Rems-Murr-Kreis

Wie und wo bekomme ich im Rems-Murr-Kreis auf die Schnelle einen Corona-Test, wenn ich an Weihnachten Oma und Opa besuchen will?

Coronatest
Ein Schnelltest reicht in der Warnstufe nicht mehr: Nicht geimpfte Personen müssen jetzt in den meisten Fällen einen negativen PCR-Test vorweisen, der ein Vielfaches kostet. © Gabriel Habermann

Sicher ist sicher: Ein Corona-Schnelltest vor dem Besuch bei Oma und Opa zu Weihnachten gäbe ein gutes Gefühl und würde das schlechte Gewissen beruhigen, nicht ungewollt das Virus unterm Christbaum zu verbreiten. Denn wie hat der Spiegel so treffend formuliert: „Jesus hätte Oma nicht besucht!“ Jedoch jetzt noch auf die Schnelle einen Schnelltest zu ergattern, ist gar nicht so einfach. Das Argument Weihnachtsbesuch zählt nicht, sich testen zu lassen. Es handelt sich um ein kostspieliges Privatvergnügen.

Von einem Vergnügen bei Mund- und Rachenabstrichen zu sprechen, ist allerdings zwiespältig. Der Abstrich, wie Dr. Karl-Michael Hess, der Sprecher der Waiblinger Ärzteschaft, aus eigener Erfahrung weiß, ist unangenehm bis schmerzhaft. Muss er sogar sein. Ein Stäbchen, das keinen Würgereiz auslöst, wurde nämlich nicht weit genug eingeführt. Dies gilt sowohl für PCR- wie Antigentests. Deshalb rät Hess von den im Internet angebotenen Selbsttests ab.

Wer bekommt im Schnelltestzentrum der Rems-Murr-Kliniken in Winnenden einen Coronatest?

Seit 9. November ist am Rems-Murr-Klinikum in Winnenden das Schnelltestzentrum in Betrieb. Seither sind 3225 Tests erfolgt, davon waren 71 positiv. Allein in der vergangenen Woche waren es 878 Tests, die bisher stärkste Woche, sagt eine Sprecherin des Landratsamts. Am Mittwoch waren die 190 möglichen Tests ausgebucht.

Für Besuche bei Oma und Opa zu Weihnachten ist das Schnelltestzentrum jedoch nicht gedacht. Es wurde eingerichtet für Reihentestungen in Kindertagesstätten und Schulen, bei Rettungsdiensten, Polizei und Feuerwehren oder für Verwaltungsmitarbeiter. Bei einem Verdacht sollten Infektionen bei möglichen Kontaktpersonen sofort gefunden und diese isoliert werden. Wie die relativ hohe Zahl von positiven Tests zeigt, erfüllt das Zentrum seinen Zweck.

„Aus Sicht der Kreisärzteschaften stellt das Schnelltestzentrum eine spürbare Entlastung der Arztpraxen dar“, sagt Dr. Jens Steinat, der Pandemiebeauftragte der Kreisärzteschaften. „Dadurch können wir unseren Kernaufgaben - die Versorgung von symptomatischen Patienten und die Aufrechterhaltung der Regelversorgung - besser nachgehen.“

Wer erhält einen Schnelltest in der Arztpraxis?

Arztpraxen sind nicht verpflichtet, Patienten einen Corona-Schnelltest anzubieten. Ob ein Arzt dies macht, liege ganz in seinem Ermessen, sagt Ärztesprecher Karl-Michael Hess. „Es geht auch nicht ums Geld, sondern es fehlen die Kapazitäten.“ Wenn der vertraute eigene Hausarzt jedoch nicht dazu bereit sei, bleibt Patienten nur der Ausweg, hausieren zu gehen und ihr Glück bei anderen Arztpraxen zu versuchen.

Zuständig ist die Ärzteschaft freilich in akuten Fällen, bei denen der oder die Patientin Symptome zeigt oder einen Risikohinweis der Corona-App auf dem Handy erhalten hat. Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg verweist in diesen Fällen auf die eingerichteten Corona-Schwerpunktpraxen und Fieberambulanzen, die für Patienten mit Infektsymptomen da sind. Im Rems-Murr-Kreis handelt es sich um rund 50 solcher Praxen. (Internet: www.kvbawue.de, Stichwort: Corona-Ambulanzen).

Gibt es einen Corona-Schnelltest in Apotheken?

Nein. „Die Abgabe von Schnelltests an Privatkunden ist nicht zulässig“, sagt Jürgen Frasch, der Sprecher der Apotheker im Rems-Murr-Kreis. Er betreibt die Rathaus-und Schloss-Apotheke in Weinstadt. Apotheken dürfen Coronatests nur an Ärzte oder medizinische Einrichtungen herausgeben. Die gesetzlichen Regelungen seien in diesem Punkt strikt. Aus seiner Sicht aber gehen diese „völlig an der Realität vorbei“. Denn die schreie nach mehr Testmöglichkiten, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. „Die Apotheken könnten einen Beitrag leisten“, ist Frasch überzeugt. „Wir würden gern, dürfen aber nicht.“ Obwohl doch gerade Apotheken das für solche Test geeignete Fachpersonal hätten.

Was ist von Selbsttests zu halten?

Ausdrücklich warnt der Apotheker Jürgen Frasch vor Selbsttests, die man sich im Internet oder sonst wo besorgt hat. Die Gefahr sei, dass der Abstrich nicht richtig erfolgt – sprich: ohne Würgereiz – und der Test folglich ein falsches Ergebnis zeigt. Nämlich trotz Infektion ein falsch negatives, weil nicht genügend Viren auf dem Teststäbchen sind.

Wo gibt es auf die Schnelle jetzt noch einen Coronatest?

Vor den Gefahren falsch negativer Testergebnisse warnt auch Stefan Griesbach, Sprecher des Tübinger Diagnostik-Unternehmens Cegat. Auch das beste Labor könne keine Infektion diagnostizieren, wenn sich auf dem Teststäbchen zu wenig Virenmaterial findet. Bei einem hochinfektiösen Covid-19-Patienten mögen sich Viren auch noch auf der Zunge oder im Mund finden. Bei wenig ausgeprägten Infektionen muss das Teststäbchen tief in den Rachenraum geführt und mehrfach gedreht werden.

Tag für Tag bilden sich auf dem Parkplatz von Cegat lange Schlangen mit Leuten, die sich bei Cegat auf die Schnelle auf Corona oder auch auf Antikörper nach einer Covid-19-Infektion testen lassen wollen. „Die PCR-Tests sind in der Vorweihnachtszeit sehr gefragt“, sagt Griesbach. Mit mehr als einer Stunde Wartezeit müssten die Kunden oft rechnen. Seit Frühjahr bietet Cegat Tests an. Zunächst nur Antikörper-, inzwischen aber auch PCR-Tests für Selbstzahler.

Wie groß der Bedarf ist, zeigt das Beispiel der Firma Covimedical aus dem hessischen Dillenburg, die in ganz Deutschland Schnelltestzentren aus dem Boden sprießen lässt. So jetzt im Bosch-Areal Stuttgart bei der Liederhalle (https://15minutentest.de).

Zu beachten ist: Wer negativ getestet wurde, sollte sich bis zum Besuch bei Oma und Opa in Quarantäne begeben. Es handelt sich bloß um eine Momentaufnahme.

Was kostet ein Schnelltest?

Die Preise für die Tests sind unterschiedlich – und gehorchen offenbar den Gesetzen des Marktes. Je höher die Nachfrage, desto höher der Preis. So verlangt Cegat 65 Euro für einen PCR-Test, dessen Befund am nächsten Tag vorliegt und im Internet abgerufen werden kann. Cegat bietet aber inzwischen auch Kits zum Selbstabstrich an. Er kostet ebenfalls 65 Euro und wird mit einer Anleitung zum Download und einem Erklärvideo zur Verfügung gestellt: „Selbstverständlich besteht das Risiko eines fehlerhaften Selbstabstrichs, dieses halten wir allerdings bei genauer Befolgung der Anleitungen für gering.“

Wer mit dem Flugzeug verreist, benötigt nach der Rückkehr aus einem Risikogebiet eine Unbedenklichkeitsbescheinigung – oder darf ohne negativen Coronatest erst gar nicht in den Flieger steigen. Am Stuttgarter Flughafen bietet das Corona-Testzentrum beiden Personengruppen Tests an. Aber nur nach Voranmeldung. Seit dieser Woche werden auch Reiserückkehrer zur Kasse gebeten. Die Kosten liegen bei rund 130 Euro für den PCR-Test sowie rund 70 bis 80 Euro für einen Antigen-Schnelltest. Kurzfristig ist kaum noch ein Termin zu bekommen, zeigte der Blick am Mittwochmittag in die Online-Anmeldung.

Covimedical in Stuttgart verlangt für einen Antigen-Schnelltest 39,95 Euro. In den beiden Tagen vor Weihnachten kostet der Test bereits 49,95 Euro.

Wie schaut es mit Antikörpertests nach einer überstanden Covid-19-Krankheit aus?

Mehrere Tausend Bürger an Rems und Murr haben mittlerweile eine Covid-19-Infektion überstanden – mit mehr oder weniger schweren gesundheitlichen Folgen. Ob und wie lange man nach einer Coronaerkrankung gegen eine Neuinfektion immun bleibt, ist strittig. Wer auf Nummer sicher gehen will, dass er noch Antikörper hat, kann sich testen lassen. Solche Tests bietet seit dem Frühjahr das Diagnostikunternehmen Cegat an. Notwendig ist eine Blutprobe. Je heftiger die Krankheit verlief, desto mehr Antikörper werden gebildet – und desto länger ist man immun. Das ist die Erfahrung von Cegat, so Sprecher Stefan Griesbach. In Einzelfällen sei es schon vorgekommen, dass sich Patienten mit geringen Symptomen erneut infizierten.

Wer nun als ehemaliger Coronapatient vor Weihnachten wissen will, ob sich überhaupt noch Antikörper im Blut herumtreiben und ob er sich ohne Sorgen bei Oma und Opa zur traditionellen Weihnachtsgans einladen kann, hat nicht mehr viele Möglichkeiten. Er oder sie kann sich in die Schlange bei Cegat einreihen oder sich auf die Suche nach einem netten Arzt machen, der Blut für einen Antikörpertest abnimmt. Das Kit bietet Cegat für 25 Euro an.

Oder aber man nimmt das Risiko in Kauf, sich im Internet einen der zahlreichen Antikörper-Schnelltests zu besorgen – jedoch ohne Gewähr, wie Experten warnen. Laut der WHO gibt es ihn derzeit nicht in einer Qualität, die als verlässlich eingestuft wird.

Der Drogeriemarkt dm bietet neuerdings einen Antikörper-Selbsttest (49,90 Euro) im Internet an, bei dem man sich selbst Blut abnehmen muss. Während Apotheken jeglicher Verkauf von Coronatests an Privatkunden verboten ist, darf dm Antikörpertests im Internet vertreiben. Das Tübinger Regierungspräsidium als die Marktüberwachungsbehörde hat „keinen Hinweis auf einen unzulässigen Vertrieb der Probenahme- und Einsendekits“ gefunden.

Sicher ist sicher: Ein Corona-Schnelltest vor dem Besuch bei Oma und Opa zu Weihnachten gäbe ein gutes Gefühl und würde das schlechte Gewissen beruhigen, nicht ungewollt das Virus unterm Christbaum zu verbreiten. Denn wie hat der Spiegel so treffend formuliert: „Jesus hätte Oma nicht besucht!“ Jedoch jetzt noch auf die Schnelle einen Schnelltest zu ergattern, ist gar nicht so einfach. Das Argument Weihnachtsbesuch zählt nicht, sich testen zu lassen. Es handelt sich um ein kostspieliges

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