Rems-Murr-Kreis

Zehn Tipps für Eltern: So lernen Kinder schneller schwimmen

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Schwimmbad Kinder Schwimmen Symbolbild
Symbolbild. © pixabay.com
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Freibad
Schwimmlehrer empfehlen Schwimmnudeln, weil sie nicht am Körper befestigt sind. © Alexandra Palmizi

Dass ihre Töchter schwimmen lernen, ist Melanie de Vreede sehr wichtig. Denn Schwimmen kann Leben retten. Aber es ist nicht nur die Sicherheit im Urlaub oder beim Freibadbesuch, die die Mutter aus Weinstadt im Blick hat. „Schwimmen zu lernen ist ein Lebensereignis, ein großer Erfolg für die Kinder.“ Spätestens mit dem Schuleintritt sollten sie schwimmen können, findet de Vreede. „Wer dann noch nicht schwimmen kann, ist gleich einmal hintendran.“

Durch die Corona-Pandemie jedoch habe das Schwimmengehen sehr gelitten. War die Familie zuvor regelmäßig mit den Kindern im Schwimmbad, war dies monatelang überhaupt nicht möglich, weil die Bäder geschlossen waren. Spontan schwimmen zu gehen, war noch länger nicht möglich, weil nur eine beschränkte Besucherzahl nach vorheriger Anmeldung in die Bäder durfte.

Schwierigkeiten, einen Schwimmkurs zu finden

Nachdem die Corona-Beschränkungen aufgehoben wurden, konnte man zwar wieder schwimmen gehen, es war jedoch schwierig, einen Platz in einem Schwimmkurs für ihre ältere Tochter zu finden, die mit fünf Jahren im optimalen Alter ist, um schwimmen zu lernen. Über den Anbieter „Alles im Wasser“ hat Melanie de Vreede schließlich einen Platz bekommen, zufrieden war sie allerdings nicht: „Die Kinder haben mitgemacht, aber schön war es nicht.“

Im Halbstundentakt seien Kindergruppen mit bis zu zwölf Kindern im Schwimmbecken eines Hotels unterrichtet worden, schildert sie. Eine Massenveranstaltung ohne die Möglichkeit, sich vor Ort zu duschen. „Am Ende des Kurses haben die Kinder das Seepferdchen nicht geschafft und waren natürlich traurig“, erzählt de Vreede. Obwohl sie mit dem Kurs nicht zufrieden war, hätte sie einen weiteren gebucht – doch dafür war es dann bereits zu spät. „Es gibt mehr Anfänger- als Fortgeschrittenenkurse und alle Plätze waren schon ausgebucht. Darauf hingewiesen, dass man sich hätte rechtzeitig anmelden müssen, wurden wir nicht.“

Was tun, wenn es im Schwimmkurs nicht klappt?

Kurz vor dem Ziel, dass ihre große Tochter das Seepferdchen schafft, aufzugeben, kam für die zweifache Mutter nicht infrage. Über einen Verwandten konnte sie einen Kontakt zu einem Mitglied der DLRG herstellen, die junge Frau gab für ihre Tochter und drei weitere Kinder von Freunden einen privaten Schwimmkurs und nahm das Seepferdchen ab.

Doch was tun, wenn man niemanden kennt, der helfen kann? Oder wenn sich das eigene Kind weigert, einen Schwimmkurs zu besuchen oder dort mitzumachen? Das Schwimmenlernen wird dann natürlich etwas schwieriger. Aber Eltern können viel tun, um ihrem Kind dabei zu helfen. „Eltern spielen eine sehr große Rolle beim Schwimmenlernen, weil die Wassergewöhnung zu Hause beginnt“, sagt Christine Häberle, die beim Schwimmverband Württemberg Referentin für Anfängerschwimmen ist. Ein Kind, das bereits gut ans Wasser gewöhnt sei, lerne später schneller schwimmen. In den Sommerferien geht man oft ins Freibad oder hat im Urlaub einen Pool und das Meer vor der Tür. Diese Zeit kann man nutzen. Zehn Tipps:

Wassergewöhnung zu Hause

Für die Wassergewöhnung reicht zunächst die Badewanne. Während des Planschens können Eltern ihr Kind anregen, sich Wasser über Kopf und Gesicht laufenzulassen, mit einem Strohhalm und mit dem Mund im Wasser zu blubbern oder das Ohr ins Wasser zu legen, um Geräusche unter Wasser zu hören. Eltern können beispielsweise unter Wasser schnipsen oder Tiergeräusche imitieren.

Hauptsache Spaß

Im Hotelpool im Urlaub oder im Schwimmbad können diese Übungen ergänzt werden. Zum Beispiel können Kinder wie Tiere durchs Wasser gehen. Wer sich auf den Händen wie ein Krokodil durchs Wasser bewegt, übt gleich die richtige, flache Wasserlage. Wer wie eine Krabbe läuft, fördert die Beinbewegungen beim Brustschwimmen. Beim Hüpfen wie ein Frosch und beim Ballspielen lernen Kinder spielerisch, dass es nicht schlimm ist, wenn Wasser ins Gesicht spritzt. Das gilt auch fürs Reinspringen vom Beckenrand oder wenn man versucht, im Wasser über eine Poolnudel zu klettern. Das Wichtigste: „Es muss Spaß machen. Alles, was Kinder im Wasser machen, hilft ihnen bei der Wassergewöhnung“, sagt Kim Strobel, Lehrreferentin beim Schwimmverein Waiblingen.

Gezielte Übungen

Wer mit dem Kind viele Dinge ausprobiert, kann zwischendurch natürlich auch gezieltere Vorübungen fürs Schwimmen einstreuen. Zum Beispiel ein Gefühl für die Wasserlage zu bekommen: Die Eltern sind hinter dem Kind, legen eine Hand unter dessen Kopf. Zunächst im flachen Wasser das Kind spüren lassen, dass es auf dem Wasser liegen kann. In dieser Position können Eltern ihre Kinder später auch durchs tiefere Wasser ziehen.

Experimente unter Wasser

Wenn sich ein Kind im Wasser wohl und sicher fühlt, kann man Tauchübungen versuchen. Eltern können beispielsweise Tauchringe oder andere Gegenstände unter Wasser hinhalten. Nach und nach die Gegenstände tiefer halten bis irgendwann Gegenstände vom Boden hochgeholt werden können. Plastikflaschen schweben im Wasser und können gefüllt auch ertaucht werden. Wichtig: Nase nicht zuhalten, Augen offenlassen und keine Taucherbrille tragen, raten die Expertinnen.

Atmen nicht vergessen

Um die richtige Atmung zu üben, kann man versuchen, mit dem Kind unter Wasser zu schreien oder ein Lied zu singen. Dabei lernt das Kind automatisch, dass kein Wasser in den Mund kommt, wenn es ausatmet. Ist ein Kind ängstlich, kann man es an der Hand nehmen und gemeinsam untertauchen. Extratipp: Wenn ein Kind sich verschluckt, sollte es beide Arme nach oben strecken und husten, so kommt das Wasser raus.

Kinder sollten sich frei bewegen, aber nie allein im Wasser sein. Beim Schwimmenüben reicht ein Schwimmgurt oder eine Schwimmnudel. Beide Schwimmhilfen ermöglichen eine gute Wasserlage. „Mit Schwimmflügeln stehen die Kinder eher im Wasser, außerdem belastet die Haltung den Schultergürtel“, sagt Häberle und rät deshalb von Schwimmflügeln eher ab. Ausnahme: „Für die Sicherheit beim Planschen oder am Meer können Schwimmflügel zwischendurch praktisch sein.“ Wichtig sei, dass Kinder sich immer wieder mit Eltern, aber ohne Schwimmhilfe im Wasser bewegen, damit sich die Kinder nicht zu sicher fühlen und denken, sie könnten schon schwimmen.

Schwimmen lernen

„Trockenübungen an Land halte ich nicht für sinnvoll. Kinder müssen die Bewegungen im Wasser erleben“, sagt Häberle. Am Anfang müsse man nicht versuchen, gezielt Brust- oder Kraulschwimmbewegungen einzuüben. „Wichtig ist, dass die Kinder sich bewegen und vorwärtskommen.“ Eltern könnten ein Ziel setzen, um den Nachwuchs zur Fortbewegung im Wasser zu motivieren.

Vorbild sein

Wie überall gilt auch im Wasser: Eltern müssen Vorbild sein. „Man sollte selbst alles vor- und mitmachen, nicht ängstlich sein“, sagt Strobel. Und das soll natürlich Spaß machen, also auch mal eine Wasserschlacht liefern.

Geduld haben

Wie lange dauert es, bis ein Kind schwimmen kann? Das ist individuell, hängt sowohl vom Alter als auch den Vorerfahrungen des Kindes ab. „Grundsätzlich ist es besser, wenn der Wasserkontakt früh erfolgt“, sagt Häberle. Vier Jahre seien ein gutes Alter für den ersten Schwimmkurs. Allerdings machten gerade jüngeren Kinder die nun abgesenkten Temperaturen in den Schwimmbädern häufig mehr zu schaffen. „Schnellere Lernerfolge haben wir meistens bei etwas älteren Kindern, also mit fünf oder sechs Jahren.“ Drei Kurse sollte man aber schon einplanen, bis das Kind einigermaßen sicher schwimmen könne, sagen die Expertinnen. Und danach sei es wichtig, weiterhin regelmäßig schwimmen zu gehen, damit das Gelernte nicht vergessen werde.

Das Wichtigste

„Geht mit den Kindern ans Wasser, habt Spaß. Jeder Kontakt mit Wasser hilft, dass Kinder schneller schwimmen lernen“, sagt Christine Häberle.

Dass ihre Töchter schwimmen lernen, ist Melanie de Vreede sehr wichtig. Denn Schwimmen kann Leben retten. Aber es ist nicht nur die Sicherheit im Urlaub oder beim Freibadbesuch, die die Mutter aus Weinstadt im Blick hat. „Schwimmen zu lernen ist ein Lebensereignis, ein großer Erfolg für die Kinder.“ Spätestens mit dem Schuleintritt sollten sie schwimmen können, findet de Vreede. „Wer dann noch nicht schwimmen kann, ist gleich einmal hintendran.“

Durch die Corona-Pandemie jedoch habe

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