Rems-Murr-Kreis

Weru poliert angestaubtes Image auf

WERU
Stefan Löbich führt seit fast zwei Jahren die Geschäfte des Rudersberger Türen- und Fensterherstellers Weru. Mobiles Arbeiten erhöht zwar die Effizienz - doch die Unternehmenskultur leidet. © Gabriel Habermann

Stefan Löbich spricht von einem „neuen Stylisch“. Bernd Schlümer nennt es „Markenrefresh“. Der Weru-Geschäftsführer und sein Vertriebsleiter haben begonnen, das angestaubte Image des Rudersberger Fenster- und Türenherstellers Weru aufzupolieren. Das fängt bei Grautönen zum gewohnten Weru-Gelb an und reicht bis zu neuen Katalogen, denen Weru einen Magazincharakter verpasst hat. Der neue Markenclaim lautet „Weru. Zukunft,. Zuhause. Leben.“

Eine Marke mit 175-jähriger Tradition wie Weru könne man nicht revolutionieren. Sollte man auch nicht, sagt Bernd Schlümer, der Bereichsleiter Vertrieb, über die „vorsichtige Evolution“, die Weru im Herbst 2020 den Fachhändlern in Deutschland online präsentiert hatte. „Die Resonanz gibt uns recht“, zeigt sich Schlümer zuversichtlich, dass der neue Weru-Auftritt Pep hat und bei der Kundschaft einschlägt. Im ersten Quartal 2021 liege Weru „weit über Plan“, sagt Stefan Löbich, „und deutlich über dem des Vorjahres“.

Nach vielen Jahren der Verluste schreibt Weru schwarze Zahlen

Das Jahr 2020 war trotz Corona überraschend gut gelaufen, sagt Stefan Löbich, der im Juli 2019 die Geschäftsführung übernommen hat. Weru hat die Kurve gekriegt und ist seit 2019 wieder profitabel. Der Umsatz ist 2020 leicht auf 162,5 (159,4) Millionen Euro gestiegen. Die Frage, ob Weru wieder schwarze Zahlen schreibe, beantwortet Löbich beinahe leicht empört mit einem Wort: „Deutlich!“ Der Turnaround sei schon vor Jahren eingeleitet worden, betont Löbich, doch haben die Geschäfte dank des neuen Managements unter seiner Leitung noch weiter zugelegt.

Die Coronapandemie hat die Geschäfte mit Türen und Fenstern beflügelt, weist Löbich auf zahlreiche Sanierungen hin, die die Häuslebauer im Lockdown anpackten. Corona hatte jedoch auch Folgen für die innerbetrieblichen Abläufe. „Jeder Mitarbeiter, der Sorge hat, sich anzustecken, kann mobil arbeiten.“ Als im vergangenen Frühjahr Schulen und Kindergärten dichtmachen mussten, richtete Weru in der Hauptverwaltung in Rudersberg auch Spielecken ein. Als nach der Ruhepause über den Jahreswechsel 2020/21 die Arbeit wieder startete, hat sich 90 Prozent der Belegschaft PCR-Tests unterzogen. Seither werden die rund 1200 Beschäftigten regelmäßig getestet.

Im Vertrieb waren die Folgen von Corona und der Kontaktbeschränkungen besonders ausgeprägt, sagt Bernd Schlümer. Sein Fazit lautet: „Wir sind wesentlich effizienter geworden.“ Denn bei den regelmäßigen Treffen falle die Anreise weg, und die Gespräche sind rascher beendet. Gleiches gelte für die Geschäftsführung, sagt Stefan Löbich. Der regelmäßige Austausch mit dem Gesellschafter, dem Privat Equity-Fonds H.I.G. Capital, findet inzwischen per Videokonferenz statt - und spare ihm gut 14, 15 Stunden Zeit für An- und Abreise nach Hamburg oder Frankfurt. Auch der Kontakt zu den US-amerikanischen oder chinesischen Unilux-Dependancen sei dank der neuen Kommunikationsform häufiger und enger. Doch Löbich blendet die Kehrseite von Home-Office und Videokonferenzen keineswegs aus. „Die Unternehmenskultur leidet!“

Der größte Markt für Weru ist Deutschland

Weru ist überwiegend eine deutsche Marke. Nahezu 90 Prozent der Umsätze des Konzerns werden im Inland getätigt. Im Ausland ist der Weru-Konzern vorwiegend über seine Premiummarke Unilux präsent, den Spezialisten für großflächige Holz-Alu-Fensterkonstruktionen im pfälzischen Salmtal. Großzügige Unilux-Fensterfronten schmücken nicht nur den neuen Mia-Stihl-Kindergarten in Waiblingen, sondern auch so manche Villa von Hollywoodstars in Los Angeles.

Im Heimatmarkt kann sich Weru auf eine florierende Baubranche verlassen. „Wir gehen 2021 von einer stabilen Baukonjunktur aus“, sagt Löbich über die Aussichten, die ein weiteres Plus von sechs Prozent versprechen. Sorgen bereitet ihm allenfalls die um sich greifende Rohstoffknappheit. Löbich weist auf die explodierenden Stahlpreise hin. Schon im Vorjahr war Weru mit Lieferengpässen auf den global vernetzten Märkten konfrontiert, die aber zu keiner Zeit die Produktion einschränkten. Weru ziehe daraus Konsequenzen. Statt immer möglichst günstig auf der ganzen Welt einzukaufen, werde mehr Wert auf Versorgungssicherheit gelegt - und die sei durch Lieferanten aus der Region eher gewährleistet.

Rund 30 Prozent seines Umsatzes macht Weru mit Fenstern und Türen in Neubauten; etwa 70 Prozent des Umsatzes entfällt auf Sanierungen. Letzteres sind Geschäfte, die überwiegend über die Fachbetriebe abgewickelt werden, die für den Einbau und den Service sorgen. Fürs Image sei es jedoch auch wichtig, dass Bauträger oder Fertighaushersteller die Marke Weru mehr zur Kenntnis nehmen, sagt Bernd Schlümer. Auch der Onlinehandel und der Vertrieb über Baumärkte sind für Weru keine Tabus mehr.

Fürs laufende Geschäftsjahr geht die Weru-Gruppe von guten Geschäften aus, nicht zuletzt aufgrund der Entwicklung des Gesamtmarktes. Der ist laut dem dieser Tage veröffentlichten 2020er-Geschäftsbericht geprägt durch „niedrige Zinsen, die fehlende gewerbliche Investitionsbereitschaft aufgrund der Pandemie, den hohen Bedarf an Wohnraum, den historisch großen Baugenehmigungsüberhang im Wohnbau und vor allem die Sanierungsbereitschaft durch die Anforderungen aus dem Klimaschutz mit den unterstützenden Förderprogrammen“. Die Weru GmbH erwartet 2021 eigenen Angaben zufolge einen leichten Anstieg des Umsatzes und einen im Vergleich zum Umsatzwachstum überproportionalen Anstieg des EBITDA (Gewinn, d. Red.) im Vergleich zum Vorjahr“. Beschäftigt werden rund 1200 Mitarbeiter, davon 380 in Rudersberg, wo die Hauptverwaltung ihren Sitz hat und Türen hergestellt werden.

Stefan Löbich spricht von einem „neuen Stylisch“. Bernd Schlümer nennt es „Markenrefresh“. Der Weru-Geschäftsführer und sein Vertriebsleiter haben begonnen, das angestaubte Image des Rudersberger Fenster- und Türenherstellers Weru aufzupolieren. Das fängt bei Grautönen zum gewohnten Weru-Gelb an und reicht bis zu neuen Katalogen, denen Weru einen Magazincharakter verpasst hat. Der neue Markenclaim lautet „Weru. Zukunft,. Zuhause. Leben.“

Eine Marke mit 175-jähriger Tradition wie Weru

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