Rems-Murr-Kreis

Wein für 22.800 Euro: Der Sommelier aus dem Rems-Murr-Kreis, der Putin begegnete

DanielsWeine
Sie tranken nicht wenig: Einst im Hotel Adlon hat Daniel Hasert Wladimir Putin und Gerhard Schröder bedient – das Bild zeigt ihn in seinem Winterbacher Weinladen. © Gaby Schneider

Er hat Putin, Schröder und zwei Skandinavier bedient, eines Abends im Hotel Adlon – die Wein-Zeche des Quartetts war legendär. Daniel Hasert kann die Summe heute noch nennen, denn sie hatte fundamentale Folgen für sein Berufsleben. Der Sommelier aus Hebsack hat viel zu erzählen ...

Viele kennen ihn als Sohn des legendären Gastwirts Jörg Hasert aus dem „Lamm“ in Hebsack oder als Chef der Winterbacher Wein-Location „Daniel’s Weine“. Wer aber mittlerweile 1200 Weine im Sortiment hat und diese nicht nur verkaufen, sondern auch etwas über sie wissen und erzählen will, der muss in seinem Leben viel herumgekommen sein. Wobei nicht jeder auch noch so weit gereiste Sommelier von sich behaupten kann, dass er schon persönlichen Kontakt zu Putin hatte ...

Putin gibt den Ton an: Die erste Flasche teuer – die zweite aber ...

So geschehen 2006 während der Fußball-WM in Deutschland im Berliner Nobel-Hotel Adlon, wo Hasert seine Probezeit als Chefsommelier absolvierte. Gerade mal drei Wochen da, wurde er nach entsprechendem Briefing vom Hoteldirektor in die Präsidentensuite beordert – wo Putin, der als Kanzler gerade von Angela Merkel abgelöste Gerhard Schröder und zwei skandinavische Staatsoberhäupter nach einer Weinempfehlung verlangten. Wobei der nahezu akzentfrei Deutsch sprechende Putin von vornherein deutlich machte, dass er es sein würde, der die Weinauswahl trifft.

Wo anfangen bei so einer Runde? Bei einem Wein für 80 Euro oder gleich in Richtung 300 oder 400 gehen? Das war Haserts Dilemma – er erinnert sich, wie er zuvor im Aufzug angesichts der Herausforderung gezittert hat, „dass der ganze Aufzug gewackelt hat“. Die Frage nach der Preisklasse aber war schnell beantwortet, als Putin nach einem Montrachet fragte, einem Chardonnay aus einer Grand-Cru-Weinlage in Burgund, der schon damals 480 Euro kostete.

Als aber die Rotweinrunde eingeläutet wurde, orderte Putin gleich mal einen Château Petrus, Jahrgang 1986. Für 3580 Euro die Flasche. Und als er dann auch noch zwei Finger hochstreckte, um Daniel Hasert anzuzeigen, dass er zwei Flaschen des edlen Getränks bringen solle – eines der teuersten und angesehensten seiner Spezies –, da war das verkaufstechnisch eine Sternstunde für den jungen Sommelier.

Und weil sich die Viererrunde auch sonst nicht lumpen ließ – Gerhard Schröder hatte zur Einstimmung auf einen deutschen Riesling für 250 Euro bestanden und der zum Dessert geschlürfte Süßwein aus Bordeaux lag bei 350 Euro die Flasche -, summierte sich die Rechnung zum Schluss auf 22.800 Euro.

Kein Wunder, dass damit die Probezeit von Daniel Hasert vorzeitig beendet und er sofort fest angestellt wurde.

Dekadenz und Prominenz – von Pelé bis Michael Jackson

Ähnliches hat Hasert im Adlon nur noch einmal erlebt: Bei einer Firmenfeier wurde eine 9-Liter-Flasche Mouton Rothschild für 14.500 Euro bestellt. Was sich für Hasert, wiewohl er von solchen Gästen gelebt hat, genauso dekadent anfühlte wie das Verhalten einer Gruppe russischer Männer, die sich das Warten auf ihre Damen mit einer 50 Euro teuren Zigarre und einem Glas Cognac für 250 Euro vertrieben – und dann die halb gerauchte Zigarre im Cognac ausdrückten.

Er hat sie damals alle getroffen im Adlon: die Fußball-Größen Beckenbauer, Klinsmann und Pelé (dem vor lauter Reden immer der Suppenlöffel in die Tomatensuppe fiel), den Sänger Michael Jackson, den Schauspieler Pierce Brosnan und die neue Kanzlerin Angela Merkel.

Und als er sich 2007 am Tag des Pokalfinales, bei dem er seinen VfB gegen Nürnberg hatte verlieren sehen, aus persönlichen Gründen aus dem Adlon verabschiedete, da überreichten ihm seine Kolleginnen und Kollegen eine Flasche Trockenbeerenauslese des Rheingau-Vorzeigewinzers Robert Weil; mit den Unterschriften von Beckenbauer und Klinsmann.

Untypischer Werdegang für einen Sommelier

Dabei ist Daniel Hasert gar kein klassischer Sommelier. Zumindest nicht in dem Sinne, dass er seine Ausbildung mit einer Prüfung bei der IHK oder beim Deutschen Weininstitut beendet hat. Nach einer Lehre zum Restaurantfachmann auf Burg Stufenheck und dem Job als Schichtführer im Unteroffizierskasino in Fürstenfeldbruck knüpfte er die ersten Weinkontakte im Breisgau und bei „Hardy Blüchers feine Weine“ in Ludwigsburg und landete als Commis Sommelier im Schlosshotel Lebach in Bergisch-Gladbach, wo er es mit 2500 Weinpositionen zu tun hatte und den deutschen Junioren-Sommelier-Wettbewerb gewann. Das damit verbundene Stipendium hat er abgelehnt, weil es ihm wichtiger erschien, weiter in renommierten Hotels zu arbeiten und Erfahrungen im direkten Kontakt mit Winzern, Gastronomen und Kunden zu sammeln.

Und so ist er denn auch nach seiner Zeit im Adlon mit seiner heutigen Frau Stefanie, die er während ihrer Lehre im „Lamm“ kennengelernt hatte, für ein Jahr nach Australien und Neuseeland gereist, wo sie im Hotel Lenzerheide immer wieder Zugriff auf nicht ganz leer getrunkene Flaschen der Edelmarke Pernfols Grange hatte; von dem kostete 0,1 Liter 90 australische Dollar.

Er habe in dieser Zeit bestimmt 15 verschiedene Grange-Jahrgänge probiert („Chips und dazu Wein für 600 Euro“), schwärmt Daniel Hasert, der selber unter anderem auf dem Weingut des aus Österreich stammenden Hermann Seifried gearbeitet hat und dort in die Fußstapfen beziehungsweise die Gummistiefel des Korber Wengerters Albrecht Schwegler oder des Fellbacher Jungwengerters Hansjörg Aldinger getreten ist.

Hebsack und Winterbach: Haserts Basisstation

Alles in allem eine lehrreiche und aufregende Zeit, in der es ihn aber auch immer zurückgezogen hat auf seine familiäre Basisstation im Hebsacker „Lamm“. Seit 2009 hat er dort eine Festanstellung als Restaurantleiter und Sommelier. Parallel hat er einen eigenen kleinen Weinladen in Winterbach angefangen, aus dem sich 2016 „Daniel’s Weine“ am jetzigen Standort entwickelt hat. Mit dem Ergebnis, dass er im „Lamm“ mittlerweile nur noch an einem Tag in der Woche fest anzutreffen ist.

Dass der Gewölbekeller schon bis Januar 2023 ausgebucht ist, dass er mit seinen Weinen längst auch in der Top-Gastronomie bis ins österreichische Kitzbühel Fuß gefasst hat und dass bei ihm Spitzenwinzerinnen und -winzer aus Deutschland und dem Ausland ein und aus gehen, sind Indikatoren, wie gut der „Laden“ läuft. Und so sehr es Daniel Hasert in Corona-Zeiten geschafft hat, seine Klientel mit fast 100 teils hochwertigen Online-Weinproben bei der Stange zu halten, so sehr freut er sich, dass er sich demnächst beim Winterbacher Brunnenfest wieder mit seiner Wein-Lounge oberhalb der Kirche präsentieren und seit einiger Zeit auch wieder regelmäßig Kundinnen und Kunden empfangen kann.

Nicht nur Betuchte und Fachleute sind willkommen

Es sind nicht nur passionierte Weintrinker und Weinkenner, mit denen Daniel Hasert ins Gespräch kommen will. Und auch nicht nur die, die bereit sind, für eine Flasche Wein 25 Euro und mehr auszugeben. Wiewohl nach seiner Einschätzung Corona und die damit verbundene Besinnung aufs Häusliche das Bewusstsein für guten Wein und damit auch die Bereitschaft, sich diesen Genuss etwas mehr kosten zu lassen, gewachsen ist. „Die Schmerzgrenze ist deutlich höher geworden“, sagt Hasert, der auch einige wenige Kunden hat, die vor dreistelligen Flaschenpreisen nicht zurückschrecken, wobei das Weingut Sine Qua Non von Manfred Krankl aus Kalifornien ganz vorne liegt. Ein Weingut übrigens, von dem wegen des Etiketts im Internet sogar leere Flaschen gehandelt werden.

Die größte Kundschaft von Daniel Hasert und seinem Team sind aber nach wie vor diejenigen, die Weine unter zehn Euro suchen. Über sie und über meist junge Leute, die sich mit Wein noch gar nicht auskennen und das auch zugeben, freut sich der Sommelier mindestens genauso wie über den Stammkunden, „der fast schon mein ganzes Sortiment durchgetrunken hat“.

Er hat Putin, Schröder und zwei Skandinavier bedient, eines Abends im Hotel Adlon – die Wein-Zeche des Quartetts war legendär. Daniel Hasert kann die Summe heute noch nennen, denn sie hatte fundamentale Folgen für sein Berufsleben. Der Sommelier aus Hebsack hat viel zu erzählen ...

Viele kennen ihn als Sohn des legendären Gastwirts Jörg Hasert aus dem „Lamm“ in Hebsack oder als Chef der Winterbacher Wein-Location „Daniel’s Weine“. Wer aber mittlerweile 1200 Weine im Sortiment hat und

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper