Rems-Murr-Kreis

Was für eine Party: 130 Jugendfeuerwehrleute aus dem Rems-Murr-Kreis auf der Alb

Wasserschlacht Zeltlager Jugendfeuerwehr
Bei diesem tollen Freizeitwetter konnte eine Wasserschlacht nicht ausbleiben – bei der Jugendfeuerwehr sind ja alle mit dem Wasser vertraut. © Büttner

Sie haben ihre Matratze gegen Feldbett und Isomatte eingetauscht, wurden vom schrillen Ton einer Kurbelsirene geweckt, wurden Zeugen von „Käferpartys“ und konnten sich fast wie „Gladiatoren“ fühlen. 130 Jugendfeuerwehrleute und 60 Betreuer haben den großen Wiesenplatz oberhalb von Deggingen auf der Alb in eine kleine Zeltstadt verwandelt.

Lauter Jugendfeuerwehren: „Viele neue Leute kennenlernen“

„Ich find’s toll, dass wir viele neue Leute kennenlernen“, sagt der 15-jährige Leo von der Feuerwehr Backnang. Auch der 14-jährige Ivo ist begeistert: „Wir können viele Sachen machen, die man nicht alle Tage hat.“ Das verlängerte Wochenende an Fronleichnam 2022 werden sie wie auch ihre 60 Betreuer sicher lang in Erinnerung behalten. Ein großartiger Platz. „Es ist wie im Urlaub“, ruft der 12-jährige Jonah, der gerade mit seinen Feuerwehrkumpels vom Mittagessen kommt und eine Runde „chillt“.

Eine Gruppe erfrischt sich am Hitzetag im „Pool“, gekühlte Getränkeflaschen zischen. Ein Junge übt auf der Slackline. Ein paar Jugendliche kicken auf der Wiese. Sie verlieren sich beinahe auf der großen Fläche, die vier Tage lang allen gehört: Jugendfeuerwehrleuten aus zwölf Feuerwehren der kreisweit 30 Jugendfeuerwehren, die aus dem ganzen Rems-Murr-Kreis angereist sind. Sie haben vier Tage lang keinen Feuerwehrschlauch in der Hand, müssen nichts löschen, keinen Hydranten anschließen, und ihre Uniform haben sie nur dabei, um sich zur Not aufzuwärmen. Statt Feuerwehrübungsroutine „entbrennt“ eine Begeisterung für die Gaudi-Olympiade, bei der sich verschiedene Teams an Stationen im Knobeln, Spielen und bei Geschicklichkeitsübungen messen dürfen.

Unvergessen auch die Nachtwanderung, bei der sie schön-schaurig erschreckt wurden von merkwürdigem Kettengerassel und Wasserbomben – die Betreuer haben die Strecke „präpariert“ und ein bisschen Geisterbahn gespielt, sagt Paul Fischer, der Ansprechpartner für alles und jeden. Und selbst die archaisch anmutende Sirene, die jeden Morgen um 6 Uhr von Hand gekurbelt zum „Morgenappell“ weckt, haben sie ins Herz geschlossen, auch wenn der schrille Weckton natürlich meistens viel zu früh kam ... Und dazu auch noch in Verbindung mit dem traditionellen Zeltlagerlied „Guten Morgen, Sonnenschein“ in quasi Endlosschleife, so lange, bis sich auch der letzte Langschläfer leicht genervt aus dem Faullager aufgerafft hatte.

Frühstück frisch zubereitet, dann Morgengymnastik

Was sie hier nach täglicher Morgengymnastik und frisch zubereitetem Frühstück erleben, tut gut nach zwei kontaktarmen Jahren. „Sie freuen sich extrem, dass sie wieder rauskommen und miteinander etwas machen und erleben können“, sagt Kreisjugendwart Frank Luckenbach. Es gehe um den Umgang miteinander, um Austausch und Ideenweitergabe. „Obwohl sie Gleichgesinnte sind, lernen sich viele erst hier kennen und hören, was die Nachbarwehr vielleicht anders macht und was man übernehmen könnte“, nennt Betreuer Paul Fischer einen Grund für die Veranstaltung. Der heute 26-Jährige war beim letzten Zeltlager 2009 selbst noch Jugendfeuerwehrler, also einer von jenen, die er heute betreut. Um, wie er sagt, seine positive Erfahrung an den Nachwuchs weiterzugeben: „Ich find’s cool, die Gemeinschaft und dass man sich mit anderen austauschen kann.“ Viele gehen jahrelang auf dieselbe Schule, kennen sich aus der Parallelklasse, wissen aber nicht, dass sie demselben Hobby nachgehen.

Das Schmuckstück des Zeltplatzes: Ein selbst gebauter Pool

Ein 18-köpfiges Betreuerteam traf sich bereits am Vortag, um die Infrastruktur zu planen und Vorbereitungen zu treffen. Ein siebenköpfiges Küchenteam hängt sich rein, um die hungrigen Mägen regelmäßig zu füllen. Nichts aus der Dose, keine Päckle-Kost. „Alleine fürs Müsli und Nachtisch wurden mal kurz 15 Kilogramm Erdbeeren geputzt“, sagt Paul Fischer. Sehr gefreut hätten sie sich über eine großzügige Spende an selbst erzeugtem frischem Obst und Gemüse eines Landwirts aus dem Rems-Murr-Kreis.

Bei der Organisation sei ihnen wichtig gewesen, etwas außer der Reihe zu bieten für den Aufenthalt im vorübergehenden Open-Air-Zuhause. Das fängt schon mit der Lage weit ab vom Schuss an - statt Handynetz gibt’s hier oben auf der Ostalb Volleyballnetze. Handydaddeln wird aber auch nicht wirklich vermisst. Viel cooler ist es, angelehnt an die Ninja Warriors, durch den mehr als 20 Meter langen Geschicklichkeitsparcours zu stürmen und einen „Gladiatorenrun“ hinzulegen. Schmuckstück des Zeltplatzes ist der „Pool“: Ein zur Badewanne umfunktionierter Anhänger, ausgelegt mit Teichfolie - bei den Hitzetagen eine willkommene Erfrischung.

Für manchen „Schuft“ gibt’s auch ein unfreiwilliges Bad - zum Beispiel, wenn wieder mal ein Wimpel von der Nachbarfeuerwehr gemopst wurde. „Sie haben die Aufgabe, ihn diebstahlsicher am Lager zu befestigen, da lassen sie sich von Dachlatten über Schnüre bis Klebeband einiges einfallen“, sagt Paul Fischer. „Es ist wichtig, dass der Zusammenhalt gefördert wird, darum lassen wir die Jugendlichen hier auch vieles selbst regeln.“

Es galt zunächst, zusammen mit den Betreuern die Zelte aufzubauen und die Schlafplätze einzurichten. Auch müssen sie immer das Lagerfeuer im Auge behalten, es darf vier Tage lang nicht ausgehen. So mancher weiß nachts, was er am Feuer hat, an dem abends gegrillt wird. „Heute Nacht war’s arschkalt, dann habe ich mich einfach am Feuer aufgewärmt“, sagt der elfjährige Jan von der Feuerwehr Welzheim.

Käferparty im Zelt: Erfahrungen mit Krabbeltierchen

Zu den Erfahrungen des Zeltlagers gehört auch manche Begegnung mit Krabbeltierchen. „Wir hatten schon eine richtige Käferparty im Zelt“, berichtet der zehnjährige Linus. Tagsüber enden bei Hochsommertemperaturen die meisten Aktivitäten bei einer fröhlichen Wasserschlacht. Frischwasser für den „Pool“ liefert die Feuerwehr selbst. Nach Absprache mit der Feuerwehr Deggingen konnte über einen nahe gelegenen Hydranten im Wald immer wieder für Nachschub gesorgt werden.

Sie haben ihre Matratze gegen Feldbett und Isomatte eingetauscht, wurden vom schrillen Ton einer Kurbelsirene geweckt, wurden Zeugen von „Käferpartys“ und konnten sich fast wie „Gladiatoren“ fühlen. 130 Jugendfeuerwehrleute und 60 Betreuer haben den großen Wiesenplatz oberhalb von Deggingen auf der Alb in eine kleine Zeltstadt verwandelt.

Lauter Jugendfeuerwehren: „Viele neue Leute kennenlernen“

„Ich find’s toll, dass wir viele neue Leute kennenlernen“, sagt der 15-jährige

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