Rems-Murr-Kreis

Winnender Wagniskapital für Start-ups: Warum Kärcher auf die jungen Wilden setzt

Jenner
Kärcher - im Bild: der Vorstandsvorsitzende Hartmut Jenner - investiert systematisch in Start-up-Firmen. © Benjamin Büttner

Wagniskapital heißt das Zauberwort: Die Firma Kärcher investiert systematisch in junge, innovative Unternehmen. Die Zusammenarbeit mit dem Berliner Luftreiniger-Start-up Wairify ist nur das jüngste Beispiel in einer ganzen Serie.

Die Pressemitteilung ließ aufhorchen: „Wir sind von der Leistungsfähigkeit dieser neuartigen Technologie überzeugt und freuen uns sehr, mit Wairify den nächsten Schritt zur Marktreife zu gehen“, erklärte Kärcher-Chef Hartmut Jenner. Und Michael Dietzen, CEO der Wairify GmbH: „Durch diese Zusammenarbeit schaffen wir die Markteinführung und den schnellen Ausbau einer Innovation ‚made in Germany’.“

Auf der einen Seite ein erst im April 2021 gegründetes Technologie-Start-up; auf der anderen Seite ein Global Player: Was auf den ersten Blick wirkt wie die seltsame Hochzeit eines äußerst ungleichen Paars, hat bei näherem Hinsehen Methode.

Um solche Kooperationen einzufädeln, hat Kärcher gar eine eigene Gesellschaft gegründet, die „Kärcher New Venture GmbH“. Beim dafür eingesetzten Geld redet man von Wagniskapital (englisch: Venture Capital).

Das Beispiel Wairify: Warum Kärcher Chancen in dem Start-up sieht

Es geht typischerweise um Unternehmensideen, die noch in ihren Anfängen stecken und deshalb Risiken bergen, aber im Erfolgsfall hohes Wachstum versprechen. Wikipedia schreibt: Als Ausgleich für das eingegangene Risiko erhalten Kapitalgeber oft „Anteile am Unternehmen“.

Auch wenn der journalistische Geisteswissenschaftler überfordert ist beim Versuch, alle technischen Details im folgenden Auszug aus der Pressemitteilung zu verstehen – eine Ahnung, worum es geht, lässt sich wohl gewinnen: Wairify setzt auf eine neue Technologie namens „Plasmareinigung“ – dabei wird Innenraumluft auf hocheffiziente Weise von Schadstoffen und Verunreinigungen wie beispielsweise Krankheitserregern gesäubert. Das System arbeitet „ohne regelmäßig zu erneuernde Filter“, wodurch „Abfall vermieden“ wird, „funktioniert auf molekularer Basis und eliminiert und desinfiziert sämtliche Luftschadstoffe in einem sicheren Plasmafeld. Dabei bindet es Rückstände und Abbauprodukte im Wasser. Dieses ist so sauber, dass es nach dem Einsatz zum Gießen von Pflanzen verwendet werden kann und nur hin und wieder gewechselt werden muss.“ Die patentierte Technologie zerstört und bindet nicht nur Feinstäube, Allergene, Viren, Bakterien und Schimmelsporen, sondern „neutralisiert auch Gerüche“.

Das Beispiel Mysoda: von unterfinanziert zu gut kapitalisiert

Unlängst erst gab es eine ganz ähnliche Pressemitteilung: Kärcher werde Hauptinvestor beim finnischen Start-up Mysoda, das Sprudelgeräte für Privathaushalte entwickelt und produziert, nebst den passenden Aroma-Konzentraten und CO2-Zylindern. Wie alle Sprudelgeräte tragen auch die Produkte von Mysoda zur Reduzierung von Transporten und Vermeidung von PET-Flaschen bei – darüber hinaus aber verwendet Mysoda kein fossiles Plastik, sondern stellt seine Flaschen aus Biokomposit her, einem holzbasierten und erneuerbaren Material, das aus Abfällen der Forst- und Papierindustrie gewonnen wird.

Auch die Zitate der Führungskräfte erinnerten an den Fall Wairify – David Solomon, CEO von Mysoda: „Nach all den Anlaufschwierigkeiten fühlt es sich wirklich gut an, den Schritt von einem unterfinanzierten Start-up zu einem gut kapitalisierten Wachstumsunternehmen zu machen“ – dank der „bedeutenden Minderheitsbeteiligung“ von Kärcher „haben wir jetzt die Mittel, um uns zu behaupten“. Und Hartmut Jenner: „Wir sind von der Innovationskraft von Mysoda überzeugt und freuen uns, das Unternehmen bei seinem weiteren Wachstum aktiv zu unterstützen.“

Wir hätten da noch ein paar ...

Kärchers Venture-Portfolio ist mittlerweile breit: Das Unternehmen investiert in

  • Homebell, den Entwickler einer digitalen Plattform für Handwerkerdienste,
  • Contorion, einen Online-Shop für Profi-Werkzeuge,
  • Skyline Robotics, spezialisiert auf automatisierte Reinigung von Hochhäusern,
  • InOrbit, Anbieter einer cloud-basierten Plattform für Roboter-Steuerung,
  • Mitte, einen Produzenten von Wasserfiltrationsgeräten für Privatanwender,
  • ZanCompute, eine auf künstlicher Intelligenz basierende Analyseplattform für das Gebäudemanagement.

Kooperationen gibt es auch mit

  • Library of Things (Kurzzeitvermietungen von Haushaltsgeräten),
  • Planetly (Software zur Analyse, Reduktion und Kompensation des CO2-Fußabdrucks von Unternehmen),
  • Tulu (App-Vermietplattform für Wohnanlagen),
  • Loadbee (IT-Plattform zur Vernetzung von Markenherstellern und Händlern),
  • PreWave (Technologie zur Vorhersage von Lieferkettenrisiken),
  • Ready2Wash (Digital-Marktplatz für Selbstbedienungs-Autowaschanlagen),
  • SightCall (cloud-basierte Plattform für Videounterstützung bei Serviceanrufen und Ferndiagnose),
  • Wendero (Expertise in der Digitalisierung von Marketing und Vertrieb).

Auf seiner Internetseite lädt „Kärcher New Venture“ junge Unternehmen ausdrücklich ein: „Haben Sie eine zukunftsfähige Geschäftsidee? Dann nehmen Sie am besten gleich Kontakt mit uns auf.“

Wagniskapital heißt das Zauberwort: Die Firma Kärcher investiert systematisch in junge, innovative Unternehmen. Die Zusammenarbeit mit dem Berliner Luftreiniger-Start-up Wairify ist nur das jüngste Beispiel in einer ganzen Serie.

Die Pressemitteilung ließ aufhorchen: „Wir sind von der Leistungsfähigkeit dieser neuartigen Technologie überzeugt und freuen uns sehr, mit Wairify den nächsten Schritt zur Marktreife zu gehen“, erklärte Kärcher-Chef Hartmut Jenner. Und Michael Dietzen, CEO

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