Rems-Murr-Kreis

Was sind das für seltsame Pyramiden an B14 und B29?

Insektenhügel Pyramide B 14 B 29 B14 B29 Bundesstraße_0
Lehmpyramide auf Wiesengrund mit Bundesstraßen-Anschluss. © Joachim Mogck

Waiblingen.
Höchst eigenartig: Kürzlich war auf Wiesenzwickeln an Bundesstraßen-Auffahrten ein Bagger zugange. Der häufte Lehm zu aztekisch anmutenden Stufenpyramiden. Präzise eckig, mit Absätzen, ohne Spitze und gut festgeklopft. Als gelte es, einen Modellierwettbewerb zu gewinnen. Dann war der Bagger wieder weg – und da stehen sie jetzt, die Bauwerke, erdnackt und befremdlich. An den B 14-Auffahrten bei Schwaikheim, bei Waiblingen Nord/Korb, an der Auffahrt Winnenden-West, außerdem an der B 29 bei Beutelsbach. Was soll das sein?

Nein, hier wurde von Landratsamtsseite nicht versucht, der Wohnungsnot im Rems-Murr-Kreis mit neuen architektonischen Ideen beizukommen. Obwohl – eigentlich doch. Die Erdhügel sind Insektennisthilfen. Hier sollen sich Wildbienen und Hummeln eine neue Bleibe suchen. Tiere also, die es, in unserer asphaltierten und betonierten Welt besonders schwer haben. Die Standorte sind ideal gewählt. Ringsrum ist Wiese, auf die keiner geht, denn sie liegt direkt neben höchstem Verkehrsaufkommen. Die Wiese wird blütenmäßig noch ein bisschen aufgemotzt: Zuerst wurde der nährstoffreiche Oberboden abgetragen, der Boden mit Splitt vermengt, um ihn abzumagern. Denn die dann ausgesäten Blühflächen – spezielle Saatgutmischungen mit Wildblumen – können sich nur so gut und artenreich entwickeln. Die Rede ist von 50 verschiedenen Blumen- und mehr als 20 Kräuterarten.

Ob das Ganze was bringt?

Die Erdhügel selbst werden nicht bepflanzt. Hier soll die Natur für das Richtige sorgen. Die Wiese drumherum liefert die passenden Samen.

Auf die Erdpyramiden kann die Sonne ungehindert scheinen – es wird schön warm. Aber nicht zu warm, denn im tieferen Innern bleibt die Temperatur merklich kühler. Die Bienen und Hummeln können sich ihr Nest also genau dort anlegen, wo es ihnen am genehmsten ist. Außerdem reißt der Lehm mit der Zeit auf. Die Spalten und Klüfte sind perfekt für die Insekten.

Übrigens: Die jetzt entstandenen Pyramiden haben Vorbilder. Im vergangenen Jahr wurden gleiche Bauwerke schon an den B 29-Ausfahrten bei Winterbach, Schorndorf-West und Schorndorf-Ost angelegt. Die erwünschten Wildbienen haben sie angenommen.

Ob das Ganze was bringt? Nun, mit dabei beim Pyramiden-Projekt ist Diplom-Biologe Martin Weiss, der auch schon bei der Gartenschau beraten hat. Der schlug die eigenwillige Form vor, zählt und wertet aus. Und hat bei den Pyramiden vom letzten Jahr schon seltene Käferarten entdeckt. Neben Wiesenpflanzen, die auf der Roten Liste und somit unter Naturschutz stehen.


Waiblingen.
Höchst eigenartig: Kürzlich war auf Wiesenzwickeln an Bundesstraßen-Auffahrten ein Bagger zugange. Der häufte Lehm zu aztekisch anmutenden Stufenpyramiden. Präzise eckig, mit Absätzen, ohne Spitze und gut festgeklopft. Als gelte es, einen Modellierwettbewerb zu gewinnen. Dann war der Bagger wieder weg – und da stehen sie jetzt, die Bauwerke, erdnackt und befremdlich. An den B 14-Auffahrten bei Schwaikheim, bei Waiblingen Nord/Korb, an

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