Rems-Murr-Kreis

Wilder Müll im Rems-Murr-Kreis: Gibt es bald eine Prämie fürs Anschwärzen?

Müllhalde wilder Müll bwei Recyclinghof Asylantenheim Korb
Da war sogar das Schild für die Katz – doch wie umgehen mit Müllsündern? Wilder Müll in der Nähe des Recyclinghofs Korb. © Habermann

Wilde Müllablagerungen sind ein Ärgernis und verschandeln die Landschaft. Doch deshalb gleich eine Prämie ausloben, um Müllsünder und Umweltverschmutzer zur Strecke zu bringen?

Forderung im Kreisrat: Jährliche Kreisputzete für den Kreis

„Wir forderten schon immer drastische Geldbußen für diese Müllsünder und Umweltverschmutzer“, schrieb die Kreisrätin Gudrun Wilhelm in ihrem Denunziationsantrag. „Mit einem finanziellen Anreiz für diejenigen, welche den Mut aufbringen, diese Verunreiniger unserer Landschaften zur Anzeige zu bringen.“ So weit geht der Ärger im Umwelt- und Verkehrsausschuss dann doch noch nicht über Müllkippen in Feld, Wald und Wiesen. Die Kirchbergerin blieb mit ihrem Antrag erfolglos.

Die Kreisrätinnen und Kreisräte hielten es eher mit dem Dichter August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798–1874), der nicht nur das „Lied der Deutschen“ mit der Strophe „Einigkeit und Recht und Freiheit“ geschrieben hat, sondern auch: „Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant“.

Abgeschmettert wurde nicht nur Wilhelms Antrag zu wilden Müllablagerungen, sondern auch ihre Forderung nach einer jährlichen Kreisputzete und ein sehr spezieller Antrag zu Müllbehältern. Wilhelm echauffiert sich über die Unsitte, Abfalleimer nicht erst kurz vor der Leerung vor die Tür zu stellen, sondern oft mehrere Tage zuvor und manchmal ein ganzes Wochenende lang.

„Nicht nur, dass der Anblick dieser vielen Müllgefäße an den Straßenrändern kein schöner ist. Nein – es werden auch Mäuse, Ratten oder auch Waschbären dadurch angelockt“, begründete sie ihre Forderung an die Abfallwirtschaft Rems-Murr, die Bürgerinnen und Bürger dazu zu verdonnern, „erst ab 16 Uhr des Vortages die jeweiligen Müllgefäße an die Straßen zur Abholung bereitzustellen“.

Der Vorschlag zur Güte von Landrat Richard Sigel, den Punkt Abfalleimer in die „entsprechenden Gremien“, also den Verwaltungsrat der AWRM und den Umwelt- und Verkehrsausschuss, zu verweisen und dort zu besprechen, stieß auf keine Gegenliebe der Kreisrätinnen und Kreisräte. Allen voran der Herren der CDU-Fraktion. Sie nannten einen Verweis in die Gremien schlicht Zeitverschwendung und wollten den aus ihrer Sicht überflüssigen Antrag sofort ad acta legen. Wer, so die Argumentation, solle überhaupt kontrollieren, ob die Graue, Blaue, Gelbe oder Bio-Tonne seit 15.59 Uhr auf der Straße stand oder erst um 16.01 Uhr? Antrag abgelehnt.

„Fairer Landkreis“

Die Kreisräte im Umwelt- und Verkehrsausschuss hatten ein dickes Paket von Anträgen abzuarbeiten. So rigoros wie mit den Anträgen von Gudrun Wilhelm ging das Gremium jedoch nicht mit allen Forderungen, Vorschlägen und Ideen in den Haushaltsberatungen um.

Ob sich der Rems-Murr-Kreis um das Label „Fairer Landkreis“ bewerben soll, wie es sich die Grünen wünschen, wird in den nächsten Monaten in einer weiteren Sitzung geklärt. Ebenso die SPD-Anträge zur Aufwertung des ländlichen Raums, um ein weiteres Höfesterben zu verhindern, oder zu einem ÖPNV-Konzept speziell für den ländlichen Raum. Was für Städte und Ballungsräume gut sei, nämlich mehr und eng getaktete Busse und Bahnen, tauge fürs Land noch lange nicht.

Förderung von „Balkonkraftwerken“

Kontrovers ging es beim Antrag der Gruppe Linke/ÖDP her. Dr. Ronald Borkowski schlug vor, ein Förderprogramm über mindestens 100.000 Euro aufzulegen, mit dem sozial schwache Haushalte sogenannte Balkonkraftwerke kaufen und damit auch in ihren Mietwohnungen einen Beitrag zum Klimaschutz leisten können - und ganz nebenbei bares Geld sparen.

„Gut gemeint, aber überflüssig“, urteilte Hermann Beutel (CDU). Schon heute sei die Nachfrage nach Balkonkraftwerken höher als das Angebot, so dass es zu langen Wartezeiten komme. Einer Förderung bedürfe es nicht, befürchtet Beutel bloße Mitnahmeeffekte seitens der Käufer, die sich sowieso eine Anlage kaufen wollten.

Freie-Wähler-Kreisrat Ahrens hielt den Antrag zwar für grundsätzlich richtig. Eine Förderung des Kreises überschneide sich jedoch mit entsprechenden Programmen von Städten und Gemeinden an Rems und Murr. Zustimmung signalisierte Gernot Gruber (SPD). Mit knapper Mehrheit – zehn zu acht Stimmen – wurde der Antrag abgelehnt.

„Tierwohl und Regionalität“

Auf Vorschlag der FDP-FW-Fraktion wird der Rems-Murr-Kreis im ersten Halbjahr 2023 eine Veranstaltung „Tierwohl und Regionalität“ durchführen, Ziel soll sein, die Öffentlichkeit über die bestehenden Angebote aus regionaler Fleischerzeugung zu informieren. Ferner schlug die FDP-FW-Fraktion eine Konferenz fürs Fachpublikum, also Landwirte und Metzgereien, vor, um das Projekt von hofnahen Schlachtungen von Bio-Tieren voranzutreiben.

Wiesel: Wasserstoff oder Batterie?

„Schauanträge“, beschied Hermann Beutel (CDU) drei Anträgen der SPD-Fraktion. Unter der Überschrift „Rolle als Modellregion für Wasserstofftechnologie stärken“ hatten die Sozialdemokraten unter anderem angeregt, die Erfahrungen der Verkehrsbetriebe Elbe-Weser zu analysieren, die kürzlich Wasserstoff-Züge in Betrieb genommen haben.

Der Schorndorfer CDU-Gemeinde- und Kreisrat Beutel wollte jedoch keinesfalls eine Neuauflage der Diskussion, mit welcher Technologie künftig die Züge der Wieslauftalbahn unterwegs sind.

Batterie oder Wasserstoff? Das Thema sei „bis zum Erbrechen behandelt“, äußerte Beutel seinen Unmut über die aufgewärmte Debatte. Bekanntlich wurden die ambitionierten Pläne, den Wiesel mit grünem Wasserstoff „made in Waiblingen“ zu betreiben, nach einem weiteren Gutachten der Hochschule Esslingen wieder über den Haufen geworfen.

Nach jüngsten Erkenntnissen stellen sich Batterien doch als kostengünstigere Technologie heraus. Beutel befürchtet „Zeitverschwendung“. Ohne Erfolg. Gegen die Stimmen der sechs CDU-Kreisräte im Ausschuss werden die Wasserstoff-Züge an Elbe und Weser im Umwelt- und Verkehrsausschuss nun doch analysiert.

Wilde Müllablagerungen sind ein Ärgernis und verschandeln die Landschaft. Doch deshalb gleich eine Prämie ausloben, um Müllsünder und Umweltverschmutzer zur Strecke zu bringen?

Forderung im Kreisrat: Jährliche Kreisputzete für den Kreis

„Wir forderten schon immer drastische Geldbußen für diese Müllsünder und Umweltverschmutzer“, schrieb die Kreisrätin Gudrun Wilhelm in ihrem Denunziationsantrag. „Mit einem finanziellen Anreiz für diejenigen, welche den Mut aufbringen, diese

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