Rems-Murr-Kreis

Was Leute alles in der Bahn vergessen: Lebenswichtige Tabletten, Goldfische...

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Zählt zu den Klassikern unter den Gegenständen, die in Bussen und Bahnen liegenbleiben: der Schlüsselbund. © pixabay

Im Zug hat einmal jemand eine Geige vergessen. Eine Stradivari. Wert: 2,4 Millionen Euro. Dieses Fundstück war laut Deutscher Bahn das „hochwertigste“, das Bahnbeschäftigte je in oder unter Sitzen, auf Gepäckablagen oder in Zugtoiletten eingesammelt haben. Rund 60.000 Koffer, Taschen und Rucksäcke, ferner
50.000 Handys und über den Daumen 16.000 Schlüssel bleiben jedes Jahr in Zügen liegen, heißt es in einer Mitteilung der Bahn, und weiter: „Es gibt weit mehr ehrliche Finder, als man denkt“, weshalb vergessliche Reisende niemals zu schnell aufgeben sollten. Rund 60 Prozent der Fundsachen gelangen zum Besitzer oder zur Besitzerin zurück, „in hochwertigen Warengruppen wie Notebooks sogar bis zu 90 Prozent“.

Ihre Handtasche inklusive Geld und EC-Karte erhielt dieser Tage eine 84-jährige Frau aus Stetten zurück: Fahrgäste im Bus, in welchem die Frau ihre Tasche versehentlich hatte liegenlassen, hätten sich einfach bedienen können – haben sie aber nicht.

"Relativ oft" verlieren Leute lebenswichtige Medikamente

Natürlich hat die Deutsche Bahn weit mehr Erstaunliches zu berichten zum Thema Fundsachen als ein lokales Busunternehmen, beispielsweise das: „Lebenswichtige Medikamente und Medizintechnik wie Beatmungsgeräte werden relativ oft verloren.“ Warum vor einiger Zeit ein Brautkleid im Zug liegengeblieben und nie abgeholt worden ist, weiß kein Mensch. Ein tröstliches Ende fand die Geschichte von einem Goldfischpärchen, das in einer Plastiktüte mit Wasser schwimmend im Zug zurückgeblieben war. Eine Beschäftigte des betreffenden Fundbüros taufte die beiden auf die Namen „Lost“ und „Found“ – und quartierte sie in eine Salatschüssel um. Sofern die Goldfische nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute, und zwar in einem Botanischen Garten, wohin die Feuerwehr das verlorene Paar gebracht hatte.

Jeden Tag bleiben laut Bahn rund 700 Dinge in Zügen liegen. Der Klassiker: Mobiltelefone. Gebisse sind hin und wieder auch dabei. Den Brief eines italienischen Soldaten, den er im Zweiten Weltkrieg anlässlich des Muttertags verschickt hatte, holte niemals jemand ab. Das Schriftstück befindet sich mittlerweile im DB Museum.

Die Bahn betreibt ein regelrechtes Fundsachenmanagement, anders lassen sich die Folgen der Vergesslichkeit gar nicht bewältigen. Fundstücke bewahrt man zunächst dort auf, wo der entsprechende Zug endet. Mitarbeitende versuchen laut Bahn zunächst, den Besitzer/die Besitzerin ausfindig zu machen und zu kontaktieren. Gelingt das nicht innerhalb von einer Woche, landet das Fundstück im zentralen Fundbüro der Bahn in Wuppertal. Dort lagert auf 1300 Quadratmetern alles Mögliche. Bis zu 90 Tage lang bleiben Taschen und Ähnliches in diesen Räumen liegen. Auf Wunsch verschickt die Bahn die Sachen an die Besitzer, bei Bedarf auch ins Ausland. Verderbliches entsorgen die Beschäftigten, um Gefährliches kümmert sich die Bundespolizei: Waffen oder Rauschgift findet das Zugpersonal hin und wieder auch.

Nach Fristablauf: Versteigerung

Verlorenes behandelt die Bahn nach Ablauf aller Fristen als „Härtefall“, das heißt: Ab in die Versteigerung. Ob die Tasche als Einzelstück oder mit ähnlichen Fundstücken zu einem Paket geschnürt wird und dann erst unter den Hammer kommt, entscheidet der Auktionator oder die Auktionatorin. Selbst Motto-Koffer wurden schon für Versteigerungen zusammengestellt, zum Beispiel ein Kostümpaket passend zur Karnevalssaison oder ein Urlaubskoffer mit Sommermode vor dem Ferienstart. Hochwertige Einzelstücke oder große Gegenstände kommen separat unter den Hammer.

Wird die Reisetasche erfolgreich versteigert, bewahrt das Fundbüro den Erlös drei Jahre lang auf für den Fall, dass sich doch noch jemand als Eigentümer/-in zu erkennen gibt. Erst nach Ablauf dieser Wartezeit behält die Bahn das Geld für sich – und steckt es in den Fundservice. Dasselbe gilt für Bargeld, das Leute im Zug hin und wieder verlieren.

Anspruch auf Finderlohn

„Wer Gegenstände findet und sie abgibt, hilft nicht nur den Reisenden, sondern kann auch mit einem kleinen Dankeschön rechnen“, heißt es weiter bei der Bahn: Ist die Sache mehr als 50 Euro wert, besteht Anspruch auf einen Finderlohn. Beschäftigte der Fundbüros der Bahn stellen Quittungen aus, damit ehrliche Finder/-innen diesen Anspruch später auch geltend machen können.

Der Bahn bleibt angesichts ihrer Größe nichts übrig, als ein eigenes Fundsachenmanagement zu betreiben. Lokale Busunternehmen müssen sich um die Sachen ebenfalls kümmern. Einmal hat jemand einen Kinderwagen im Bus vergessen – „ohne Kind zum Glück“, berichtet Solveig Schäfer von Schlienz-Tours. Sämtliche Fundsachen, seien es nun Taschen, Handys, Schirme oder was Menschen sonst noch so alles in Bussen vergessen, werden für mindestens sechs Monate in der Schlienz-Zentrale aufbewahrt – entsprechend den gesetzlichen Vorgaben, wie die Sprecherin erklärt. Nach Zeitablauf entsorgt man nicht Abgeholtes „fachgerecht“: „Es gibt bei uns keine Versteigerung wie zum Beispiel bei der Deutschen Bahn.“

Im Zug hat einmal jemand eine Geige vergessen. Eine Stradivari. Wert: 2,4 Millionen Euro. Dieses Fundstück war laut Deutscher Bahn das „hochwertigste“, das Bahnbeschäftigte je in oder unter Sitzen, auf Gepäckablagen oder in Zugtoiletten eingesammelt haben. Rund 60.000 Koffer, Taschen und Rucksäcke, ferner
50.000 Handys und über den Daumen 16.000 Schlüssel bleiben jedes Jahr in Zügen liegen, heißt es in einer Mitteilung der Bahn, und weiter: „Es gibt weit mehr ehrliche Finder, als man

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