Rems-Murr-Kreis

Welpen ohne Tollwutschutz: Illegaler Handel mit Tieren für Menschen riskant

Welpe Shih-Tzu illegaler Welpenhandel Fellbach
Einer der beiden Shih-Tzu-Welpen, die im Herbst in Fellbach illegal verkauft worden sind. Klar ist inzwischen: Die Tiere verfügten nicht über einen wirksamen Tollwutschutz. © Peta

Viel zu jung waren zwei süße Shih-Tzu-Welpen, die in Fellbach illegal verkauft worden sind. Die Heimtierausweise der Tiere waren gefälscht, und sie hatten keinen wirksamen Impfschutz gegen Tollwut, teilt das Landratsamt jetzt mit.

Im November hatte Jana Hoger von der Tierrechtsorganisation Peta das Verkaufsangebot im Internet entdeckt – und war sofort misstrauisch geworden. Sie fingierte zusammen mit einem Kollegen den Kauf der Tiere. Je Welpe war ein Preis von 1150 Euro vereinbart. Die Tierschützerin zog die Polizei zum Übergabetreffen hinzu, als klar wurde, sie lag richtig mit ihrer Vermutung: Es handelte sich um illegalen Welpenhandel.

Gefälschte Heimtierausweise nicht leicht zu erkennen

Bestätigt hat sich der Verdacht, dass die Tiere viel zu jung waren und schon allein deshalb keinen wirksamen Schutz vor Tollwut gehabt haben konnten. Um das zu verschleiern, fälschen illegal agierende Händler die Heimtierausweise, was Nicht-Fachleute nicht ohne weiteres erkennen können.

Hundewelpen können frühestens im Alter von zwölf Wochen gegen Tollwut geimpft werden. „Ein wirksamer Impfschutz besteht nach Ablauf von 21 Tagen. Das bedeutet, Welpen müssen mindestens 15 Wochen alt sein, bevor sie nach Deutschland verbracht werden dürfen“, wird Dr. Sonja Ruffer, Referentin für Tiergesundheit im Veterinäramt Backnang, in einer Mitteilung des Landratsamtes zitiert. Die Behörde warnt vor gesundheitlichen Risiken für Menschen, die dieser illegale Tierhandel mit sich bringt: „Eine Infektion mit dem Tollwutvirus ist für Menschen lebensbedrohlich“, so Veterinäramtsleiter Dr. Thomas Pfisterer laut der Mitteilung.

Die beiden Shih-Tzu-Welpen stammten aus Rumänien. Aktuell sei Tollwut bei Hunden in Rumänien, Polen und in der Türkei in insgesamt rund 200 Fällen nachgewiesen. Eine Infektion mit dem Tollwutvirus wurde der Mitteilung zufolge im September 2021 in Deutschland bei einem Welpen festgestellt, der gestorben war. Jemand hatte das erst acht Wochen alte Tier aus einem Urlaub in der Türkei mitgebracht, ohne die Einfuhrbestimmungen zu beachten.

Haustiere in der Corona-Krise besonders gefragt

Via Internet zu scheinbar günstigen Preisen unwiderstehlich knuddelige Welpen zu kaufen, schien in den besonders schwierigen Phasen der Corona-Krise besonders verlockend. Menschen erhofften sich Trost von einem Haustier – ohne die Angebote näher zu hinterfragen. Der möglicherweise fehlende Impfschutz ist nur ein Grund, weshalb Tierschutzorganisationen seit langem von Käufen dieser Art abraten: Die Muttertiere und auch die Rüden leben in den Herkunftsländern oftmals unter absolut elenden Bedingungen. Viel zu früh werden der Mutter die Welpen weggenommen, um sie gewinnbringend online zu verscherbeln. Diese Tiere zeigen später Verhaltensstörungen und kommen bereits in einem üblen Gesundheitszustand in Deutschland an. Käufer von Hundewelpen sollten sich „nicht von einem günstigen Preis und einer niedlichen Präsentation der Hunde täuschen lassen. Denn mit dem Hundekauf über das Internet können unbeabsichtigt kriminelle und betrügerische Machenschaften unterstützt werden“, heißt es in der Mitteilung des Landratsamtes weiter. Nicht ohne Grund will die Bundesregierung neue tierschutzrechtliche Regeln zum Internethandel mit Tieren auf den Weg bringen. Schätzungen zufolge werden jedes Jahr mindestens 200 000 Hunde illegal aus dem Ausland nach Deutschland importiert. Sie stammen überwiegend aus Rumänien, Bulgarien und Polen, so das Landratsamt weiter.

Strenge Regeln für den Import

Grundsätzlich dürfen Hunde aus EU-Mitgliedstaaten nur mit einem wirksamen Tollwutimpfschutz, einem EU-Heimtierausweis des Ursprungslandes und einer Kennzeichnung mittels Mikrochips nach Deutschland importiert werden. Für Welpen aus Drittländern gelten noch strengere Einfuhrbedingungen. Eine Einfuhr aus sogenannten „nicht gelisteten“ Drittländern ist frühestens im Alter von sieben Monaten rechtmäßig möglich.

Stutzig sollten Käufer/-innen laut Landratsamt werden, wenn die Hunde erst nach einer Anzahlung aus dem Ausland importiert werden oder Interessierte die Tiere vorher nicht anschauen können. Bei illegalen Geschäften werde verschleiert, wem das Tier gehört oder wer das Tier importiert hat. „Eine Übergabe auf einem Parkplatz oder an kurzfristig geänderten Orten sollte immer abgelehnt werden“, so Dr. Ruffer. „Aus Sicht des Tierschutzes und der Tiergesundheit ist es ratsam, Welpen bei Züchtern zu erwerben, die eine Zuchterlaubnis nach dem Tierschutzgesetz besitzen. Bei einem möglichen Kauf in einem Privathaushalt sollten immer der Wurf und das Muttertier besichtigt werden können und es sollte ein gültiger Impfschutz vorliegen“, dazu rät Veterinäramtsleiter Dr. Thomas Pfisterer.

„Vielleicht muss es auch nicht zwingend ein Welpe sein“

Wer Tieren mit einem guten Gewissen ein neues Zuhause geben möchte, könne sich an Tierheime wenden. „Die Tierheime werden entlastet, die abzugebenden Hunde sind alle gesund und geimpft, und die Mitarbeitenden dort könnten in der Regel gut abschätzen, welcher Hund zu welchem Besitzer passt – vielleicht muss es auch nicht zwingend ein Welpe sein“, gibt das Landratsamt zu bedenken.

Die Fellbacher Händlerin hatte die Shih-Tzu-Welpen via Ebay angeboten. Bevor Jana Hoger von der Tierrechtsorganisation Peta aktiv wurde, war ein drittes Tier offenbar bereits verkauft.

Kleine Rassen seien zurzeit „unglaublich gefragt“, hatte Jana Hoger kurz nach dem fingierten Kauf in Fellbach dieser Zeitung auf Nachfrage mitgeteilt. Bis zu 6000 Euro ließen sich, je nach Rasse, für einen Welpen erzielen. „Ein Multimillionen-Geschäft steckt dahinter“, heißt es bei Peta. Jeden Monat würden mehr als 46 000 Welpen EU-weit illegal verkauft, verweist der Verein Peta auf Zahlen der EU-Kommission. Jana Hoger geht davon aus, dass es in Wahrheit weit mehr sind.

Viel zu jung waren zwei süße Shih-Tzu-Welpen, die in Fellbach illegal verkauft worden sind. Die Heimtierausweise der Tiere waren gefälscht, und sie hatten keinen wirksamen Impfschutz gegen Tollwut, teilt das Landratsamt jetzt mit.

Im November hatte Jana Hoger von der Tierrechtsorganisation Peta das Verkaufsangebot im Internet entdeckt – und war sofort misstrauisch geworden. Sie fingierte zusammen mit einem Kollegen den Kauf der Tiere. Je Welpe war ein Preis von 1150 Euro vereinbart.

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