Rems-Murr-Kreis

Weniger Fahrgäste, weniger Einnahmen: Vielen Busunternehmen im Rems-Murr-Kreis droht die Pleite

Buschaos
Die Busbranche leidet unter Corona. © ALEXANDRA PALMIZI

Weniger Fahrgäste, weniger Einnahmen. Die Busse fahren coronabedingt Verluste ein. In diesem Jahr helfen ihnen Hilfsgelder von Bund und Land über die Runden. Was jedoch 2021 und 2022 sein wird, steht in den Sternen. Der erste Lockdown hat die Fahrgastzahlen in Bussen und Bahnen dramatisch einbrechen lassen. Im Frühjahr lag die Auslastung zeitweise bei 20 Prozent. Dank Monats- und Jahresabos sanken die Einnahmen nicht ganz so stark. Dennoch: In der Busbranche drohen Pleiten.

Der Landkreis, zuständig für die Busverkehre zwischen Rems und Murr, hat seit Montag einen Rettungsschirm parat und spannt ihn auf, sollten nicht anderweitig Gelder zur Unterstützung der Busunternehmen fließen. Bis zu vier Millionen Euro lässt sich der Kreis den Schirm kosten. Das ist jedoch billiger wie der schlimmste Fall. Der träte ein, wenn Busfirmen reihenweise Insolvenzen anmelden müssten, sagte Landrat Richard Sigel bei der Sitzung des Umwelt- und Verkehrsausschusses in Fellbach. Die Kreisräte stimmten dem Rettungsschirm zu.


Bei Insolvenzen von Busfirmen ist der Landkreis ein gebranntes Kind. Er hatte die erste Pleite eines Busunternehmens in der Region Stuttgart zu bewältigen, als im Sommer 2019 die Schorndorfer Busfirma Knauß insolvent gegangen ist und der Kreis sich nach einem Betreiber des Linienbündels umschauen musste. Erst galt es, die Zeit bis zu einer Neuvergabe zu überbrücken. Der Knauß-Insolvenzverwalter ließ sich dies teuer bezahlen. Dann galt es einen neuen Betreiber für die Buslinien zu finden. Der Neue kalkulierte allerdings nicht mehr so knapp wie einst Knauß. Wie sich herausstellte, hatte sich das alteingesessene Unternehmen bei der Vergabe der Buslinien total verrechnet und Verluste eingefahren.

Bei der Vergabe der Linienbündel wurde knapp kalkuliert

Ein ums andere Mal hatten sich die Verkehrsdezernenten stolz auf die Schulter geklopft, weil sie bei der Neuvergabe der 13 Linienbündel mit dem selben Geld mehr und komfortabler Busverbindungen verhandelt hatten. Die Kehrseite der Medaille waren freilich knapp kalkulierende Unternehmen. Zu knapp, wie die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi beklagte, die die Interessen der Beschäftigten vertritt. Knackpunkt sind die eigenwirtschaftlichen Verkehre, bei denen die Firmen ohne öffentliche Zuschüsse auskommen und beim Betrieb nur mit Fahrgeldeinahmen rechnet.

Corona und der Lockdown hat einen Strich durch diese Rechnungen gemacht. Der Verkehrsverbund Stuttgart geht von Einnahmenverlusten in Höhe von 20 Prozent aus. 2020 schützte die Busfirmen ein Rettungsschirm von Bund und Land. Für 2021 und 2022 stehen, Stand heute, keine zusätzlichen Gelder in Aussicht. Also galt es, Vereinbarungen mit den Busunternehmen zu schließen, damit die Busse auf jeden Fall weiterfahren und der öffentliche Personennahverkehr nicht zusammenbricht. Die für den Busverkehr zuständigen Landkreise in der Region haben sich deshalb einen Vertrag geeinigt, der den Busfirmen die zu befürchtenden Einnahmeverluste ausgleicht. „Unser Ziel muss auf jeden Fall sein, Insolvenzen so weit wie möglich zu vermeiden und unsere mittelständisch geprägte und bewährte Unternehmerschaft zu erhalten“, heißt es in der Vorlage für die Kreisräte. „Insolvenzen würden zu immensen Mehrkosten führen.“ Der Ausschuss stimmte dem Vorschlag zu, die Einnahmeausfälle auszugleichen – und den Busvekehr vor dem Schlimmsten zu bewahren.

Weniger Fahrgäste, weniger Einnahmen. Die Busse fahren coronabedingt Verluste ein. In diesem Jahr helfen ihnen Hilfsgelder von Bund und Land über die Runden. Was jedoch 2021 und 2022 sein wird, steht in den Sternen. Der erste Lockdown hat die Fahrgastzahlen in Bussen und Bahnen dramatisch einbrechen lassen. Im Frühjahr lag die Auslastung zeitweise bei 20 Prozent. Dank Monats- und Jahresabos sanken die Einnahmen nicht ganz so stark. Dennoch: In der Busbranche drohen Pleiten.

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