Rems-Murr-Kreis

"Wir müssen die Klimasünder erreichen": Bürgerdialog Klimaschutz in Kernen

Bürgerdialog
Eine der Diskussionsrunden beim Bürgerdialog Klimaschutz im Bürgerhaus in Rommelshausen. © Büttner

Es ist einfach zu viel: Im Rems-Murr-Kreis werden jährlich 3,53 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen. Einen Anteil von 41 Prozent hat dabei Wärme, dahinter steht Treibstoff mit über einem Drittel, und 25 Prozent macht Strom aus. Um diesen Werten entgegenzuwirken, bereitet der Rems-Murr-Kreis aktuell das 4. Klimaschutz-Handlungsprogramm vor. Teil davon waren zwei Bürgerdialoge, in denen die Einwohner des Kreises ihre Ideen direkt an die Stabsstelle Klimaschutz und an Landrat Dr. Richard Sigel weitergeben konnten.

Dabei standen folgende Fragen im Mittelpunkt: Wie können wir gemeinsam besser Klimaschutz betreiben? Welche Klimaschutzangebote braucht es? Und welche Formate für Austausch und Vernetzung benötigen wir, um den Klimawandel - man müsste wohl eher sagen: die Erderhitzung - flächendeckender anzugehen?

Diesen Fragen stellten sich am Donnerstagabend 25 Bürgerinnen und Bürger im Bürgerhaus der Gemeinde Kernen, diskutierten an drei Thementischen – und beantworteten die Einstiegsfrage, wo wir uns in acht Jahren befinden werden, größtenteils pessimistisch. Blenden wir uns ein in die Debatte ...

Zum Teil fehlt die Akzeptanz in der Bevölkerung

Ein Großteil der Anwesenden im Raum vermutet, dass wir 2030 nicht viel weiter sein werden als heute. Für wichtige Klimaprojekte werde auch in Zukunft oft kein Geld vorhanden sein, und damit sei es abgebügelt, sagt Dieter Heinle aus Plüderhausen. Anders sieht es Manfred Siglinger. „Wir müssen positiv denken, Negatives bringt uns nicht voran“, so der Weinstädter.

Doch welche Herausforderungen müssen überwunden werden, um positiver in die Zukunft blicken zu können? Vor allem finanzielle Rahmen und Fachkräfte müssten vorhanden sein, um das Problem zu lösen. Außerdem müsse der fehlenden Akzeptanz in der Bevölkerung entgegengewirkt werden. Die Lösung dabei sei es, klare Ziele als Anreiz zu setzen. „Mit Daten und Fakten erreichen wir Akzeptanz und können die Emotionen rausnehmen“, hofft Claus Heinbuch aus Weinstadt. Wichtig dabei laut Dieter Heinle: Eine Datengrundlage schaffen, um zu erkennen, wie der aktuelle Stand sei und wo wir hinwollen.

Welche Zielgruppe muss dabei besonders erreicht werden? Vor allem die „Klimasünder“, findet Ursula Zeeb. Um diese Zielgruppen zu wecken, haben die Anwesenden verschiedene Ansätze. Eine entscheidende Rolle würden Kinder und die Vermittlung spielen. Um an Kinder heranzukommen, sei die Präsenz an Schulen wichtig. Der Kreis solle laut Claus Heinbuch schon in den Grundschulen aufklären und durch Aktionen zum klimafreundlichen Leben anstoßen. Auch Ursula Zeeb stimmt dem zu: „Kinder sind kritisch und bewirken am allermeisten“.

Auch medial müsse sich nach Claus Heinbuch etwas tun. Die Zeitungen müssten mehr informieren, genauso die Informationsblätter der Gemeinden, in denen man selten etwas zum Thema Klimaschutz finde.

Jugendliche erreicht man dabei besonders über soziale Netzwerke. Landrat Richard Sigel berichtet von einem eingerichteten Instagram-Account des Kreises, der dies vermitteln soll. Die Klickzahlen und Abonnenten sprächen für eine positive Resonanz.

Wer Klimaschutz nicht anpackt, sollte keine Förderung bekommen

Für Ursula Zeeb muss sich auch etwas in den Kommunen verändern. Ihre Idee: Sie bekommen in bestimmten Abteilungen keine Förderungen mehr, wenn sie Klimaschutzthemen nicht umsetzen. Bei Kommunen laufe es nur, wenn sie „am langen Zügel der Förderungen sind“. Des Weiteren sollte aus ihrer Sicht mindestens jede zweite Bürgermeistersitzung die Themen Klimaschutz und Biodiversität beinhalten.

Eine weitere Idee: Bürgerversammlungen und Bürgerräte. Bei Bürgerversammlungen könnte die Verwaltung regelmäßig über den aktuellen Stand informieren. Bei Bürgerräten würde man Menschen ansprechen, die sich normalerweise im Hintergrund aufhalten würden.

Beim Thema Klimaschutz sind es oft Ehrenamtliche, die sich in den Kommunen engagieren. Ursula Zeeb plädiert dafür, diese zu monetarisieren: Ehrenamtlich Tätige könnten für Zuschüsse erforderliche Eigenmittel meist nicht finanzieren. Mit der Bezahlung der Arbeitsstunden könnten Zuschüsse einfacher zu bekommen sein.

Wichtig sei es, Themen als Vorbilder zu nutzen, bei denen es funktioniert, fasst Felicia Wurster, Klimaschutzchefin des Rems-Murr-Kreises zusammen: Im Naturschutz gebe es Naturschutzbeauftragte – diese könne man auch im Klimaschutz einführen.

Die Ergebnisse des Bürgerdialogs sollen in das 4. Klimaschutzhandlungsprogramm integriert werden.

Es ist einfach zu viel: Im Rems-Murr-Kreis werden jährlich 3,53 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen. Einen Anteil von 41 Prozent hat dabei Wärme, dahinter steht Treibstoff mit über einem Drittel, und 25 Prozent macht Strom aus. Um diesen Werten entgegenzuwirken, bereitet der Rems-Murr-Kreis aktuell das 4. Klimaschutz-Handlungsprogramm vor. Teil davon waren zwei Bürgerdialoge, in denen die Einwohner des Kreises ihre Ideen direkt an die Stabsstelle Klimaschutz und an Landrat Dr. Richard Sigel

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