Rems-Murr-Kreis

Wo ich meinen Genesenen-Nachweis herbekomme und warum "alte" PCR-Dokumente nicht zählen

Test
Dieses PCR-Test-Dokument vom Oktober 2020 ist als Genesenen-Nachweis nicht mehr gültig, weil es älter als sechs Monate ist. © Benjamin Büttner

„Wenn man schon 2020 eine Corona-Erkrankung überstanden hat, jedoch keinen positiven PCR-Test-Nachweis von damals vorweisen kann oder der Nachweis zu lange zurückliegt, wird man benachteiligt. Das geht mir und mehreren Freunden und Bekannten so“, sagte ein Leser dieser Zeitung am Telefon. „Um als Genesener Freiheiten zurückzubekommen, kann es nun also sein, dass wir uns zusätzlich auch noch impfen lassen müssen. Und das, obwohl Genesene eine viel höhere Antikörper-Konzentration haben als Geimpfte. Ein Antikörpertest gilt aber nicht als Genesenen-Nachweis.“

Stimmt das?

Wie weise ich nach, dass ich genesen bin?

„Als genesen gelten Sie, wenn Sie innerhalb der letzten sechs Monate positiv mittels PCR oder eines anderen Nukleinsäurenachweises auf Sars-CoV-2 getestet wurden und das Testergebnis mindestens 28 Tage zurückliegt“, zitiert das Landes-Sozialministerium in seinen FAQ aus der sogenannten SchAusnahmV des Bundes (Verordnung zur Regelung von Erleichterungen und Ausnahmen von Schutzmaßnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von Covid-19). „Wenn Ihr Testdatum länger als sechs Monate zurückliegt, gelten Sie nicht mehr als genesene Person im Sinne der Verordnung.“

Es gebe bislang keinen speziellen „Genesenen-Ausweis“ oder eine spezielle Bescheinigung, die man als Genesener anfordern könnte. „Bitte sehen Sie hier von Anfragen an das Gesundheitsamt oder Arztpraxen ab“, appelliert das Sozialministerium. „Ihr Nachweisdokument muss als wichtigstes Kriterium erkennen lassen, dass Ihre Infektion mittels PCR-Testung bestätigt wurde. Darüber hinaus muss zusätzlich zum Test-/Meldedatum klar ersichtlich sein, auf welche Person das Dokument ausgestellt wurde. Akzeptiert werden digitale Versionen sowie Papierversionen.“ Als Nachweis gelten:

  • PCR-Befund eines Labors oder
  • PCR-Befund einer Ärztin/eines Arztes oder
  • PCR-Befund einer Teststelle oder eines Testzentrums oder
  • ärztliches Attest, sofern dieses Angaben zur Art des Tests (nämlich PCR) und zum Testdatum enthält oder
  • die Absonderungsbescheinigung, sofern diese Angaben zur Art des Tests (nämlich PCR) und zum Testdatum enthält,
  • oder weitere Bescheinigungen von Behörden, sofern diese Angaben zur Art des Tests (nämlich PCR) und zum Testdatum enthalten.

Was gilt nicht als Nachweis?

Nicht (!) anerkannt als Genesenen-Nachweis-Dokument werden beispielsweise:

  • ein Antigen-Schnelltest-Nachweis,
  • Quarantänebescheinigungen, die keine Angaben zur Art des Tests (nämlich PCR) und/oder Test-/Meldedatum enthalten.
  • Antikörpernachweise,
  • Krankheitsatteste.

Hat der Leser also recht?

Ja, der Leser hat recht. Schon vor dem Dezember 2020 an Covid-19 Erkrankte und wieder Genesene werden benachteiligt. Sie gelten nicht mehr als Genesene im Sinne der SchAusnahmV. Es muss ein positives PCR-Test-Ergebnis vorgelegt werden, dass einmal eine Covid-19-Erkrankung bestanden hat, aber dieses darf nicht länger als sechs Monate zurückliegen. Wer also schon vor Dezember 2020 Covid-19 hatte, kommt nun also nicht automatisch in den Genuss, Grundrechte und Freiheiten zurückzuerhalten.

Warum zählen Antikörpertests nicht als Genesenen-Nachweis?

Die Qualität auf dem Markt befindlicher Tests für den Nachweis von Sars-CoV-2-Antikörpern sei sehr variabel und die Tests unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Testgenauigkeit und Verlässlichkeit, erläutert das Robert-Koch-Institut (RKI), mit Stand vom 25. Mai. Auch sei bisher nicht bekannt, wie hoch die Antikörperkonzentration sein muss, um nach durchgemachter Sars-CoV-2-Infektion von einem sicheren Schutz ausgehen zu können. Deshalb sei zurzeit keine pauschale Bewertung von Antikörpertests für den Nachweis eines Immunschutzes möglich.

Bei diesen Unsicherheiten sei es geboten, auch diejenigen zu schützen, die möglicherweise trotz positivem Antikörpertest keinen Schutz vor Covid-19 aufgebaut haben, so das RKI. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfehle daher bei einem alleinigen Antikörpernachweis eine vollständige Impfserie, frühestens aber sechs Monate nach überstandener Covid-19-Erkrankung.

Das Landes-Sozialministerium rät: „Bitte überprüfen Sie zunächst in Ihren Unterlagen, ob Sie nicht doch eines der Dokumente besitzen oder noch online (beispielsweise in entsprechenden Portalen oder Labor-Apps) abrufen können, die in der Antwort zur Frage ‘Wie weise ich nach, dass ich genesen bin?’ genannt sind.“

Falls dies nicht der Fall ist, sollten sich Genesene bitte zunächst an diejenige Stelle, an der der PCR-Test durchgeführt wurde, wenden. Aufgemerkt: „Arztpraxen, denen kein Testergebnis von Ihnen vorliegt und bei denen Sie auch nicht wegen einer Covid-19-Erkrankung als Patient vorstellig wurden, können auch kein entsprechendes Dokument herausgeben. Wenn Ihnen das Labor bekannt ist, können Sie dort anfragen. Bitte beachten Sie, dass für eine erneute Ausstellung dieser Dokumente gegebenenfalls Bearbeitungsgebühren anfallen.“

Optional rät das Ministerium: „Erkundigen Sie sich bei Ihrer Ortspolizeibehörde oder Ihrem Gesundheitsamt, welche Konditionen hier für die Ausstellung eines erneuten Nachweises gelten.“

Wie wird das grundsätzlich im Rems-Murr-Kreis gehandhabt?

„Erste Anlaufstelle für einen Genesenen-Nachweis ist immer der Arzt/das Labor, das den PCR-Test gemacht hat. Zweite Anlaufstelle das Rathaus, erst dann kommt das Gesundheitsamt“, sagt Leonie Ries, Sprecherin des Landratsamtes.

„Alternativ ist auch der Quarantänebescheid des Rathauses als Nachweis möglich. Dort muss vermerkt sein, dass ein PCR-Test positiv war und wann der Test erfolgte“, steht in einer Mitteilung des Landratsamts.

Wenn das nicht möglich ist, können sich Bürgerinnen und Bürger unter corona-zeugnis(@)rems-murr-kreis.de an das Gesundheitsamt wenden. Dort kann gegen eine Gebühr von 9,80 Euro (inklusive Porto) eine Bescheinigung ausgestellt werden.

Bitte unbedingt angeben: den vollständigen Namen und Adresse sowie Geburtsdatum.

„Wenn man schon 2020 eine Corona-Erkrankung überstanden hat, jedoch keinen positiven PCR-Test-Nachweis von damals vorweisen kann oder der Nachweis zu lange zurückliegt, wird man benachteiligt. Das geht mir und mehreren Freunden und Bekannten so“, sagte ein Leser dieser Zeitung am Telefon. „Um als Genesener Freiheiten zurückzubekommen, kann es nun also sein, dass wir uns zusätzlich auch noch impfen lassen müssen. Und das, obwohl Genesene eine viel höhere Antikörper-Konzentration haben als

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