Rems-Murr-Kreis

Wie spricht man die Bedienung richtig an? Sternekoch Bachofer zum Zündstoffthema

Wie rufe ich die Bedienung richtig?
Der Service wird gebraucht? Auch der Ruf „Bedienung!“ ist, was die Höflichkeit angeht, nicht geglückt. © pixabay

Vor einer Weile, es war warm, die Gartenwirtschaft gut besucht und der Durst groß, versuchte ein Gast, die Aufmerksamkeit jener jungen Frau auf sich zu ziehen, die für den Service zuständig war. Der Gast rief: „Hallo Frollein!“. Was zu entsetztem Luftschnappen beim ebenfalls am Tisch sitzenden weiblichen Gast führte und zur erregten Diskussion der gesamten Tischgesellschaft: Wie, bitteschön, rufe ich die Bedienung korrekt?

Die korrekte Anrede: ein „ewiges Zündstoff-Thema“

Es sei, sagt Bernd Bachofer, Chef des gleichnamigen Edelrestaurants in Waiblingen, ein „ewiges Zündstoff-Thema“. Diese Aussage impliziert, dass die Besucherinnen und Besucher der gehobenen Gastronomie offenbar genauso wenig wissen, wie sie höflich und korrekt auf sich aufmerksam machen sollten, wie jene Menschen, die die einfacheren Gaststätten bevorzugen, in denen vielleicht ein bisschen weniger anspruchsvoll, dafür eher umgangssprachlich kommuniziert wird. „Hallo Frollein“ jedenfalls sei, findet Bernd Bachofer, „ultraantiquiert und alles andere als zeitgemäß“. Dem Ruf wohne außerdem eine „latente Geringschätzung“ inne.

Tatsächlich aber wusste die entsprechend gerufene junge Frau, die das auch wahrgenommen hatte und gekommen war, selbst keine Alternative. Sie zuckte auf die Frage, wie man sich ihr denn bemerkbar machen sollte, etwas hilflos mit den Schultern.

Den „Ober“ gibt es schon seit 1980 nicht mehr

Menschen älterer Generationen mit eher elaborierten Kommunikationsgepflogenheiten helfen sich gern mit der Anrede „Herr Ober“ aus der Not. Das klingt zumindest nicht geringschätzend, aus der Zeit gefallen ist es laut Bernd Bachofer dennoch. Zum einen, weil im Service heutzutage sehr viele Frauen tätig sind und die Anrede daher meistens nicht passt.

„Frau Oberin“ geht gar nicht, bekommt die so Angesprochene doch vor dem inneren Auge all jener, die zuhören, sofort eine Nonnentracht angezogen. Vor allem aber: Den „Ober“ gibt es seit 1980 nicht mehr. Die korrekte Berufsbezeichnung lautet heute „Restaurantfachmann“. Wer aber würde mit den Worten „Herr Restaurantfachmann“ beziehungsweise „Frau Restaurantfachfrau“ auf sich aufmerksam machen wollen? Ganz abgesehen davon, dass auch Hotelfachleute und sogar Köchinnen und Köche im Service tätig sein können – doch die zutreffende Berufsbezeichnung sieht man den Leuten ja nicht an der Nasenspitze an. Bernd Bachofer spricht vom „Minenfeld“.

Eine Höflichkeitsfloskel kann aus der Situation retten

Bliebe die Möglichkeit, das Wort „Entschuldigung“ zu verwenden. Natürlich entsprechend betont – nach Aufmerksamkeit heischend. „Warum soll ich mich entschuldigen?“, lautet dann das Gegenargument. „Ich will doch nichts Verbotenes.“

Bernd Bachofer findet, dass die „Entschuldigung“ in diesem Fall aber einfach eine Höflichkeitsfloskel und deshalb eine akzeptable Variante sei. Wobei, da gibt er dem Kritiker recht, die Entschuldigung eigentlich vom Service kommen müsste. Denn dort hätte längst bemerkt werden müssen, dass was fehlt – weit bevor der Gast überhaupt auf die Idee kommt, selbiges einfordern zu wollen.

Wenn nämlich – und das sei die beste Lösung, findet Bernd Bachofer – der Service aufmerksam sei und „omnipräsent und umsichtig“ agiere, verbunden mit „hoher Professionalität und großer Empathie“, dann entstehe beim Gast gar keine „Motivation, sich zu melden“.

Bernd Bachofer rät zu intensivem Augenkontakt

Dieser sehr hohe Anspruch garantiert dem Gast natürlich einen Besuch, bei dem keinerlei Verbalklippen zu umschiffen sind. Genuss pur. Doch wahrscheinlich kann ihm nicht jede Gaststätte gerecht werden, zumal ja hier und dort auch ungelernte Kräfte zwar freundlich, aber nicht vollprofessionell für das Wohl der Hungrigen und Durstigen sorgen.

Bernd Bachofer rät, wenn’s von ganz allein halt doch nicht klappt, zu intensivem Augenkontakt, „möglicherweise verbunden mit einem kleinen Handzeichen“. Nein, er meint kein Fingerschnippen. Auch ein kurzer Gang an die Theke mit dem Verweis aufs Anliegen sei „allemal besser als irgendein lauthalser Ruf über die Tische hinweg“. Der nämlich kann zu plötzlicher peinlicher Stille im ganzen Restaurant führen. Und das ist echt unangenehm – für alle Seiten.

Vor einer Weile, es war warm, die Gartenwirtschaft gut besucht und der Durst groß, versuchte ein Gast, die Aufmerksamkeit jener jungen Frau auf sich zu ziehen, die für den Service zuständig war. Der Gast rief: „Hallo Frollein!“. Was zu entsetztem Luftschnappen beim ebenfalls am Tisch sitzenden weiblichen Gast führte und zur erregten Diskussion der gesamten Tischgesellschaft: Wie, bitteschön, rufe ich die Bedienung korrekt?

Die korrekte Anrede: ein „ewiges Zündstoff-Thema“

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