder neu entstehen. Um dies zu unterbinden, setze die Feuerwehr auf „ozeanisches Löschen“. Aus diesem Grunde seien wassergefüllte Havariebecken und Kühlcontainer wie bei der AMG eine sehr gute Lösung zum Löschen und zur dauerhaften Abkühlung. „Die chemischen Prozesse in der Batterie setzen sich aber auch unter Wasser noch eine Weile fort. Die Feuerwehr wird also mindestens noch bis in den späten Nachmittag hinein im Einsatz bleiben und überwachen müssen“, prognostizierte Traxel. Und er behielt mit dieser Prognose recht.

Zwei Lithium-Ionen-Batterien haben am Dienstagmittag (kurz nach 12 Uhr) auf dem Werksgelände der Mercedes-AMG GmbH in Affalterbach Feuer gefangen und einen Großeinsatz mehrerer Feuerwehren ausgelöst. „Noch sind nicht alle Details klar, es handelt sich aber sehr wahrscheinlich um Entwicklungsbatterien, die im Testbetrieb in Brand geraten sind“, sagte Jochen Übler, Manager Mercedes-AMG globale Kommunikation, gegen 14.45 Uhr. „Die Feuerwehr ist immer noch im Einsatz und überwacht die Abkühlung

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper