Rems-Murr-Kreis

Youtuber MrWissen2Go ermahnt CDU und Junge Union: Inhaltlich  Jugendliche ernst- und mitnehmen

JU digital
Mirko Drotschmann (unten) und Staatssekretär Steffen Bilger MdB mit Moderatorin Ann-Cathrin Simon. © privat

Was kann die CDU tun, damit nicht Youtuber vielen jungen Menschen die Politik erklären? Wie die Partei-Inhalte an die netzaffine Jugend ranbringen? Diese Fragen beschäftigten junge Christdemokraten. Der JU-Kreisverband hat den Youtuber Mirko Drotschmann, vielen bekannt als MrWissen2Go, zu einer digitalen Gesprächsrunde eingeladen und gefragt, wie die Partei die Jugend zurückgewinnen kann.

Ziemlich genau zwei Jahre ist es her, im Mai vor der Europawahl, da sorgte das 17 Millionen Mal aufgerufene Video „Die Zerstörung der CDU“ des Youtubers Rezo bundesweit für Schlagzeilen. Der blauhaarige Netz-Freak bekam Klicks ohne Ende, die etablierte CDU stand bedröppelt da. Sie nahm, erst Tage später, als der erste digitale Aufmerksamkeitsdampf bereits wieder verpufft war, in einem elfseitigen pdf-Dokument Stellung zu den Vorwürfen - das war kein Ruhmes(pdf-)blatt, wie sich zeigte.

Kritik der Umwelt- und Sozialpolitik

Mit seiner Kritik der Umwelt- und Sozialpolitik brachte der bis dato nur der Social-Media-Gemeinde bekannte Mittzwanziger einen sensiblen Punkt in die öffentliche Diskussion: Die Kommunikation der Partei war nicht gut vorbereitet aufs digitale Zeitalter. Das pdf sei zu einem „Sinnbild“ dafür geworden, dass die CDU „die Jugend verloren“ habe, sagte in ihrer Begrüßung vor 80 Interessierten die Kreisvorsitzende Carolin Katharina Schöllkopf.

War es nicht die „denkbar schlechteste Antwort“, mit einem pdf-Ungetüm auf die schnelle Ansprache im Netz zu reagieren, wollte Moderatorin Ann-Cathrin Simon, die stellvertretende Bezirksvorsitzende der JU Nordwürttemberg, wissen. „Das Dokument war gut, aber der Zeitpunkt nicht“, blickte Mirko Drotschmann zurück. Die Reaktion sei gekommen, nachdem das Kind bereits in den Brunnen gefallen war. „Sofort Gesprächseinladung rausschicken über Twitter, damit es viele mitkriegen, ein seriöses Antwortvideo mit dem Kanzlerkandidaten oder Kanzlerin Merkel, ohne viele Jump-Scares und Effekte. Damit hätte man was erreicht, indem man zeigt: Wir nehmen euch und die Kritik an.“

Rezos Video sei hilfreich gewesen, weil sich die Jugend geäußert hat, die sich nicht ernstgenommen fühlt. Seine Kritik sei zunächst ins Lächerliche gezogen worden, „da sind verächtliche Worte gefallen“, so der beim SWR ausgebildete Journalist, Webvideoproduzent und Moderator. Hat Mirko Drotschmann recht, wenn er sagt, Jugend und Politik entfernen sich immer weiter voneinander? Sein Diskussionspartner war Steffen Bilger, Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Ludwigsburg sowie CDU-Bezirksvorsitzender. Er versicherte: Heute wäre man vorbereitet, würde sofort den Dialog suchen. „Wir haben sichergestellt, dass wir aufkommende Debatten im Netz besser verfolgen und einschätzen können.“ Das Konrad-Adenauer-Haus werde in Zukunft schneller reagieren, Abstimmungsprozesse seien dafür verschlankt worden.

Umsetzung politischer Ziele dauert oft zu lang

Als parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur stellte Bilger anhand des Beispiels Digitalisierung dar, dass die Umsetzung politischer Ziele oft zu lang gedauert habe - etwa vom Entschluss, das Glasfasernetz auszubauen, bis zur Umsetzung. Zwar hätten nur noch vier Prozent der Haushalte in Deutschland nicht ausreichend Bandbreite für Videokonferenzen - allerdings seien dies immer noch 2,5 Millionen Menschen. „Wir wollen mit Technologieoffenheit der Zukunft begegnen. Damit können wir sicherlich auch viele Jugendliche überzeugen“. Das müsse die Partei ebenso bei den Themen Umwelt und soziale Gerechtigkeit rüberbringen - Themen, die der Jugend am Herzen liegen. Er erlebe sie auf Diskussionsveranstaltungen oder bei Schulbesuchen keineswegs als politisch desinteressiert. „Wenn wir mit ihnen ins Gespräch kommen, haben wir mit unseren Argumenten die Chance, sie zurückzuholen.“ In Sachen Klimapolitik habe die CDU viel aufgeholt.

Mit der Feststellung, dass die CDU in Sachen Klima aus Sicht vieler junger Menschen zu wenig aktiv sei, leitete Moderatorin Ann-Cathrin Simon über zum Erfolg von Fridays for Future. „Die Jugend denkt, dass die CDU nichts fürs Klima tut. Selbst wenn die CDU komplett darauf einsteigen würde, habe ich das Gefühl, Fridays for Future würde immer noch in Opposition dazu gehen.“ Was konnten sie gut, dass jeder sie kennt und ernst nimmt? „Sie haben ihr Sprachrohr genutzt, Druck aufgebaut“, sagte Mirko Drotschmann.

Themen der Jugend aufgreifen

Den Ratschlag, die Themen der Jugend aufzugreifen, „ohne sie gleich mit einem Parteienmitgliedsformular“ zu überrennen, nahm Bilger interessiert auf. Mirko Drotschmanns Argument: Viele Jugendliche legten sich nicht auf eine Partei fest, sondern engagierten sich „punktuell für einzelne Projekte“, die sie wichtig finden und von denen sie sich einen Sinn versprechen. Es sei auch nicht mehr die Generation, die morgens als Erstes die Zeitung aufschlägt und Facebook zur politischen Meinungsbildung nutzt. Instagram, mehr und mehr auch das Videoportal Tik Tok, seien ihre primären Info-Quellen.

Parteien sollten nicht den Fehler machen, auf allen digitalen Hochzeiten in allen Kanälen mitzutanzen oder möglichst „hip“ sein zu wollen, sondern „handelnde Politik“ einsetzen. Form und Auftritt kann die konkrete Politik auch bei Jugendlichen nicht komplett ersetzen, brachte Mirko Drotschmann zum Ausdruck. Sein Rat: „Inhaltlich die Jugendlichen ernstnehmen und mitnehmen und eine politische Haltung zeigen.“

Die großen Parteien sollten Netzwerke nutzen, um Einblicke in ihre politische Haltung und Arbeit zu geben. Paradebeispiel einer gelungenen digitalen Kommunikation mit viel Zustimmung ist für ihn der Social-Media-Auftritt der Politikerin und jahrelangen Fraktionsführerin Sahra Wagenknecht (PDS und Linke). „Sie positioniert sich zu aktuellen Themen, man bekommt ihr Denken mit, auch ihre politische Arbeit wird nachvollziehbar. Man sollte die menschliche Seite sehen.“

Was kann die CDU tun, damit nicht Youtuber vielen jungen Menschen die Politik erklären? Wie die Partei-Inhalte an die netzaffine Jugend ranbringen? Diese Fragen beschäftigten junge Christdemokraten. Der JU-Kreisverband hat den Youtuber Mirko Drotschmann, vielen bekannt als MrWissen2Go, zu einer digitalen Gesprächsrunde eingeladen und gefragt, wie die Partei die Jugend zurückgewinnen kann.

Ziemlich genau zwei Jahre ist es her, im Mai vor der Europawahl, da sorgte das 17 Millionen Mal

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