Rems-Murr-Kreis

Warum sich die Rundsporthalle als Corona-Impfzentrum eignet, der Betrieb aber teuer werden wird

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Die Waiblinger Rundsporthalle aus der Vogelperspektive. Landrat Richard Sigel ist etwas enttäuscht, dass der Rems-Murr-Kreis nur ein Kreis-Impfzentrum bekommt. Die Rundsporthalle eigne sich gleichwohl hervorragend als Standort. Oberbürgermeister Andreas Hesky freut sich über den "Zuschlag" für Waiblingen und will den Vereinen und den Schulen Ersatzörtlichkeiten für ihre Sportaktivitäten anbieten. © Gabriel Habermann

„Wir sind froh, dass wir jetzt mit den Zuschlag für die Rundsporthalle Waiblingen die Gewissheit haben, wo wir ein Kreis-Impfzentrum (KIZ) aufbauen dürfen“, sagte Landrat Dr. Richard Sigel. „Es war eine Forderung des Landkreistages gewesen, dass bis 1. Dezember seitens des Landes-Sozialministeriums eine Entscheidung fällt, damit wir auch alle Vorbereitungen für die anvisierte Eröffnung zum Stichtag 15. Januar rechtzeitig anstoßen können.“

Sigel verhehlte gleichwohl nicht, dass sich die kommunale Familie des Flächenkreises Rems-Murr mehr als ein Impfzentrum gewünscht hätte, um von Anfang an flächendeckender agieren zu können.

So hatte man ursprünglich die Turnhallen der Berufschulzentren Waiblingen und Backnang als Standorte vorgeschlagen. Mit der Halle des Berufsschulzentrums Schorndorf auf der Merkliste hatte man drei kreiseigene Liegenschaften im Köcher. Positive Signale vom Ministerium kamen jedoch offenbar nicht zurück. Waiblingen und Fellbach reichten auch deshalb in Absprache mit dem Kreis Anfang der Woche noch Bewerbungen nach für die Rundsporthalle und die Alte Kelter. Als sich darüber hinaus am Wochenende angedeutet hatte, dass womöglich nur ein Kreisimpfzentrum entstehen könne, brachte der Landrat des Ostalbkreises ein zusätzliches kreisübergreifendes Impfzentrum zusammen mit dem Rems-Murr-Kreis ins Spiel, ohne aber eine konkrete Örtlichkeit zu benennen.

Warum sich die Rundsporthalle „hervorragend eignet“

Nun bekommen sowohl Rems-Murr-Kreis als auch Ostalbkreis nur je ein eigenes KIZ: die Rundsporthalle Waiblingen und die Ulrich-Pfeifle-Halle in Aalen. „Letztlich haben nach Entscheidung des Landessozialministeriums nur die sechs bevölkerungsstärksten Kreise zwei Impfzentren bekommen, der Rems-Murr-Kreis lag offenbar knapp darunter“, sagt Sigel. Zwei KIZ bekommen die Landkreise Ludwigsburg, Karlsruhe und Esslingen, der Rhein-Neckar-Kreis, der Ortenaukreis und der Stadtkreis Stuttgart ().

„Wie die Auswahl letztlich getroffen wurde, erschließt sich uns nicht“, sagt Sigel. Die Rundsporthalle in Waiblingen sei jedoch natürlich ein ideal geeigneter Standort mit großem Parkplatz. Die Halle verfüge zudem über die notwendige Anzahl an barrierefreien und segmentierbaren Räumlichkeiten und separaten Ein- und Ausgängen. Die Zugänglichkeit für eventuelle Notarzteinsätze sei gegeben, offene Rettungswege gebe es dort allenthalben. Außen herum sei ausreichend Platz vorhanden, um überdachbare Wartebereiche einzurichten. Auch die Anbindung an den Verkehr sei perfekt (B14/B29 und ÖPNV mit eigener Bus-Haltestelle) sei geradezu perfekt. Und Waiblingen an sich liege zentral im bevölkerungsreichsten Teil des Kreises, dem unteren Remstal.

„Wir legen mit den Vorbereitungen jetzt los. Wir Landkreise sind sehr umsetzungsstark. Das haben wir beispielsweise beim Aufbau der Corona-Testzentren gezeigt, die wir innerhalb kürzester Zeit auf die Beine gestellt haben“, sagt Sigel. Gespräche mit der Ärzteschaft, dem Kreisbrandmeister und der Feuerwehr, dem DRK und den Maltesern laufen. „Es gibt erfahrene Messe-Bauer, die schnell bei der Einrichtung des Impfzentrums helfen können. Die haben fertige Konzepte. Da gibt es ja auch schon Blaupausen, zum Beispiel durch das bereits eingerichtete Zentrale Impfzentrum in Ulm“, so Sigel.

„Nun kommt es im zweiten Schritt darauf an, dass vom Land Klarheit darüber geschaffen wird, wer Betreiber des Impfzentrums sein wird, die Kosten übernimmt und das Personal stellt. Ein eindeutiger Management-Vertrag des Landes für die Impfzentren liegt noch nicht vor“, sagt Sigel.


Allein Absichtserklärungen, die Kostenübernahme sei gesichert, gibt es. Markus Jox vom Landes-Sozialministerium bestätigt: „Der Bund bezahlt die Impfstoffe, das Land die Impfungen.“ Jedoch werde nach einem Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz eine hälftige Finanzierung aus Mitteln der Krankenkassen angestrebt.

Zur Finanzierung muss das Land Risiko-Rücklagen anzapfen

Aus Landtagskreisen ist zu vernehmen, dass Gesundheitsminister Manfred Lucha bereits am Dienstag detaillierte Kostenvoranschläge und Pläne zum Aufbau der Kreisimpfzentren (KIZ) als Kabinettsvorlage eingebracht habe. Danach könnten sich die monatlichen Personalkosten pro KIZ auf über 800 000 Euro belaufen. Nicht nur das medizinische Fachpersonal (Ärzte, Sanitäter, Laboranten), sondern auch Kommunikatoren, Registrierer, Dolmetscher, ja Reinigungskräfte wollen bezahlt werden. Hinzukämen die monatlichen Mietkosten von 40- bis 50 000 Euro je KIZ und verschiedenste einmalige Ausstattungskosten von mehreren 10 000 Euro sowie Materialkosten. Für den Zeitraum 15. Januar bis 30. Juni könnten sich die Gesamtkosten für alle rund 50 KIZ in Baden-Württemberg auf über 250 Millionen Euro belaufen. Hier sind die Kosten für Zentrale Impfzentren (ZIZ) nicht eingerechnet. Die Landesregierung wird wohl Mittel der „Rücklage für Haushaltsrisiken“ abrufen müssen, heißt es.

„Es wird auch darauf ankommen, welche Impfstoffe wann genehmigt, in welcher Menge vom Bund eingekauft und über das Land und die Impfzentren verteilt werden können“, sagt Landrat Richard Sigel. Es gebe Licht am Ende des Tunnels der Pandemie, aber dieses Licht sei noch ein ganzes Stück weit entfernt.

Waiblinger OB: „Wenn wir gebraucht werden, helfen wir“

„Dem Berufsschulzentrum mit seiner Nähe zum Bahnhof hätte ich als Kreisimpfzentrum auch etwas abgewinnen können. Aber die Rundsporthalle ist ein perfekter Standort“, sagt der Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky. Hauptsache sei, dass es jetzt bald mit den Corona-Impfungen losgehen könne und ein Standort für alle Rems-Murr-Kreis-Bürger, die sich impfen lassen möchten, feststehe. Die Stadtfamilie stehe bereit, wenn bei der Einrichtung und beim Betrieb Hilfe benötigt werde, etwa durch den Ordnungsdienst oder die Feuerwehr. „Wenn wir gebraucht werden, helfen wir.“ Die Nutzer der Halle, die Vereine, die Schulen, die Handballerinnen, der VfL seien informiert. „Wir stehen ihnen zur Seite, um, Ersatzörtlichkeiten für den Sport zu finden, in den Hallen des Berufschulzentrums und dem Staufer- sowie Salierschulzentrum.“

Fellbacher OB: „Es kann losgehen – für alle eine gute Nachricht“

Fellbach hatte die Alter Kelter als Standort für ein Impfzentrum vorgeschlagen. Oberbürgermeisterin Gabriele Zull zeigte sich jedoch nicht im Geringsten enttäuscht, dass „nur“ Waiblingen den Zuschlag bekommen hat: „Wir freuen uns, dass geeignete Räumlichkeiten für ein Impfzentrum zur Verfügung stehen. Bei dem Auswahlprozess geht es nicht um persönliche oder lokale Befindlichkeiten, sondern um die Bereitstellung geeigneter Gebäude, damit die Impfungen möglichst ohne zeitlichen Verzug beginnen können.“ – „Jetzt kann es losgehen – für alle eine gute Nachricht“, so Zull.

FDP-Abgeordneter Haußmann: Und die Sperrung von Waiblingen-Mitte?

Für Jochen Haußmann, den FDP-Landtagsabgeordneten aus Kernen, ist die Rundsporthalle in Waiblingen als Impfzentrum eine gute Wahl. „Hilfreich wäre es, wenn die Vollsperrung der B14-Zu- und Abfahrt Waiblingen-Mitte bis zur Inbetriebnahme des Impfzentrums wieder aufgehoben ist.“

Leider biete weder der Ostalbkreis noch der Landkreis Schwäbisch Hall eine leicht erreichbare Ausweichmöglichkeit für Menschen in den Räumen Backnang oder Welzheim/Schorndorf an: „Ein zusätzliches gemeinsames Impfzentrum in Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis) wäre für mich naheliegend gewesen, wenn ich mir die Entfernungen so anschaue“, so Haußmann.

„Wir sind froh, dass wir jetzt mit den Zuschlag für die Rundsporthalle Waiblingen die Gewissheit haben, wo wir ein Kreis-Impfzentrum (KIZ) aufbauen dürfen“, sagte Landrat Dr. Richard Sigel. „Es war eine Forderung des Landkreistages gewesen, dass bis 1. Dezember seitens des Landes-Sozialministeriums eine Entscheidung fällt, damit wir auch alle Vorbereitungen für die anvisierte Eröffnung zum Stichtag 15. Januar rechtzeitig anstoßen können.“

Sigel verhehlte gleichwohl nicht, dass sich

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