Rems-Murr-Kreis

Wo setzen Ex-CDU-Wähler lieber ihr Kreuz? - eine Analyse der Wählerwanderungen

Wahllokal
Der Stimmzettel. © Alexandra Palmizi

Auf die Wähler ist kein Verlass. Stammwähler von einst werden in Scharen ihren vertrauten Parteien untreu und haben am Sonntag ihr Kreuz an anderer Stelle gesetzt. So verlor die CDU bei den Bundestagswahlen fast ein Viertel ihrer Wählerschaft. Im Vergleich zur Wahl 2017 fehlten den Christdemokraten bei der abendlichen Auszählung 13 130 Stimmen. Die Wahl war für die CDU ein Desaster. Doch wohin sind all die abtrünnigen Wählerinnen und Wähler gegangen? Das Institut für Wahl-, Sozial- und Methodenforschung hat für den Zeitungsverlag Waiblingen den Volkswandertag im Wahlkreis 264 unter die Lupe genommen und analysiert.

Dr. Andreas Kohlsche, der Leiter des Wahlforschungsinstitutes, beziffert die Fehlerquote seiner Zahlen selbstbewusst im Promillebereich. Mit der Prognose des Wahlergebnisses auf Bundesebene am Freitagnachmittag hatte Kohlsche nicht schlecht gelegen: CDU und SPD je 25 Prozent, Grüne 15 Prozent. Der Linken hatte Kohlsche jedoch mehr als fünf Prozent zugetraut und der FDP „maximal zehn Prozent“. Am Montagmittag legte das IWSMF die Analyse des Wahlverhaltens vor.

Nutznießer der CDU-Verluste waren in gleichem Maße FDP und SPD

Fangen wir beim großen Verlierer der Bundestagswahl im Wahlkreis Waiblingen an: der CDU (44.987 Stimmen: 25,7 Prozent - ein Minus von 7,3 Prozentpunkten). Nutznießer waren im gleichen Maße FDP und SPD. 4050 ehemalige Christdemokraten votierten für die SPD und 4120 für die FDP. Aber auch zu den Grünen (2870) liefen einstige Merkel-Wähler/-innen über - oder ließen die Bundestagswahl ganz sausen. 790 Menschen gingen gar nicht mehr zur Wahl und zählen zu den Nichtwählern.

Zweiter großer Verlierer am Sonntag war die AfD (15.473 Stimmen: 8,9 %, ein Minus von 4,0 Prozentpunkten). In Zahlen summiert sich der Verluste auf 7300 Wahlbürger, die der Alternative für Deutschland den Rücken kehrten. Davon machten 1850 ihr Kreuz am Sonntag bei der SPD, 1210 bei den Grünen und 1060 bei der FDP.

Der dritte Verlierer war am Sonntag die Linke (5001 Stimmen: 2,9 %, ein Minus von 2,7 Prozentpunkten). Sie büßte die Hälfte ihrer Wähler ein. 1670 einstige Linke-Wähler zog es zur SPD (zurück?), 1220 entschieden sich am Sonntag für die Grünen. Die Linke wurde zerrieben.

Einige Grünwähler zur SPD abgewandert

Damit sind wir bei den Gewinnern der Bundestagswahl. Allen voran eine in den vergangenen Jahren Wahl für Wahl gedemütigte Partei, die SPD (37.753 Stimmen, 21,6 %, ein Plus von 5,7 Prozentpunkten). Die Sozialdemokraten gewannen 9770 Wähler zurück, von denen 4050 aus dem CDU-Lager stammen, 1670 zuvor links gewählt hatten oder vor vier Jahren frustriert bei der AfD ihr Kreuz gemacht hatten (1850).

Auch die Grünen zählen zu den Gewinnern (27.098 Stimmen, 15,5 Prozent, ein Plus von 3,3 Prozentpunkten). Doch die Freude bei den Grünen ist getrübt. Schließlich hatten sie vor einem halben Jahr im Rems-Murr-Kreis bei der Landtagswahl noch auf Platz eins gestanden und auf das Bundeskanzleramt geschielt. So gesehen fällt das Plus von 5680 Stimmen recht mager aus, zumal sie hinter CDU, SPD und FDP nur die viertgrößte Macht sind. Zugewandert sind den Grünen Stimmen von der CDU (2870), von den Linken (1220) und selbst von der AfD (1210). Auch 870 ehemalige FDP-Wähler haben am Sonntag Grün gewählt, wohingegen 440 einstige Grünwähler zur SPD abgewandert sind.

Unstetes Völkchen: FDP-Wähler

Zu den Siegern darf sich die FDP zählen (30.999 Stimmen, 17,7 %, ein Plus von 1,8 Prozentpunkten). FDP-Wähler sind ein unstetes Völkchen, zeigt der Blick auf die Zahlen des Wahlforschungsinstitutes: Von der CDU herüber kamen 4120 Stimmen und von der AfD 1060 Stimmen. Hingegen liefen von der FDP 1420 ehemalige Wähler zur SPD und weitere 870 zu den Grünen über. Unterm Strich aber verbuchte die FDP ein Plus von 2530 Stimmen. Diese reichten, um die Grünen von einem Podestplatz zu stoßen und sich als drittstärkste politische Kraft hinter CDU und SPD einzureihen.

Interessant ist ein Blick auch unter die Fünf-Prozent-Hürde, allen voran zu den Freien Wählern, die 2452 Stimmen verbuchten. Das Plus von 1420 Stimmen stammte ein Gutteil von AfD (430) und CDU (420).

Je nach Blickwinkel war die Wahlbeteiligung mit 79,3 Prozent unverändert hoch oder niedrig. Fast 50.000 Wahlberechtigte haben kein Kreuz gemacht und zählen mithin zu Nichtwählern. Davon gab es laut IWSMF am Sonntag 1260 mehr als vor vier Jahren. Das Reservoir wurde von 790 einstigen CDU-Wählern (790), AfDlern (750) und auch Linken (350) gespeist. Die SPD holte sich von den Nichtwählern immerhin 330 Stimmen.

Auf die Wähler ist kein Verlass. Stammwähler von einst werden in Scharen ihren vertrauten Parteien untreu und haben am Sonntag ihr Kreuz an anderer Stelle gesetzt. So verlor die CDU bei den Bundestagswahlen fast ein Viertel ihrer Wählerschaft. Im Vergleich zur Wahl 2017 fehlten den Christdemokraten bei der abendlichen Auszählung 13 130 Stimmen. Die Wahl war für die CDU ein Desaster. Doch wohin sind all die abtrünnigen Wählerinnen und Wähler gegangen? Das Institut für Wahl-, Sozial- und

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