Rems-Murr-Kreis

Wenn bei einer Probefahrt ein Unfall geschieht: Wer bezahlt den Schaden?

Unfall, Kalkofenstr., Weinstadt-Endersbach, 20.11.2020.
Dieser Alfa landete am Freitagvormittag in Weinstadt bei einer Probefahrt im Zaun. © Benjamin Beytekin

Ein Unfall bei einer Probefahrt ist gar nicht so unwahrscheinlich. Schließlich kennt der Fahrer das Fahrzeug nicht, will es aber möglichst schnell kennenlernen – und geht mit dem ungewohnten Auto über die Grenzen. Am Freitagmorgen passierte dies einem jungen Mann bei einer Probefahrt mit einem Alfa Giulia. Die Polizei beziffert den Schaden am Fahrzeug mit rund 70 000 Euro. Ein teurer Spaß. Wer zahlt?

Wenn es sich um eine Probefahrt mit dem Fahrzeug eines Autohändlers handelt, ist die Rechtslage meist klar, erklärt ein Sprecher der Kfz-Innung Rems-Murr. Der Vorführwagen ist in aller Regel vollkaskoversichert. Oft wurde jedoch im Probefahrt-Vertrag ein Selbstbehalt vereinbart worden, den jedes Autohaus für sich festlegt. Erfahrungsgemäß handelt es sich um 500 bis 1000 Euro, die der verunglückte Autofahrer nach einem Unfall zu berappen hat. Aber auch das Autohaus hat einen Verlust. Ihm wird nicht der Verkaufswert erstattet, sondern lediglich der Einkaufswert. Der Händler muss auf einen möglichen Gewinn verzichten, den er bei einem Verkauf erzielt hätte.

Wie ist die Rechtslage bei Verkäufen von privat an privat?

Schwieriger ist die Rechtslage bei einer Probefahrt, wenn ein Auto von privat an privat den Besitzer wechseln soll – stattdessen jedoch im Graben landet. Automobilclubs und Versicherungen empfehlen, vor einem Ausflug eine Probefahrt-Vereinbarung zu schließen. Wurde die Haftung im Vorfeld der Probefahrt nicht geklärt, bleibt meist der Verkäufer auf dem Schaden sitzen. Zwar haftet die Versicherung des Verkäufers für Schäden an Dritten. Oftmals geht dies jedoch mit Rückstufung der Schadenfreiheitsklasse und einer Selbstbeteiligung einher. Das führt meist zum Streit.

ADAC und ACE bieten ihren Mitgliedern deshalb Musterverträge für Probefahrten an. In der des ACE heißt es beispielsweise: „Der Fahrer haftet für alle während der Probefahrt eingetretenen Schäden am Fahrzeug sowie alle Folgeschäden in vollem Umfang ... Dies gilt auch für einen vom Fahrer zu vertretenden Verlust des Fahrzeugs.“ Die Vereinbarung regelt auch, wie mit der Selbstbeteiligung bei einer Vollkaskoversicherung oder den drohenden Rückstufungen beim Schadenfreiheitsrabatt verfahren wird.

Und ganz wichtig sei, sich vor der Probefahrt den Führerschein zeigen zu lassen. Zum einen, um keinem Betrüger aufzusitzen, der das Auto unter falscher Identität entwenden will. Zum anderen kann der Verkäufer in Mithaftung genommen werden, wenn der Probefahrer keinen gültigen Führerschein hat und einen Unfall baut.

Ein Unfall bei einer Probefahrt ist gar nicht so unwahrscheinlich. Schließlich kennt der Fahrer das Fahrzeug nicht, will es aber möglichst schnell kennenlernen – und geht mit dem ungewohnten Auto über die Grenzen. Am Freitagmorgen passierte dies einem jungen Mann bei einer Probefahrt mit einem Alfa Giulia. Die Polizei beziffert den Schaden am Fahrzeug mit rund 70 000 Euro. Ein teurer Spaß. Wer zahlt?

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Wenn es sich um eine Probefahrt mit dem Fahrzeug eines Autohändlers

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