Rems-Murr-Kreis

Wieder ein Toter, in Geradstetten: Gleisüberquerungen sind wie Russisch Roulette

Bahnhof Endersbach Bahngleis Bahngleise Gleis Gleise Symbolfoto
Symbolfoto. © ZVW/Gaby Schneider

Erneut ist jemand gestorben, weil er leichtsinnigerweise und verbotswidrig Bahngleise überquert hat und von einem Zug erfasst worden ist. Dieses Mal in der Nacht zum Samstag (21.5.) in Geradstetten. Wie konnte es zu dem Unfall kommen? Wie häufig kommen solche Unglücke eigentlich im Rems-Murr-Kreis vor? Und: warum eine Gleisüberquerung wie Russisch Roulette ist.

Wie die Polizei berichtet, wollten in der Nacht zum Samstag (21.5.2022) zwei offenbar alkoholisierte Männer die Bahngleise auf Höhe des Freibads Geradstetten überqueren. Während der vorausgehende Mann unbeschadet auf der anderen Seite ankam, wurde der nachfolgende 28-Jährige von einem durchfahrenden Zug erfasst und starb. Die Bahnstrecke blieb bis um 2 Uhr morgens gesperrt. Die Kriminalpolizei ermittelt.

Bereits am Freitagnachmittag (20.5.2022) hatte ein Polizeieinsatz am Bahnhof Waiblingen für Verspätungen gesorgt, nachdem kurz nach 14 Uhr vermeintlich eine Person über die Gleise gelaufen war. Die Bundespolizei schickte Einsatzkräfte und ließ den Zugverkehr zunächst einstellen. Von einsatzbedingten Verspätungen waren sowohl S-Bahnen als auch Regionalzüge betroffen.

Am Sonntag, 31.1.2022, war die S-Bahn-Strecke zwischen Schorndorf und Grunbach nachmittags eine Weile gesperrt, weil sich Kinder auf den Gleisen befunden haben sollen. 

Am Samstag, 2. Oktober 2021, nahm ein S-Bahn-Fahrer unterwegs in Richtung Schorndorf gegen 4.50 Uhr kurz vor der Einfahrt in den Endersbacher Bahnhof eine männliche Person in den Gleisen wahr. Trotz einer sofort eingeleiteten Schnellbremsung kam der Zug erst am Bahnhof selbst zum Stehen. Da die Person offenbar von der S-Bahn erfasst worden war, wurde der Rettungsdienst alarmiert. Bei einer Absuche des Gleisbereichs auch mit Einsatz eines Hubschraubers konnte der Unbekannte nicht gefunden werden.

Anfang März 2010 gingen eine 14-Jährige und ein 15-Jähriger beim S-Bahn-Haltepunkt Beutelsbach verbotswidrig über die Gleise. Durch eine Notbremsung konnte der Triebfahrzeugführer der S-Bahn einen Zusammenstoß gerade noch verhindern.

Die Bundespolizei warnt immer wieder vor den Gefahren, die zumeist unterschätzt werden: „Züge nähern sich fast lautlos und können je nach Windrichtung oft erst sehr spät wahrgenommen werden. Selbst bei einer sofort eingeleiteten Notbremsung kommen Züge erst nach mehreren Hundert Metern zum Halt. Der Bremsweg eines Zuges bei 100 km/h beträgt bis zu 1000 Meter. Bahngleise dürfen nur an den hierfür bestimmten Stellen, wie zum Beispiel Über- oder Unterführungen, überquert werden“, erläuterte eine Sprecherin der Bundespolizeiinspektion Stuttgart dieser Zeitung.

Tödliche Unfälle aus Leichtsinn?

Es gibt immer wieder tödliche Personenunfälle auf Bahngleisen, die nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen als Suizide eingestuft werden. Doch auch andere, in denen Gleisüberquerungen aus Leichtsinn, Übermut oder Faulheit infrage kommen.

Am Samstag, 3. Juli 2021, querte im Winnender Bahnhof ein 18-Jähriger das Gleisbett zwischen den Bahnsteigen eins und zwei. „Hierbei stolperte er und wurde von der einfahrenden S 3 erfasst. Er starb noch an der Unglücksstelle“, so die Polizei.

Am Dienstag, 1. Juni 2021, wurde in der Nähe des Bahnhofs von Oppenweiler-Aichelbach ein 14-jähriges Mädchen von einem Go-ahead-Regionalexpress erfasst und tödlich verletzt. Das Mädchen hatte mit einer Freundin im Bereich der Gleise gespielt. Die 14-Jährige wurde trotz einer Vollbremsung des Lokführers vom Zug erwischt und getötet.

Leichtsinn ist offenbar auch am 21. April 2020 einem 17-Jährigen am Nellmersbacher Bahnhof zum Verhängnis geworden. Der Heranwachsende wollte gegen 20.40 Uhr die Gleise überqueren und wurde hierbei von einem Regionalexpress erfasst und tödlich verletzt.

Am 3. Dezember 2019 wurde einem 78-Jährigen in Waiblingen zum Verhängnis, dass er sein Fahrrad in der Gleismulde unterhalb der Brücke der Westumfahrung neben den Gleisen entlang schob, wohl um den Weg abzukürzen. Er wurde von einem Zug erfasst und lebensgefährlich verletzt.

Im September 2018 fand ein älterer Radfahrer in Rudersberg den Tod, der mit seinem Pedelec den Bahnübergang an der Neuen Zumhofer Straße, an dem die Schranken heruntergelassen waren und die Signalanlage Rot zeigte, überqueren wollte und von der Wieslauftalbahn erfasst wurde – dies war der dritte Unfall in diesem Bereich der Bahnstrecke seit 2015 gewesen: Im März 2016 hatte an gleicher Stelle ein 20-jähriger Fußgänger schwere Verletzungen davongetragen, er hatte vermutlich Kopfhörer aufgehabt; im März 2015 hatte ein Mann tödliche Verletzungen erlitten, der Betrunkene war gegen 22 Uhr grob fahrlässig entlang der Gleise in Richtung einer Tankstelle gelaufen, als er vom Zug erfasst wurde.

Erneut ist jemand gestorben, weil er leichtsinnigerweise und verbotswidrig Bahngleise überquert hat und von einem Zug erfasst worden ist. Dieses Mal in der Nacht zum Samstag (21.5.) in Geradstetten. Wie konnte es zu dem Unfall kommen? Wie häufig kommen solche Unglücke eigentlich im Rems-Murr-Kreis vor? Und: warum eine Gleisüberquerung wie Russisch Roulette ist.

Wie die Polizei berichtet, wollten in der Nacht zum Samstag (21.5.2022) zwei offenbar alkoholisierte Männer die Bahngleise

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